Schiedrichter Jochen Drees aus Münster am Samstag beim Spiel Freiburg gegen Schalke jedenfalls nicht. Und das ist auch gut so. Am Abend kündigte Moderator Poschmann im ZDF eine "3-D-Darstellung" der Szene an. Schon erwartete man blaue Indianer auf dem Bildschirm und war versucht, zur Farbfilterbrille zu greifen. Stattdessen drehte der Grafiker das Bild in eine Richtung, die nicht der Sichtachse des Schiedsrichters und seines Assistenten entsprach und ließ schließlich im Computer auch noch alle Spieler verschwinden.
Erst dann konnte man sehen, dass der Ball nach Marcelo Bordons Kopfball tatsächlich für kaum eine Sekunde vollumfänglich im Freiburger Tor gewesen ist. Und Felix Magath redet nachher von "Amateuren". Voila, die andauernde Diskussion ist wieder eröffnet. Chip im Ball, Torrichter, Videobeweis. Vielleicht eine "Challenge"-Möglichkeit für die Teams bei strittigen Entscheidungen wie im Tennis und Hockey?
Technische Möglichkeiten gibt es natürlich. Aber wo fängt man an? Haben die Hamburger nicht auch einen Punkt, wenn sie das Freistoßgeschenk für Köln kritisieren, dass zum 2:3 führte? Die Handspiele in Nürnberg? Soll man noch mal gucken? Und immer schön das Spiel unterbrechen? Viel wichtiger als das technisch unterstützte Aufbröseln einzelner Situationen ist doch, dass es die Schiedsrichter schaffen, gleiche, klar erkennbare Aktionen auch immer und überall gleich zu bewerten und zu sanktionieren.
Schiedsrichter Drees jedenfalls hat keinesfalls eine "Fehlentscheidung" getroffen, sondern die genau richtige. Er konnte sich nicht zweifelsfrei sicher sein, ob der Ball im Tor war. Und Tor ist nur, wenn der Schiri pfeift. Auch das macht doch den Reiz des wundervollen Spiels aus. Lasst uns unsere Diskussionen und unterschiedliche Meinungen.
Bordon hätte ja auch einfach seinen Kopfball richtig ansetzen können, glatt rein statt an die Latte. Dann müsste sein Trainer Funktionäre nicht als "Amateure" diffamieren. Aber vielleicht meinte der Schalker Coach damit in Wirklichkeit ja auch die Beteiligten bei der (zunächst?) gescheiterten Vertragsverlängerung von Joachim Löw.




