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Steffi Nerius zur IDM
"Im Grunde wie bei Nichtbehinderten"

Speerwerferin Steffi Nerius ist ein Star unter den deutschen Leichtathleten. Letztes Jahr wurde sie in Berlin Weltmeisterin und das mit 37 Jahren.

Ihren größten Traum erfüllte sich die Diplom-Sportlehrerin 2006 bei der Europameisterschaft in Göteborg mit dem Gewinn ihrer ersten Goldmedaille. Ein weiterer Höhepunkt war der zweite Platz bei den Olympischen Spielen in Athen. Beim TSV Bayer 04 Leverkusen arbeitet Nerius seit 2002 als Trainerin im Behindertensport.

Frau Nerius, im vergangenen Jahr haben Sie von der
Leichtathletik Abschied genommen. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Gar nicht schwer. Ich habe schon lange vorher gesagt, dass 2009 meine letzte Saison sein wird. Ich habe alles ganz entspannt gesehen.

Woher kam die Lockerheit?

Ich habe alles ausgereizt, was in meinem Körper steckte. Das Training lief gut und die Wettkämpfe haben richtig Spaß gemacht. Vor der Weltmeisterschaft in Berlin habe ich mir gesagt, dass ich alles erreicht habe. Eine Medaille wäre schön, aber ich wollte einfach nur den perfekten Wurf machen.

Und der ist Ihnen gelungen. Wie haben Sie den Wettkampf erlebt?

Das war einfach gigantisch. Der erste Wurf war perfekt, da habe ich gehofft, dass er für eine Medaille reicht. Und als vor dem letzten Wurf immer noch niemand weiter geworfen hatte, wurde ich doch ein bisschen nervös und dachte: ‚Jetzt braucht auch keiner mehr besser zu werfen.‘ Die Siegerehrung war das Schönste, was mir in meinem Leben passiert ist.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was bleibt Ihnen am meisten im Gedächtnis?

Als erstes fällt mir natürlich die WM ein. Aber es gibt viele schöne Erlebnisse. 2004 in Athen war der Hammer. Eine Medaille bei den Olympischen Spielen. Das waren prägende Erlebnisse.

Wie sieht ein Tag von Steffi Nerius heute aus?

Ziemlich stressig. Von Büroarbeit, Wettkämpfe planen, Trainingspläne schreiben über AGs in Schulen und PR-Terminen ist alles dabei. Es ist ein richtig durchorganisierter Tag, der oft zwölf Stunden dauert.

Wie schalten Sie dann davon ab?

Meistens mit Fernsehgucken oder Radiohören und ein Bierchen trinken. Hauptsache, ich muss nicht nachdenken und mich anstrengen. Außer zwei Mal in der Woche, da spiele ich Fußball.

Worauf haben Sie sich am meisten gefreut, als es mit der Karriere zu Ende ging?

Ich freue mich ich im Sommer Urlaub auf Rügen machen zu können. Das ging schon Jahre nicht mehr. Und ganz ehrlich, ich bin froh, dass ich keine Gewichte mehr stemmen muss.

Sie trainieren jetzt die Behindertensportler bei TSV Bayer 04 Leverkusen. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich wollte mir neben dem Sport ein zweites Standbein aufbauen. 2002 wurde hier die Stelle ausgeschrieben und dann habe ich das neben meinem Sport als Halbtagsjob gemacht. Seit Oktober bin ich jetzt voll eingebunden.

Ist die Arbeit mit Behindertensportlern anders?

Von der Trainingsmethodik und dem Aufbau nicht. Das ist im Grunde wie bei Nichtbehinderten. Manchmal muss man etwas kreativer sein, da manche Übungen nicht möglich sind. Aber die Arbeit ist umfangreicher. Ich muss zum Beispiel mit den Orthopädietechnikern über Prothesen sprechen, was da möglich ist. Und auch der rehabilitative Aspekt ist nicht zu vernachlässigen.

2009 sind Sie zur „Sportlerin des Jahres“ gewählt worden. Hätten Sie damit zum Abschluss Ihrer Karriere noch gerechnet?

Ich dachte, dass Britta Steffen gewinnen würde. Sie ist im vergangenen Jahr zwei Weltrekorde geschwommen. Irgendwann kam mir aber doch der Gedanke, wenn die Journalisten das Lebenswerk betrachten, dann habe ich vielleicht eine Chance. Und als Platz drei und zwei an Maria Riesch und eben Britta Steffen gegangen ist, blieb ja nur noch ich übrig. Vorher hatte auch schon jemand eine komische Bemerkung gemacht. Das war schon schön.

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