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Korruptionsbekämpfung
Zweifel an der FIFA wachsen

Die FIFA wird in ihrem propagierten Kampf gegen Manipulationen von den eigenen Sünden eingeholt, die Zweifel an der Handlungsfähigkeit des Weltverbands wachsen.

Obwohl die FIFA nach eigenen Angaben "dem Kampf gegen illegale Sportwetten und Spielmanipulation höchste Priorität" zumisst, wird die Liste der Kritiker immer länger. Nach Politikern und Ermittlern traut nun auch Korruptions-Bekämpferin Sylvia Schenk dem Verband nicht viel zu.

"Die FIFA hat keine Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Spiel-Manipulationen, weil sie im eigenen Laden nicht aufräumt", sagte das Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland in der ARD-Sendung Anne Will. Zuvor war bereits die Bundestagsfraktion der Grünen ähnlich deutlich geworden. Deren sportpolitische Sprecherin Viola von Cramon hatte Blatter für den von Europol aufgedeckten Wettskandal mitverantwortlich gemacht und indirekt den Rücktritt des FIFA-Chefs gefordert.

Auf diese Kritik reagierte die FIFA nun allergisch. "Damit verdreht die Politikerin auf krasse Weise die Tatsachen. Sowohl die FIFA als auch deren Präsident messen dem Kampf gegen illegale Sportwetten und Spielmanipulation höchste Priorität zu", erklärte der Weltverband und listete seine Aktivitäten auf. Angeführt wurde die Unterstützung von Interpol mit 20 Millionen Dollar, die Einstellung des neuen Sicherheits-Chefs Ralf Mutschke, die Einführung eines Frühwarn- und Online-Meldesystems.

FIFA sieht ihren Teil als getan an, jetzt sind andere am Zug

Für die FIFA liegt der Ball nun in der Hälfte der Politik. Die Maßnahmen würden nichts nützen, "wenn der Gesetzgeber keine rechtliche Basis schafft, um gegen Spiel-Manipulation hart und konsequent vorzugehen. Nur wenn Staaten und Regierungen mitziehen, lässt sich das illegale Milliardengeschäft, das den Sport in seiner Grundexistenz bedroht, global und nachhaltig bekämpfen", ließ der Weltverband verlauten: "Es läge in der Verantwortung von Politikern wie Viola von Cramon, ihr Mandat als Bundestagsabgeordnete in diesem Sinne zu nutzen, statt mit persönlichen Attacken gegen FIFA-Präsident Blatter vom eigentlichen Problem abzulenken. Das ist verantwortungslos und gefährlich."

Unterstützung erhält die FIFA vom früheren Sicherheits-Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Helmut Spahn ("FIFA und UEFA haben Spiel-Manipulationen als die größte Bedrohung des Fußballs erkannt") sieht das Problem im fehlenden internationalen Rechtsrahmen. "Das ist schwierig, wenn man sieht, wie schwer sich Europa tut, gemeinsame Regeln zu finden", sagte der 51-Jährige dem kicker: "Ein internationales Netzwerk mit Staatsanwälten, Funktionären, Schiedsrichtern könnte einen Informationsaustausch etablieren. Diese Koordination fehlt."

Auch nach Ansicht von Schenk müssen die Europol-Erkenntnisse ein "Weckruf für die Politik sein, ausreichende Ressourcen für solche Ermittlungen zur Verfügung zu stellen". Wie Europol-Direktor Rob Wainright geht auch Schenk davon aus, dass die veröffentlichten Ermittlungs-Ergebnisse nur die Spitze eines Eisbergs sind. "Bei Korruptionsverfahren sehen wir fast immer, dass noch sehr viel mehr dahinter steckt. Davon kann man auch in diesem Fall ausgehen", sagte Schenk, die für den deutschen Profifußball keine generelle Entwarnung geben will: "Die relativ hohen Gehälter in der Bundesliga sorgen zwar für ein geringeres Risiko, es wird aber auch mit Erpressung gearbeitet."

Lemke: "Videobeweis zur Einschränkung von Manipulationen"

Schenks Gesprächspartner Willi Lemke sprach sich für die Einführung des Videobeweises aus, um "der Gefahr von Manipulationen durch Schiedsrichter entgenenzuwirken". Der Aufsichtsratsvorsitzende von Bundesligist Werder Bremen regte zudem eine Amnestie für Kronzeugen an. "Wir solten die Debatte zum Anlass nehmen, um reinen Tisch zu machen. Wenn sich Spieler aus unteren Ligen melden, sollten sie nur eine geringe Strafe bekommen."

Die europäische Polizeibehörde Europol hatte am Montag bekanntgegeben, dass es zwischen 2008 und 2011 insgesamt 380 manipulierte Spiele in Europa gegeben haben soll. In rund 300 weiteren verdächtigen Partien, die zumeist außerhalb Europas stattgefunden haben, laufen derzeit Ermittlungen. Insgesamt sollen 425 Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre und Kriminelle involviert gewesen sein.

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