Aus dem aktuellen Profi-Kader war nur Torwart Timo Hildebrand schon auf der Welt - wenn auch nur kurz. In zwölf Jahren in der neuen Arena gab es keine höhere Niederlage.
Nicht nur deshalb präsentierte sich auch ein alt eingesessener Knappe wie Benedikt Höwedes nach dem 0:4 (0:2) gegen den in jeder Hinsicht übermächtigen Triple-Sieger Bayern München kleinlaut. Der Kapitän der Schalker nahm sogar das Wort "Klassenunterschied" in den Mund. Doch auch bei Dennis Aogo, der erst seit drei Wochen Schalker ist, hinterließ die Lehrstunde Frust. "Da liegt man 0:2 zurück und läuft immer wie ein Idiot dem Ball hinterher", sagte der Nationalspieler. "Schon demotivierend" sei das gewesen.
Trainer Jens Keller betonte im Doppelpass bei Sport1: "Nach der Pause habe ich mir schon gewünscht, dass meine Spieler nochmal eine andere Körpersprache zeigen und ein Zeichen setzen. Aber im Kopf war es wohl so, dass die Mannschaft zuviel Respekt hatte."
Dennoch: In die kollektive Schalker Niedergeschlagenheit mischte sich auch eine Art von Erleichterung. Gegner war nicht irgendwer gewesen, sondern "die vielleicht beste Mannschaft der Welt", wie der machtlose neue Schalke-Star Kevin-Prince Boateng die Bayern nach dem klar verlorenen Duell mit seinem Halbbruder Jerome nannte.
Ähnlich sahen es die Schalker Fans, die ihr Team im Spiel und bis weit nach Schlusspfiff frenetisch feierten. "Unglaublich" nannte selbst Bayern-Coach Pep Guardiola die Unterstützung, beim Stand von 0:4 habe ihn dies "überrascht". Die Übermacht der Bayern versetzte dann auch Aogo in die Lage, trotz allem optimistisch in die Zukunft zu blicken: "Wir haben in den letzten Spielen unsere Qualität gezeigt, das dürfen wir jetzt nicht aufgrund dieses Spiels anzweifeln."
20 Minuten lang hatten die Schalker gut mitgehalten, sogar der Führungstreffer war drin gewesen. Doch der Doppelschlag durch Bastian Schweinsteiger (21.) und Mario Mandzukic (22.) sei wie ein "Genickbruch" gewesen, sagte Höwedes. Von dem Selbstbewusstsein der Schalker, das sie nach dem verpatzten Saisonstart durch vier Siege in Folge wiedergewonnen hatten, war danach nichts mehr zu sehen. Das 0:3 erzielte Franck Ribéry (75.) das 0:4 Claudio Pizarro (84.).
Selbst dieses Ergebnis spiegelte die Dominanz der Bayern, die fast 70 Prozent Ballbesitz hatten, nur unzureichend wider. Auch Keller war zwischenzeitlich die Unsicherheit anzumerken gewesen. Der Schalker Coach wagte es auch beim Stand von 0:2 nicht, die Offensive seines Teams zu stärken. Aogo nannte später den Grund dafür.
"Die Bayern haben ein brutales Positionsspiel. Da darfst du nicht völlig aufmachen", sagte der Ex-Hamburger. Ganz andere Mannschaften seien in diesem Fall schon "untergegangen". Auch ein einziger Schuss aufs Bayern-Tor in 90 Minuten verdeutlichte die Schalker Angst vor einem Desaster.
"Ich habe in der Kabine direkt gesagt, dass wir die Köpfe oben halten müssen", sagte Kevin-Prince Boateng, "jetzt kommen schwierige, aber machbare Aufgaben". In der Liga sind dies bis zum Derby gegen Borussia Dortmund am 26. Oktober 1899 Hoffenheim, der FC Augsburg und Eintracht Braunschweig. Nächster Gegner ist schon am Mittwoch Drittligist Darmstadt 98 (20.30 Uhr/ARD und Sky) im Pokal. "Die sind sicher hungrig, den nächsten Bundesligisten rauszukegeln", sagte Höwedes. In der ersten Runde hatte Borussia Mönchengladbach im Elfmeterschießen dran glauben müssen.
Weit mehr Sorgen dürfte dem Champions-League-Teilnehmer allerdings der Blick auf die Bundesliga-Tabelle bereiten. Acht Punkte beträgt schon der Rückstand auf den Dritten Bayer Leverkusen, neun auf die Bayern und Dortmund. "Das haben wir schon früher vergeigt, dieses Spiel gegen die Bayern muss man da ausklammern", betonte Höwedes.
Boateng wollte sich allerdings auf die Frage, wo denn Schalke derzeit stehe, nicht wirklich festlegen. "Heute in Gelsenkirchen, am Mittwoch in Darmstadt", lautete seine Antwort.




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