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Film-Projekt
Wie Phönix die Flügel verliert

Es sollte DIE Saison werden für die Essener Football-Mannschaft Assindia Cardinals. Nach zwei Abstiegen in Folge war es ihr großer Traum, den direkten Wiederaufstieg in die zweite Liga zu schaffen.

Dokumentiert werden sollte der Erfolg im Diplom-Film dreier Studenten der Medienakademie Dortmund. Dass die Footballer ihre Chance vor dem letzten Spiel jedoch bereits vertan hatten, spielte Julian Kneidl, Hubertus zu Solms-Sieglin und Franz Niermann zwar nicht so ganz in die Karten, beim Spiel gegen Remscheid Amboss wurde „am Hallo“ aber trotzdem noch einmal schweres Gerät aufgefahren, um einen perfekten Saisonabschluss zu dokumentieren.

Auf einmal wird es hektisch am Spielfeldrand. Die Assindia Cardinals werden erst kurz vor der Endzone gestoppt und haben die Möglichkeit auf den ersten Touch Down. Das Filmteam stürmt Richtung Kamera-Kran, Kneidl springt auf den Sitz, die Gewichte werden eingeladen, um ihn in die Luft zu hiefen und... Zu spät, Spielzug vorbei. Alles hat ein bisschen zulange gedauert, ärgert sich zu Solms-Sieglin.

Mit der Kamera immer mitten im Geschehen

Dabei hatten die drei Dortmunder den Kran extra für das letzte Spiel ausgeliehen. „In der Woche davor gab es so eine tolle Touch-Down-Szene, die wir aber leider nicht richtig festhalten konnten“, erklärt zu Solms-Sieglin, der extra einen Schein gemacht hat, damit er den Kran „führen“ darf. „Das wollten wir im letzten Spiel natürlich noch einmal ausnutzen.“ Schließlich soll die Diplomarbeit ja auch gut werden.

Anders als üblich haben sich die drei Mittzwanziger für einen Dokumentationsfilm als Abschlussarbeit entschieden. 90 Minuten soll er lang werden. Dementsprechend viel Material haben sie seit Beginn der Dreharbeiten im Januar gesammelt. Im Juli hatten sie schon 35 Stunden Filmmaterial im Kasten, inzwischen sind es doppelt so viele. „Man weiß schließlich nie, was passiert, hat kein Drehbuch. Wir filmen eben die Realität“, beschreibt zu Solms-Sieglin die Problematik. Und Kneidl fügt an: „Nicht wir schreiben das Drehbuch, sondern die Spieler.“

Mit der Kamera darf kein Moment verpasst werden.

Dementsprechend waren sie auch nicht darauf vorbereitet, dass es mit dem Wiederaufstieg für die Footballer nicht klappt. Eine Abstiegsmannschaft zu dokumentieren, die wie Phönix aus der Asche wieder aufsteigt – das war ihre Intention und der Grund, warum sie sich ausgerechnet an die Assindia Cardinals gewandt haben. Jetzt müssen sie umplanen. „Der Film soll ja objektiv sein, wir dokumentieren Sieg und Niederlage“, erklärt Kneidl.
Erneut Aufregung an der Seitenlinie: Ein Essener wird vom Platz gestellt. Mitten im Pulk der Spieler- und Trainer, die die Entscheidung nicht nachvollziehen können, filmt Niermann die Reaktionen; von Berührungsängsten keine Spur. Überhaupt kann sich das Filmteam frei zwischen den Protagonisten bewegen. Wo andere Journalisten draußen bleiben müssen, fängt für Kneidl, zu Solms-Sieglin und Niermann die Arbeit erst richtig an. Vor dem Spiel, in der Pause und danach geht es mit in die Kabine. Jede noch so kleine Bewegung und Äußerung wird mit der Kamera festgehalten.

Für den Cardinals-Headcoach war dies nie ein Problem. Carsten Weber hatte nach dem ersten Kontakt direkt ein gutes Gefühl, die drei im Team zu integrieren. „Sie wurden schnell Teil der Mannschaft. An die Kamera hat schon bald keiner mehr gedacht.“ Zwar standen die Filmer anfangs noch manchmal im Weg, erinnert sich der Trainer, „aber sie haben sich sehr schnell angepasst.“

Die ersten 72 Minuten des Rohschnitts sind bereits fertig. Am 27. Oktober ist die Premiere im Essener Cinemaxx. Von den Teasern, die Weber schon gesehen hat, ist er hellauf begeistert. „Sie beschreiben ein bisschen die Verrücktheit des Sports. Hier hat jeder einen rostigen Nagel im Kopf. Die Vorführung wird sicher sehr emotional.“ Doch bis es soweit ist, haben die drei Studenten noch etwas Arbeit vor sich, bei der niemand weiß, was am Ende so wirklich dabei heraus kommt. Was sie aber schon wissen: „Es wird ein schönes Endprodukt“, mit dem sie es ja vielleicht sogar auf die große Bühne schaffen werden. Träumen wird ja noch erlaubt sein...

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