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Eishockey-WM in Russland
Kampf um den Klassenerhalt und die Zukunft

Der Blick aufs Wesentliche fällt nicht leicht. Spielautomaten an jeder Ecke, leichtgeschürzte Damen mit eindeutigen Absichten - im Hotel Cosmos in Moskau ist die Ablenkung für die deutschen Eishockey-Nationalspieler groß. Doch ihr Ziel bei der WM in Russland verlieren sie nicht aus den Augen. `Sie sind hochkonzentriert und wollen sich zerreißen, um den Klassenerhalt zu erreichen´, betonte Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Als das Team von Bundestrainer Uwe Krupp nach dreistündigem Flug und anschließender Fahrt durch die verstopfte russische Hauptstadt ihr WM-Domizil erreicht hatte, machten nicht nur die zahlreichen WM-Neulinge große Augen.

`Es geht zu wie auf dem Rummelplatz, das ist wie in Las Vegas´, meinte Reindl. Auf ihre Aufgabe, die am Samstag (14.15 Uhr/live in der ARD) mit dem Vorrundenspiel gegen Rekordweltmeister Kanada beginnt, stimmt Krupp die junge und international unerfahrene Mannschaft in der 25. Etage ein - mit Blick über Russlands Metropole.

`Der Klassenerhalt ist das Ziel. Wenn wir das erreichen, wäre ich höchst zufrieden. Das wäre ein Supererfolg´, formulierte der Bundestrainer. Zwölf Monate nach dem direkten Wiederaufstieg geht es aber in Moskau und im Vorort Mytischtschi, in dem die DEB-Auswahl ihre Spiele austrägt, um noch viel mehr. `Wir müssen auch das Fernziel Olympia im Auge behalten´, mahnte Reindl. Um sich für Vancouver 2010 noch direkt zu qualifizieren, muss die deutsche Mannschaft bei den WM-Turnieren in Russland und im kommenden Jahr in Kanada ihren Weltranglisten-Platz deutlich verbessern:

vom derzeit zwölften auf den neunten Rang. `Das können wir nur durch zwei gute Weltmeisterschaften erreichen´, sagte Reindl. Auf dem Spiel steht sogar noch mehr: das Image des deutschen Eishockeys. Denn erstmals seit zehn Jahren werden die Spiele der DEB-Auswahl wieder live bei ARD und ZDF gezeigt, anders als zuletzt werden wieder Millionen Fans daheim zuschauen. `Das ist eine große Chance, uns wieder zu präsentieren und unseren Stellenwert zu erhöhen´, erklärte Reindl, gab aber auch zu: `Das erhöht den Druck noch mehr.´ Sollte das junge Team den Klassenerhalt nicht schaffen, wäre die große Chance vorerst vertan.

Denn 2008 gibt es nur Live-Bilder bei den Öffentlich-Rechtlichen, wenn Deutschland bei der A-WM in Quebec und Halifax mitspielt. Und ob der dann auslaufende Vertrag mit Blick auf die Heim-WM 2010 verlängert wird, hängt auch von der Erstklassigkeit der DEB-Auswahl ab. Die große Aufgabe vertraut Krupp einer Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 24,6 Jahren und nur acht WM-erfahrenen Profis an. `Unsere guten deutschen Spieler sind jung´, sagte der Bundestrainer, der seit seinem Amtsantritt im Dezember 2005 unter anderem die Routiniers Jan Benda, Klaus Kathan und Tino Boos aussortierte, weil sie seinen Ansprüchen nicht genügten.

`Der Spielertyp, den ich suche, ist läuferisch stark, technisch stark, fit, taktisch geschult. Er kann unser System umsetzen. Er ist besser groß als klein, nicht ängstlich und kann hart spielen.´ So stehen insgesamt 17 Spieler im 25-köpfigen Kader, die jünger als 26 Jahre sind, nur der Mannheimer Martin Ancicka und der Berliner Sven Felski (beide 32) sind jenseits der 30. Weil die NHL-Profis Olaf Kölzig, Marco Sturm und Dennis Seidenberg ihre Teilnahme absagten und zudem die WM-erprobten Verteidiger Sascha Goc, Andreas Renz und Stefan Schauer verletzt passen mussten, blieb Krupp kaum eine andere Wahl.

`Wo sind die Alternativen?´, fragte er rhetorisch. Auch wenn die Generalprobe mit 1:5 gegen die Schweiz verloren ging, sieht sich Krupp mit seinem Team für die Aufgaben gegen Kanada, Ex-Weltmeister Slowakei und vor allem den direkten Konkurrenten Norwegen gerüstet. Die ersten Drei jeder Gruppe ziehen in die Zwischenrunde ein. Der Kader sei `bewährt in der Offensive, alle vier Reihen können Tore schießen. Er ist robust in der Defensive, wir können hart spielen und wenig Chancen zulassen. Und wir haben drei gute Torhüter.´ Auf der Position zwischen den Pfosten könnte es kurz vor dem WM-Start noch eine Änderung geben. Sollten Thomas Greiss und Dimitri Pätzold mit den Worcester Sharks in den AHL-Playoffs frühzeitig ausscheiden, könnte einer von beiden noch zum WM-Team stoßen.

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