Auch der erste Knick in der bislang so steilen Karriere des 20-Jährigen
Julian Draxler» zum Profil scheint überwunden - gerade rechtzeitig zum Champions-League-Schlager beim FC Chelsea. "Ich denke, dass ich wieder auf dem richtigen Weg bin", sagte der Nationalspieler, "aber es war erst der Anfang."
Am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky) an der Stamford Bridge will Draxler beweisen, dass die deutliche Leistungssteigerung beim 2:0 am vergangenen Samstag bei Hertha BSC nicht nur eine Momentaufnahme, sondern der Anfang eines Aufwärtstrends war. In Berlin zählte der jüngste deutsche Champions-League-Torschütze nicht nur wegen seines ersten Saisontores in der Nachspielzeit zu den besten Schalkern - eine Woche nach dem bisherigen Tiefpunkt seiner Blitzkarriere.
"Haut ruhig drauf, habe es verdient", hatte Draxler nach seiner schwachen Vorstellung beim 1:3 im Revierderby gegen Borussia Dortmund auf seiner Facebook-Seite geschrieben. Wie ein Schatten seiner Selbst hatte der begnadete Techniker gegen den BVB gewirkt, ohne Ideen, ohne Esprit und - so schien es dem einen oder anderen - auch ohne die rechte Lust.
Auf die erste Krise seiner noch jungen Laufbahn, die sich schon in den Spielen zuvor angedeutet hatte, reagierte Draxler rigoros. "Meine Leistungen waren nicht akzeptabel", gab er zu, "vor allem im Derby". Er habe einiges "hart analysiert" und "ein bisschen was aufgeräumt in meinem Privatleben", berichtete er nach dem Sieg in Berlin.
Was genau sich nach den Gesprächen mit der Familie und den Freunden geändert habe, wollte er nicht verraten. Nur so viel: "Keine Angst, meine Freundin ist noch dieselbe." Die klaren Worte im privaten Umfeld halfen offenbar: Gegen die Hertha gehörte Draxler zu den fleißigsten Spielern, lief deutlich mehr als zuletzt und setzte mit einem Solo und einem gefährlichen Distanzschuss früh erste Ausrufezeichen. Dass ihm in der Schlussphase das entscheidende 2:0 gelang, war die Belohnung.
Seine Entwicklung sei "ins Stocken geraten", stellte Sportvorstand Horst Heldt fest. Wie er auf diese Situation reagiert habe, sei "klasse", lobte der Manager den Schalker Hoffnungsträger, an dem der Wirbel im vergangenen Sommer wohl doch nicht so ganz spurlos vorbeigegangen ist.
Nach der Vertragsverlängerung bis 2018 hatten die Königsblauen auf Plakaten mit dem Jungstar geworben. Die Ausstiegsklausel, die ihm einen Wechsel für 45,5 Millionen Euro erlaubt, hatte für Schlagzeilen gesorgt - ebenso wie das Angebot des einen oder anderen europäischen Spitzenklubs, den Mittelfeldspieler für diese Summe zu verpflichten.
"Es war viel Wirbel", sagte Heldt. Die hohen Beträge, die herumschwirrten, rückten Draxler noch mehr in den Blickpunkt. "Letztes Jahr hatten ihn viele Gegner nicht auf dem Zettel", äußerte Heldt, "jetzt ist es für ihn schwieriger geworden." Die erste Delle in der Karriere sei "nicht hinderlich - sie kann helfen, um auf die nächste Krise vorbereitet zu sein".
In der Champions League hatte Draxler in dieser Saison - anders als in der Bundesliga - schon für das eine oder andere Glanzlicht gesorgt. In der Qualifikation gegen PAOK Saloniki trug er maßgeblich zum Einzug in die Gruppenphase bei, den 1:0-Auswärtssieg beim FC Basel bewerkstelligte er mit einem Traumtor.
In London will er am Mittwoch mit dem Bundesliga-Sechsten die 0:3-Hinspielniederlage vor zwei Wochen vergessen machen - auch wenn er weiß, wie schwer diese Aufgabe ist: "Wir stehen nicht gleich wieder auf einer Stufe mit Chelsea. Wir sind dort krasser Außenseiter." Immerhin einer mit Aufwärtstrend.




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