Der eine von links nach rechts, der andere von rechts nach links. Im Interview erzählen beide vom Schattendasein Kölner Vereine, die keinen Geißbock im Logo haben, von den Begleitumständen ihrer Transfers und, natürlich, von ihrer Vorfreude auf das Derby.
Herr Nottbeck
Lukas Nottbeck» zum Profil, Herr Aydogmus
Ercan Aydogmus» zum Profil, wie sind Sie beide als Ex-Spieler vom Stadtrivalen im Verein und von den Anhängern aufgenommen worden?
Nottbeck: Das Gute war, dass viele neu waren. So hatten wir fast alle das gleiche Schicksal und haben uns schnell gefunden. Mike Wunderlich und Christian Schlösser kannte ich ja noch von unserer gemeinsamen Zeit beim FC. Von Fanseite habe ich damit gerechnet, dass nach meinem Wechsel viel Gegenwind kommen wird. Aber ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt und der Unmut der Fortuna-Fans ist schnell abgeklungen. Die Anhänger von Viktoria haben mich gut aufgenommen.
Aydogmus: Natürlich war ich zu Beginn skeptisch, wie ich aufgenommen werde als Ex-Viktorianer. Aber das hat sich schnell gelegt. Auch bei der Viktoria habe ich mich wohl gefühlt, wenngleich es am Ende aufgrund der vielen Trainerwechsel und der negativen sportlichen Bilanz nicht mehr so angenehm war. Bei der Fortuna wurde ich toll empfangen. Wenn man sich hier nicht wohl fühlt, wo dann?
Halten Sie noch Verbindungen zum alten Klub?
Nottbeck: Definitiv. Thomas Kraus ist einer meiner besten Kumpels. Ich habe mit ihm früher zusammengewohnt, als wir noch gemeinsam beim FC gespielt haben. Auch mit Jan Sievers und Sebastian Finke habe ich noch regelmäßig Kontakt.
Aydogmus: Von der alten Mannschaft sind ja nicht mehr viele da. Mit Cataldo Cozza und Fatih Candan stehe ich noch in Kontakt.
Existiert diese Rivalität zwischen den Klubs eigentlich nur bei den Fans, oder spürt man sie vor so einem Derby auch innerhalb der Mannschaft und des näheren Umfelds?
Nottbeck: Im letzten Jahr hat man auf jeden Fall gemerkt, dass die Spannung immer mehr stieg, je näher das Spiel kam. Ich habe letztes Jahr zweimal erlebt, wie es ist, das Derby zu gewinnen. Das will ich dieses Jahr auch mit der Viktoria, weil ich festgestellt habe, wie wichtig das für die Fans ist. Aber natürlich auch für die Mannschaft.
Aydogmus: Das ist sicher größtenteils eine Sache der Fans. Natürlich wird es gegen die Viktoria auch auf dem Feld zur Sache gehen. Aber es muss alles sachlich und im Rahmen bleiben. Ich wünsche mir ein schönes Spiel, eine tolle Atmosphäre und, dass es keine Randale gibt.
In Köln ist jeder FC-Fan, auch in Höhenberg und Zollstock. Kann einer der beiden kleinen Klubs sich einmal eine Stellung erarbeiten etwa wie der FC St. Pauli in Hamburg?
Nottbeck: Momentan stehen sowohl die Fortuna als auch die Viktoria absolut im Schatten des FC. In Frankfurt oder Hamburg ist das anders. Wir wollen auch die Nummer zwei in Köln werden. Aber an den FC wird niemals einer rankommen. Das finde ich traurig, weil beide Mannschaften gerade attraktiven Fußball spielen und oben mitmischen. Dennoch kommen zu beiden Vereinen weniger als 2.000 Zuschauer. Meiner Meinung nach wissen die Klubs selber nicht, woran es liegt.
Aydogmus: Egal wie der FC spielt, die Leute strömen in Scharen dahin. Eigentlich ist ja nur eine Liga dazwischen. Aber sobald es bei den kleinen Vereinen in Köln nicht gut läuft, bleiben die Zuschauer weg. Das ist der größte Unterschied.
Herr Nottbeck, Sie hatten sogar einen Profivertrag beim FC, spielten aber nie für die erste Mannschaft. Wieso hat es damals nicht geklappt?
Nottbeck: Das hatte unterschiedliche Gründe. Den Vertrag hatte ich noch bei Christoph Daum unterschrieben. Der ist aber im folgenden Sommer in die Türkei gewechselt und dann kam Zvonimir Soldo. Er hat mir von vorneherein gesagt, dass er nicht auf junge Spieler setzt, sondern eher auf Erfahrung. Ich war lange verletzt und hatte nie das nötige Selbstvertrauen. Dann durfte ich noch nicht einmal bei der Zweiten des FC spielen, obwohl ich der Mannschaft freiwillig helfen wollte. Das konnte ich nicht nachvollziehen. Wie die mich behandelt haben, das macht man normalerweise nicht mit einem jungen Spieler. Der FC ist aber immer noch mein Verein. Und ich gehe auch noch gerne ins Stadion.
Bei der Fortuna waren Sie dann Führungsspieler in einer eingespielten Mannschaft, die in diesem Jahr wohl genauso um den Aufstieg spielt wie die Viktoria. Warum sind Sie diesen Schritt zum Konkurrenten gegangen?
Nottbeck: Zu dem Zeitpunkt, als ich mich entscheiden musste, habe ich bei Fortuna keinen neuen Vertrag erhalten. Ich habe mich dort wohl gefühlt und in den zwei Jahren auch immer alles für den Verein gegeben. Trotzdem war es dann Zeit für etwas Neues. Die Gespräche und das Projekt bei der Viktoria haben mich einfach überzeugt. Herr Wernze hat eine klare Vorstellung, wo er hinwill und macht uns vieles möglich. Jetzt spiele ich mit vollem Einsatz für die Viktoria.
Herr Aydogmus, Trainer Uwe Koschinat wurde müde belächelt, als er Sie verpflichtete. Bei Viktoria wurden Sie aussortiert. Kaum einer konnte sich vorstellen, dass Sie eine Verstärkung sein könnten. Und nun erzielten sie Tor um Tor…
Aydogmus: Uwe Koschinat hat mich nach dem Sieg im FVM-Pokal gegen Alemannia Aachen angerufen und mich gefragt, ob ich mir einen Wechsel zur Fortuna vorstellen könnte. Er hat mir erklärt, was er von mir hält und von mir erwartet. Dann ging das Ganze recht schnell. Ich habe von Anfang an die Rückendeckung des Trainers gespürt. Das gibt einem Selbstvertrauen. Und das habe ich in Toren und Vorlagen zurückgezahlt. Aber die Mannschaft spielt dabei auch eine große Rolle. Sie bereitet vor, ich habe die Dinger eigentlich nur noch gemacht.
Sobald Sie sich von der Bank erheben, geht ein Ruck durch die Menge. Das ist schon ungewöhnlich…
Aydogmus: Ja, bei Fortuna ist das extrem. Aber auch in meiner Zeit beim Bonner SC und bei der Viktoria haben mir die Fans immer applaudiert. Ich denke, das hängt mit meiner Spielweise zusammen. Ich gebe immer Gas, ich kämpfe bis zum Schluss.
Es gibt zwei Dinge, die besonders auffallen bei Ihnen: die ungewöhnliche Rückennummer 58 und ihre lange Haarpracht…
Aydogmus: Die Rückennummer habe ich schon seit Jahren, sie bringt mir Glück. Diese Nummer gehört zum Autokennzeichen meiner Heimatstadt Sivas. Und meine Matte ist und bleibt mein Markenzeichen.
Was ist Ihr persönliches Ziel? Ist die dritte Liga das höchste der Gefühle?
Nottbeck: Es ist mein Ziel, mit der Viktoria in der 3. Liga zu spielen. Und wenn wir einmal aufsteigen, ist alles möglich, auch durch Herrn Wernze. Da wird sicher noch ein Schub durch die Mannschaft gehen. Es ist sehr schwer, aus der Regionalliga rauszukommen. Aber wenn man das einmal geschafft hat, wird es immer besser werden für den Verein.
Aydogmus: Ich fühle mich viel jünger, ich bin fit. Die 3. Liga wäre für mich sicher nochmal ein Highlight. Wenn der Trainer hier weiter mit mir arbeiten möchte, wenn alles passt, wäre ich sicher nicht abgeneigt, ein weiteres Jahr bei der Fortuna zu spielen.


















