Von wegen schwere Beine. Wenn man Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmunds Zweite beim Testspiel am Nachmittag wirbeln sah, machten beide Teams nicht den Eindruck, dass sie gerade im Trainingslager stecken. Trotz vieler Standards auf beiden Seiten lieferten sich beide Mannschaften einen kurzweiligen Kick mit knackiger Härte, vor allem aber ansehnlichem Kombinationsfußball.
Das nahm auch Essens Trainer Waldemar Wrobel wahr, der von der Leistung seiner Mannschaft insgesamt durchaus angetan war. Im ersten Durchgang probierte RWE sich dabei im 4-1-4-1-System mit Benjamin Wingerter zentral vor der Abwehr, Marcel Platzek auf dem rechten Flügel und Benedikt Koep im Zentrum. Aber ob in dieser Formation oder mit Platzek in der Spitze: Vor dem Tor fehlte den Rot-Weissen das Quäntchen Glück.
Die Partie begann gleich sinnbildlich für den weiteren Verlauf: RWE traf mit dem ersten Angriff den Pfosten, im Gegenzug verwandelte Tammo Harder gleich den ersten Angriff des BVB. "Wir hatten am Ende ein Chancenverhältnis von 8:5 für uns. Und ich spreche nicht von irgendwelchen Möglichkeiten, aber wir verlieren mit 0:2", stellte der 44-Jährige fest. "Schade ist einfach, dass wir aus dieser Vielzahl hochkarätiger Chancen kein Tor gemacht haben. Und auch bei den Gegentreffern sind wir nicht ausgespielt worden, sondern standen selber Pate." Das nutzten die Dortmunder in Person von Nick Weber zum 2:0.
BVB-Coach David Wagner war mit dem Zu-Null-Sieg natürlich einverstanden. "Das war ein Test auf gutem Niveau, wo es auch schon mal härter zur Sache ging. Außerdem hat Julian Derstroff nach vier Monaten sein Comeback gegeben. Insofern sind wir natürlich zufrieden." Lediglich die Verletzung von Thammo Harder trübte den Gesamteindruck. Eine genaue Diagnose steht noch aus. Dasselbe gilt für Tim Hermes, der angeschlagen vom Feld humpelte und schon frühzeitig ausschied.
Vor allem das spielerische Niveau darf die Essener aber zuversichtlich stimmen: "Ich denke nicht, dass Dortmund besser Fußball gespielt hat", befand Wrobel. Ergebnisse sind im Trainingslager ja ohnehin nebensächlich.

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