Tönnies' Einlassungen sind in der Sache gut und richtig! Die Maßnahmen aber, mit denen der Fleischunternehmer Radaubrüder vom Spiel und somit Straftaten aus den Arenen fernhalten will, sind die falschen.
Tönnies spricht sich nämlich für personalisierte Tickets aus, die Identität des Karteninhalbers soll über den Personalausweis oder ein Augen-Scan erfolgen. Da die meisten Zuschauer auf den letzten Drücker ins Stadion kommen, sind im Gedränge vor den Eingängen zeitaufwändige Kontrollen tausender Besucher aber nicht möglich.
Und was passiert mit dem Zuschauer, der zwei Stunden vor dem Anpfiff die Dauerkarte eines Freundes, der kurzfristig nicht auf Schalke gehen kann, in die Hand gedrückt bekommt? Muss der sich erst umständlich registrieren lassen, weil er sonst nicht in die Arena darf?
Schalke selbst hat nach dem Eigentor mit dem zum Glück inzwischen aufgekündigten viagogo-Deal gerade erst wieder mit dem Wiedereröffnen der S04-Ticketbörse seinen Fans die Möglichkeit gegeben, übrig gewordene Karten an andere Anhänger zu verkaufen. Deren Originalticket wird zwar für die betreffende Partie gesperrt und dem Neuinhalber ein Ersatzticket ausgestellt, aber auch das wiederum müsste nach Tönnies‘ Vorschlag personalisiert werden. Eine bürokatische Hürde, die viele Interessierte abschrecken dürfte und nicht nur bei ihnen die bange Frage nach dem Schutz der privaten Daten, die da erfasst werden, aufwirft.
Bei besonderen Risikospielen, wie zum Beispiel noch im letzten Dezember in der Champions League gegen Basel, hat Schalke zwar in der Vergangenheit immer wieder mal seine Einlasskontrollen verschärft. So mussten sich die berüchtigten Problemfans erst einmal in Zelten ausziehen und sich Ganzkörperfummeleien gefallen lassen, ehe sie in die Kurve durften – oder eben nicht.
Wenn sich ein paar hundert in der Datei für Straftäter erfasste Chaoten den Arsch aufreißen lassen müssen, damit der Ordnungsdienst dort nach versteckten Bengalos fahnden kann, ist das schon ein mehr als perfider Vorgang. Wenn aber auf einmal Zehntausende erst einmal ihren Perso zücken oder ihre Augen abscannen lassen sollen, bevor sie das Drehkreuz passieren dürfen, wird der große Fußball über kurz oder lang dramatisch an Zuschauern verlieren.
Es muss andere Wege geben, einer überschaubaren Anzahl an Straftätern den Zugang zum Spiel zu verwehren, als 60.000 Menschen unter Generalverdacht zu stellen.




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