Bundestrainer Joachim Löw und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) können ihre "Tour de France" schon planen: Die Nationalmannschaft hat auf dem Weg zur EM-Endrunde 2016 in Frankreich wie erwartet keine großen Stolpersteine zu befürchten. Irland, Polen, Schottland, Georgien und Gibraltar heißen die machbaren Gegner in der Qualifikation. Das ergab die Auslosung am Sonntag im Acropolis-Kongresscenter in Nizza. Die zehn Partien werden zwischen September 2014 und Oktober 2015 ausgetragen.
"Drei Stunden nach dieser Auslosung werde ich nicht mehr an die EM denken, sondern mich mit der WM beschäftigen", sagte Löw fast demonstrativ. Sportlich sei es jedoch schon interessant, zumal seine Mannschaft in Schottland und Irland stimmungsvolle Kulissen erwarten würden.
Löw: "Und von den Polen kennen wir ja einige Spieler aus der Bundesliga." Eine Premiere in der Länderspiel-Geschichte steht mit den Duellen gegen Gibraltar bevor. Zu Recht erhob Löw den Anspruch, die Gruppe D als Erster abzuschließen.
"Die Iren und Schotten werden Spuren der Sympathie und viele leere Bierfässer hinterlassen", lautete die erste Reaktion von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Wann und im welchem deutschen Stadion die Heimspiele ausgetragen werden, soll auf einer Präsidiumssitzung am 21. März beschlossen werden.
Für die DFB-Verantwortlichen haben sich die Befürchtungen um eine Quali-Runde der gähnenden Langeweile bestätigt. Allenfalls die Begegnungen gegen den Nachbarn Polen mit den Dortmunder Bundesliga-Profis Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek könnten zu Härtetests taugen.
Durch die Aufstockung des Endrunden-Teilnehmerfelds von 16 auf 24 Teams wird es für die DFB-Auswahl wohl nur darum gehen, sich so früh wie möglich für das Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 zu qualifizieren. Schließlich schaffen es in den neun Qualifikationsgruppen die ersten beiden Teams und sogar noch der beste Gruppendritte direkt zur Endrunde. Die restlichen acht Gruppendritten spielen in Play-offs weitere vier EM-Teilnehmer aus.
Vor allem Löw und Manager Oliver Bierhoff, hatten die Aufblähung der Endrunde bereits im Vorfeld der Auslosung kritisiert. Dafür handelten sie sich einen Rüffel von UEFA-Boss Michel Platini ein. "Wem der Modus nicht gefällt, der muss nicht mitspielen. Eine überwältigend große Mehrheit aller Mitgliedsverbände war für diese Änderung. So funktioniert Demokratie", belehrte der Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) die Deutschen.
"Ich stehe zu der Kritik. Der sportliche Wert der Qualifikation wird zurückgesetzt und es gibt einen komplizierteren Modus bei der Endrunde", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nach der Auslosung. Aber er habe bereits mit Platini gesprochen.
"Unser Anspruch ist es ohnehin immer, unsere Qualifikationsgruppe zu gewinnen. Deshalb gibt für uns keinen großen Unterschied bei der Herangehensweise", sagte Bierhoff: "Da die Qualifikation für uns schon immer Pflicht war, ist sie jetzt erst recht Pflicht."
Immerhin darf sich der DFB aufgrund der neuen TV-Zentralvermarktung durch die UEFA auf mehr Einnahmen freuen. Zukünftig gibt es fünf statt der bisherigen vier Millionen Euro pro Spiel, zudem behält der Verband die Marketingrechte (Bandenwerbung).
Neu sind auch die Spielpläne, die nun von der UEFA unter dem Motto "Nationalmannschafts-Wochen" erstellt werden. Von Donnerstag bis Dienstag werden jeweils acht bis zehn Partien pro Tag stattfinden, feste Spieltage gibt es nicht mehr. Damit will die UEFA den Fernsehsendern an jedem Tag mindestens ein Top-Spiel bieten.
Die Spiele der deutschen Mannschaften werden von RTL übertragen. Der Kölner Privatsender setzte sich (wie auch bei der Qualifikation zur WM 2018 in Russland) gegen die Platzhirsche von ARD und ZDF durch. Wegen der bestehenden TV-Verträge wurde Deutschland auch in eine der acht Sechsergruppen gelost.
Gastgeber Frankreich füllt die einzige Fünfergruppe auf und dient den Teams als Testspielgegner an ihren eigentlich spielfreien Terminen. Die Fünfergruppe ist auch der Grund dafür, dass am Ende der Qualifikation die Spiele in den Sechsergruppen gegen die Tabellenletzten nicht gewertet werden. Nur so ist der beste Gruppendritte ohne ein verzerrtes Bild zu ermitteln.
