Sebastian Kehl bleibt ein Dortmunder Borusse - zunächst bis zum Sommer 2015 auf dem Rasen, anschließend in einer anderen Funktion beim deutschen Fußball-Vizemeister. "Ich würde es begrüßen, wenn uns Sebastian nach dem Ende der Karriere erhalten bleibt", bestätigte Klub-Chef Hans-Joachim Watzke nach Kehls Vertragsverlängerung um ein letztes Jahr als aktiver Profi.
Auf die Erfahrung des 34 Jahre alten Ex-Nationalspielers wollen die Westfalen nicht ohne Weiteres verzichten. Im Revierderby gegen Schalke 04 am Dienstag konnte Kehl sein 250. Bundesligaspiel für die Schwarz-Gelben bestreiten. Und der BVB-Kapitän verriet noch einen Wunsch: "Es wäre schön, noch einen Titel mit dem BVB zu gewinnen."
In der Vereinsgeschichte hat der Routinier seinen Platz längst sicher. Als fünfter Spieler nach Willi Burgsmüller, Helmut "Jockel" Bracht, Lars Ricken und Stefan Reuter gewann er mit Dortmund drei deutsche Meisterschaften (2002, 2011 und 2012). Zudem war er Kapitän, als der BVB am 12. Mai 2012 den DFB-Pokal und damit erstmals das Double gewann. Mit der Nationalmannschaft nahm er an den WM-Turnieren 2002 (Platz zwei) und 2006 (Rang drei) teil.
"Ich bin dankbar für viele tolle Momente in meiner Karriere - und ich freue mich darauf, was noch kommt", sagte Kehl. "Borussia Dortmund, unser wunderbares Team, die Fans und die Stadt Dortmund sind seit vielen Jahren meine Heimat. Ich freue mich auf mein letztes Jahr in der Bundesliga. Anschließend wird für mich der richtige Zeitpunkt für einen neuen Lebensabschnitt gekommen sein, auf den ich mich ebenso freue."
Trainer Jürgen Klopp will die Qualitäten seines Oldies, unbestritten eine Identifikationsfigur des Traditionsklubs, noch nicht missen. "Sebastian ist ein richtig guter Fußballer. Klar im Kopf, dynamisch, zweikampfstark. Die Erfahrung zeichnet ihn aus. Er ist ein hervorragender Kapitän, und wenn er gesund bleibt, eine superwichtige Option für mich", erklärte der BVB-Coach, den nur Kehls Alter offenbar irritiert. "In dem Alter war ich schon Trainer", flachste Klopp.
Kehl genießt den Moment. Denn es gab Situationen, in denen er nach einer Verletzungsmisere schon mit Gedanken an das Ende seiner Karriere spielte. So in der Saison 2006/07, als ihm Hasan Salihamidzic im Auftaktspiel bei Bayern München mit einem brutalen Foul eine tiefe Fleischwunde am Knie zufügte. Sein Comeback gab Kehl erst im Februar 2007, weitere zahlreiche Verletzungen folgten. Die Liste ist ellenlang. Doch das sei Vergangenheit, so Kehl.
Die späteren Erfolge entschädigten den Musterprofi für so manche Reha-Schinderei. Wichtig sei es nun, gesund zu bleiben, damit er den Beweis antreten könne, "dass ich mehr als nur mithalten kann", so Kehl bei seiner Vertragsverlängerung vor zwei Jahren. Das ist ihm exzellent gelungen. Der Oldie glänzt als Teil der "Doppel-Sechs" nicht nur durch seine Defensiv-Qualitäten als Abfangjäger, sondern auch spielerisch als Antreiber mit Akzenten in der Spieleröffnung.
Vor zwei Wochen gelang Kehl sogar gegen seinen Ex-Klub SC Freiburg der 1:0-Siegtreffer. Von den Südbadenern kam er einst in der Winterpause der Saison 2001/02 nach längerem Tauziehen mit Bayern München zum BVB. Und dort möchte er dem Fußball in jedem Fall erhalten bleiben. Kehl bleibt ein Borusse.



