Das Dortmunder Westfalenstadion, seit dem 1. Dezember 2005 offiziell unter dem Namen Signal-Iduna-Park geführt, hat in seiner Geschichte schon viele Millionen Menschen gesehen. Einer, der es fast seit der ersten Stunde kennt, ist Lothar Huber. 355 Spiele absolvierte der Abwehrspieler für den BVB, dem Stadion, in dessen Sichtweite er noch heute lebt, blieb er nach seiner Karriere als Platzwart erhalten. Am Mittwoch feiert die Heimat von Borussia Dortmund ihren 40. Geburtstag.
Eine Würdigung:
„An das allererste Spiel, das ich im Westfalenstadion gesehen habe, kann ich mich noch genau erinnern, das war am 3. Juli 1974. Brasilien und die Niederlande standen sich während der Fußball-Weltmeisterschaft gegenüber. Zwei überragende Mannschaften, die in einem sensationellen Stadion gegeneinander gespielt haben. Die Stimmung war fantastisch. Ich saß da und dachte mir: ‚Mensch, in vier, fünf Wochen spielst du auch in diesem Stadion.‘ Da hatte ich schon richtig Bock auf das, was danach kam.

Lothar Huber ist dem Westfalenstadion über die letzten 40 Jahre immer eng verbunden geblieben.
Vor der Saison hatten wir ein Freundschaftsspiel gegen die Spielvereinigung Erkenschwick, zu dem kamen 25.000 Zuschauer. Die Leute waren gierig und neugierig auf das Stadion, wollten es unbedingt sehen und erleben. Obwohl wir in der Saison 1974/75 in der 2. Bundesliga gespielt haben, waren bei vielen Begegnungen über 30.000 Zuschauer und fünf oder sechs Spiele waren sogar ausverkauft. Wir spielten damals gegen die DJK Gütersloh vor 42.000 Zuschauern. Direkt nebenan kickte der VfL Bochum gegen Bayern München vor 29.000 Menschen.

Für die Fans bleibt die Heimat des BVB das Westfalenstadion.
Natürlich war es ein Glücksfall, dass Dortmund als Austragungsort für die WM ausgewählt wurde und so das Stadion finanziert werden konnte. Alle haben sich darauf gefreut, auch die Spieler. Ich kannte so ein enges Stadion schon aus Kaiserslautern. Dort war die Atmosphäre auch immer super, aber Dortmund hat das weit übertroffen. Das Stadion war eine Attraktion für die Fans und für uns war es ein Riesenvorteil. Die Atmosphäre hat uns 1976 regelrecht zum Aufstieg in die Bundesliga getragen.
Dass viele Spieler diese Nähe zum Publikum nicht kannten, war unseren Gegnern oft anzumerken. Natürlich haben sich alle darauf gefreut, bei uns zu spielen. Wenn das Spiel dann aber lief, war schon zu spüren, dass es für viele Gegner eine Belastung war. Viele konnten mit der Enge und der intensiven Stimmung nicht umgehen. Es kann erdrückend sein.
Für unser Team war es das genaue Gegenteil – wir wurden beflügelt! Wenn es einmal läuft, ist es wie im Rausch. Diese unaufhörliche Anfeuerung, die Nähe zu den Fans, das muss man erlebt haben. Jeder, der bei uns eingelaufen ist, hatte Gänsehaut.

Außergewöhnliche Atmosphäre: Das Dortmunder Stadion ist legendär.
Mein schönstes Spiel im Westfalenstadion war am Ende der Saison 1975/76 das zweite Aufstiegsspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Wir hatten auswärts 1:0 gewonnen, aber alle wussten, dass Nürnberg gut genug ist, um auch bei uns einen Sieg einzufahren. Im Stadion war schon weit vor dem Spiel eine Riesenatmosphäre, schließlich ging es um die Rückkehr in die 1. Bundesliga. Das Spiel war der pure Wahnsinn, spannend und intensiv. Dass mir kurz vor Schluss das 3:2 gelungen ist, machte die Sache natürlich doppelt schön. Das war damals der erste Beweis, dass dieses Stadion Spiele gewinnen kann.
Das Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Malaga hat das bewahrheitet. In einem anderen Stadion wäre diese Aufholjagd nicht möglich gewesen. Als das 2:2 gefallen ist, war es wie eine Welle, die losgebrochen ist. Der Gegner hat plötzlich Fehler gemacht, die er 88. Minuten fast gar nicht in seinem Spiel hatte. Die Stimmung schwappte auf den Platz. Die Fans können Spiele entscheiden, wenn sie die Mannschaft leidenschaftlich antreiben. Als Spieler setzt man dann Kräfte frei, die nicht mehr da sind.

Inzwischen eine hochmoderne Arena: Der Signal-Iduna-Park.
Diese einzigartige Atmosphäre ist auch der Grund dafür, dass das Stadion zwar immer wieder modernisiert wurde, aber nicht durch ein neues ersetzt wurde. Die Menschen fühlen sich an diesem Ort wohl und das ist im Ruhrgebiet besonders wichtig. Natürlich mussten VIP-Logen gebaut werden. Das ist der Lauf der Dinge. Aber der Charakter des Stadions hat sich nicht verändert. Der Verein braucht die Emotionen der Menschen.
Für die nächsten Jahre und Jahrzehnte wünsche ich dem Westfalenstadion deswegen immer spannenden und attraktiven Fußball – und natürlich Erfolg. Borussia Dortmund hatte schon immer ein treues Publikum, weil es wusste, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, die Fußball spielen und arbeiten kann. Das und unser Stadion sollen bestehen bleiben."




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