Es waren schlimme 90 Minuten für Robert Lewandowski. Ganz schlimme 90 Minuten. So schlimme 90 Minuten, dass er zwischenzeitlich das Bedürfnis hatte, einfach die Augen zu schließen. Während seine Mitspieler am vergangenen Mittwoch in Madrid drei Gegentore kassierten und trotz einiger guter Gelegenheiten mindestens ein wichtiges Auswärtstor verpassten, konnte der polnische Angreifer rund 1.500 Kilometer entfernt nur tatenlos auf der Couch sitzen und zuschauen. „Das“, gesteht er, „war eine schwere Zeit.“
Für einen Torjäger gibt es wahrscheinlich kaum größere Qualen als dabei zusehen zu müssen, wie die Kollegen in einem derart wichtigen Spiel selbst die besten Chancen vergeben. Am Dienstag (20.45 Uhr), wenn Real Madrid zum Rückspiel in Dortmund gastiert, kann Lewandowski es freilich wieder besser machen. Und am besten sogar so gut wie im letzten Jahr. „Wenn er wieder vier Tore schießt, hätte ich nichts dagegen“, scherzt Sebastian Kehl mit Blick auf den historischen Viererpack, der dem künftigen Münchner im Halbfinal-Hinspiel der letzten Spielzeit gegen die „Königlichen“ gelungen war.
Hummels sieht Minimalchance
Schnee von gestern, findet Lewandowski, der beteuert, nicht mehr an diesen Abend zu denken, weil „es jetzt eine neue Geschichte ist.“ Und dennoch: Es sind seine vier Tore, die stellvertretend für die insgesamt großartige Leistung der damaligen Dortmunder Mannschaft stehen und nun gewissermaßen die letzte Hoffnung für den BVB darstellen.„Wir dürfen keine Angst haben“, fordert Lewandowski. „Wir können sehr gut spielen und wenn wir in der ersten Halbzeit ein Tor schießen, bekommen wir vielleicht eine Chance.“
Dass die nur minimal ist, bestreitet in Dortmund niemand. Doch die Borussen wirken im Vorfeld der Begegnung fast ein bisschen trotzig, mit dem Wunsch, all diejenigen, die schon den Abgesang geschrieben haben, zu belehren. „Wir können befreit aufspielen“, findet Mats Hummels, „alles raushauen, was wir drin haben und auf die dreiprozentige Chance hoffen, dass wir das große Wunder schaffen.“ Viel ist das nicht, aber eines ist sicher: Ohne Lewandowski wären die Erfolgsaussichten noch weitaus schlechter.




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