Er flog wegen schlechter Leistungen stellenweise sogar gänzlich aus dem Kader. Auch beim Pokal-Highlight in Essen musste sich der Fanliebling lange mit der ungeliebten Rolle des Edelreservisten zufrieden geben. Karsten Baumann ließ den 24-Jährigen bis zur 106. Minute auf der Bank schmoren, ehe er ihn einwechselte.
Eine gute Entscheidung, denn die Maßnahme, Wolze zu vertrauen, zahlte sich prompt aus. Der quirlige Stratege war heiß, pushte seine müden Kollegen noch einmal, holte den Freistoß, der zum 1:1 führte, heraus, donnerte sich seinen Frust beim entscheiden Elfer von Seele und feierte anschließend ausgelassen mit den Anhängern den Einzug ins Finale.“
Kurzum: Wolzes perfekter Abend. Gut möglich, dass der prestigeträchtige Schlager in Essen zudem auch die Wiederauferstehung des Technikers war und er jetzt wieder das Selbstvertrauen getankt hat, das ihm zuletzt abhanden gekommen war.
Aber nicht nur Wolze stand im Fokus. Allen voran war Michael Ratajczak der Pokalheld. Als Ex-Düsseldorfer hatte er zu Beginn der Saison noch einen schweren Stand in Duisburg. Doch mit sensationellen Reflexen und Paraden hat „Rata“ spätestens seit Dienstagabend einen festen Platz in den Herzen der MSV-Fans. Mit unzähligen Glanztaten während der 120 Minuten sowie zwei gehaltenen Elfern war die Nummer eins der Erfolgsgarant.
Der Fußball lebt von Emotionen,
aber so etwas geht gar nicht!“
Dass er beim Elferschießen vor den eigenen Fans antreten durfte, war für den 31-Jährigen ein Vorteil: „Ich hatte zwar vorher schon ein paar Tipps bekommen, wohin die Essener schießen würden, aber die Anhänger im Rücken zu wissen, gibt noch einmal ein paar Prozent mehr. Es ist einfach geil, vor der eigenen Kurve gefeiert zu werden.“ Gerade für Ratajczak, der immer im Mittelpunkt stand: „Dieses Derby hat wirklich alle Facetten des Fußballs gezeigt: Spannung, Spielunterbrechung, tolle Paraden, Rückstand durch einen Kunstschuss, Ausgleich durch ein Traumtor, Elfmeterschießen, zwei gehaltene Strafstöße und unser Sieg. Mehr geht nicht.“
Apropos Spielunterbrechung: Eine Situation, die der Torwart noch von der voreiligen Aufstiegsparty in Düsseldorf kennt. „Ich habe mich sofort an die Szenen gegen Hertha erinnert“, berichtete Ratajczak: „Allerdings hatte ich jetzt nicht das Gefühl, dass das Spiel abgebrochen werden würde. Aber ich muss auch sagen, dass der Fußball zwar von Emotionen lebt, so etwas aber gar nicht geht.“
Ansonsten war die Welt der Zebras aber in bester Ordnung. Selbst die maue Vorstellung spielte nur eine untergeordnete Rolle. Ratajczak: „Der Erfolg ist verdammt wichtig für uns und ich hoffe, dass er uns im Schlussspurt auch beflügeln wird.“
Vielleicht auch mit einem wiedererstarkten Wolze. Aber auf jeden Fall hat der MSV die Chance auf den Jackpot gewahrt und ist Derbysieger.




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