Nein, eine Einladung zur Meisterfeier des FC Bayern hatte natürlich kein Vertreter von Borussia Dortmund erhalten. Nichtsdestotrotz war der BVB bei der lange feststehenden Sause im Münchner Postpalast allgegenwärtig – in den Köpfen der Bayern. Von Nervosität kann bei einer Mannschaft, in der jeder Spieler über Erfahrung mit großen Endspielen verfügt, zwar keine Rede sein, doch eine gewisse Anspannung war am Samstagabend greifbar.
Das war schon allein daran abzulesen, dass die ganz großen Kampfansagen, normalerweise ein handelsübliches Stilmittel des Rekordmeisters, ausblieben. Nur Ministerpräsident Horst Seehofer meinte launig-zünftig: „Die bayerische Staatsregierung wird am Dienstag in ihrer Kabinettssitzung beschließen, dass der FC Bayern am Samstag Pokalsieger wird.“
Lebendige Erinnerungen
Ob es bei dieser Abstimmung Gegenstimmen gab, ist nicht überliefert. Sicher ist dagegen, dass sie sich im Dortmunder Lager in Ruhe und konzentriert auf den Showdown vorbereiten. Seit Dienstagnachmittag hält Jürgen Klopp die Tore am Trainingsgelände geschlossen und ließ seine Mannschaft auf einem weit hinten und deshalb schwer einsehbaren Platz üben. Mögliche Spione aus München hatten so keine Chance, die letzten taktischen Maßnahmen, die Klopp trainieren ließ, zu beobachten.
Auf zusätzliche Trainingseinheiten und andere außergewöhnliche Maßnahmen verzichtete der BVB-Coach dagegen. Er weiß, dass der Kopf bei seinen Schützlingen möglichst frei sein sollte, könnte er doch am Samstag ein entscheidender Faktor sein. „Du musst ja einen an der Waffel haben, wenn du jetzt noch neue Ideen reinbringst“, betont Sportdirektor Michael Zorc mit deutlichen Worten. „Natürlich wird die Anspannung zum Ende der Woche steigen, aber die Vorfreude auch. Wir machen es so, wie wir es vor zwei Jahren auch gemacht haben.“
Ein Satz, der in den Ohren des FC Bayern wie eine Drohung klingen muss, fügte der BVB den Münchnern doch im Mai 2012 eine empfindliche 2:5-Niederlage zu. Es sind die Erinnerungen an solche Triumphe, die laut der Aussagen der Dortmunder Spieler zwar keinerlei Relevanz für den Ausgang des Endspiels in Berlin haben. Eingestreut werden sie in diesen Tagen aber trotzdem gerne, um beim Gegner vielleicht doch noch den einen oder anderen Zweifel an der eigenen Stärke mehr hervorzurufen.
„Wir machen es so, wie vor zwei Jahren.“
Eine Einteilung in Favorit und Außenseiter lässt sich indes nicht vornehmen, auch wenn sich der BVB eher wie gewohnt als brandgefährlicher Underdog sieht, der dem eigentlich übermächtigen FC Bayern ins Weißbier spucken möchte. „Wir sind sicherlich nicht der Favorit, aber wir sind in der Tat in einer guten Verfassung. Die müssen wir jede Woche neu auf den Platz bringen. Das sollten wir auch Samstag versuchen“, weiß Zorc.
Personell stellt sich aus Dortmunder Sicht eigentlich nur eine Frage: Wird Nuri Sahin
Nuri Sahin» zum Profil rechtzeitig fit? Der defensive Mittelfeldspieler klagte nach dem Sieg bei Hertha BSC über muskuläre Probleme im Adduktorenbereich, konnte am Dienstag aber bereits eine Laufeinheit absolvieren. Es sieht danach aus, dass er spielen kann.
Die meisten Blicke wird aber ganz sicher Robert Lewandowski
Robert Lewandowski» zum Profil auf sich ziehen. Der polnische Torjäger, beim Erfolg vor zwei Jahren mit drei Treffern der große Bayern-Schreck, könnte sich mit einem Tor und einem Sieg gegen seinen künftigen Verein ein Denkmal in Dortmund setzen. Zumindest anmerken lässt sich der 25-Jährige einen möglichen Zwiespalt nicht. Immer wieder hob er zuletzt hervor, dass er sich mit einem Titel vom BVB verabschieden wolle und der Gegner dabei keine Rolle spiele. Bleibt aus Borussen-Sicht zu hoffen, dass Lewandowski seine Nerven wirklich so gut unter Kontrolle hat wie es seine Aussagen vermuten lassen. Am Samstag ist vieles eben auch Kopfsache.




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