Die Erleichterung war Bernard Dietz anzuhören. „Jetzt schmeckt der Kaffee gleich nochmal so gut“, sagte das große Idol des MSV Duisburg. Und schob nach: „Und ein Plätzchen darf es jetzt darauf auch sein.“ Anderswo mögen am Donnerstagnachmittag sogar Sektflaschen geöffnet worden sein, als die Nachricht die Runde machte: Der MSV lebt. Die Lizenz für die 3. Liga, hinter der vor drei Wochen angesichts einer Finanzlücke von 2,8 Millionen Euro mehr als nur ein Fragezeichen stand, ist da ; der Deutsche Fußball-Bund hat die vor einer Woche eingereichten Unterlagen gesichtet und für gut befunden. „Die Freude ist riesengroß“, gestand der ehemalige Vorstandsvorsitzende und jetzige „Vize“ Udo Kirmse ein. Sensationell sei es, was die Gremien zusammen geleistet hätten – „aber auch die Sponsoren und die Fans, die durch ihre Aktionen erst die Initialzündung ausgelöst haben.“
Den Vorsitzenden des MSV-Verwaltungsrats, Markus Räuber, erreichte die positive Nachricht im Kurzurlaub. „Ich bin sehr froh und glücklich, dass wir diesen Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation geschafft haben. Ich möchte allen Beteiligten danken, die dazu beigetragen haben. Mein Dank gilt insbesondere den Fans, Sponsoren und – nicht zuletzt – den Mitarbeitern des MSV, die alles daran gesetzt haben, dass wir optimistisch und erwartungsfroh in die Zukunft blicken können.“
„Ein hartes Stück Arbeit“
Auch auf Seiten des Hauptsponsors Schauinsland-Reisen wurde die Entscheidung aus Frankfurt mit Erleichterung aufgenommen. „Mit dieser Lizenzierung wurde der Grundlage für eine gute Entwicklung in den kommenden Spielzeiten gelegt“, betonte Andreas Rüttgers. Mit der nun folgenden Neuregelung der Stadionfinanzierung wird das Touristikunternehmen auch 24,9 Prozent an der Stadionprojektgesellschaft übernehmen und damit auch Mitbesitzer der gleichnamigen Arena. Rüttgers verwies darauf, dass der geforderte Lückenschluss in Höhe von 2,8 Millionen Euro ohne zukünftige Belastungen geschafft worden sei. „Zum Beispiel wurde das Thema Fremdvermarktung nicht angegangen. Nach der Lizenzerteilung haben wir an dieser Stelle eine wesentlich bessere Verhandlungsposition.“
Fan und Autor Michael Wildberg schrieb wenige Minuten nach der positiven Nachricht auf Facebook: „Jetzt endlich kann eine neue Zeitrechnung beginnen. Jetzt kann alles ineinander greifen. Das war auf breiter Ebene ein hartes Stück Arbeit, aber vor allem eines: Der Beweis, dass man alles erreichen kann, wenn man mit allen an einem Strang zieht. Das ist Duisburg...“
Auch in Spielerkreisen wurde die Nachricht erleichtert aufgenommen – auch bei Ur-Zebra Marcel Lenz. Der Keeper, der unlängst erst für drei Jahre verlängert hat, sagt: „Wir wussten, dass wir auf einem guten Weg sind, aber es ist schon schön, wenn einen die Nachricht dann erreicht. Jetzt können wir uns endlich auf Fußball konzentrieren, ohne auf das zu achten, was rechts und links passiert.
Spontane Party der MSV-Fans in der Fankurve
Der 2. Vorsitzende Robert Philipps ließ seinen Emotionen freien Lauf : „Ich bin wirklich freudig erregt und habe Tränen in den Augen, das ist eine tolle Sache. Die letzten Wochen haben gezeigt, wie groß das Gemeinschaftsgefühl beim MSV ist.“ Dass der Verein nun sportlich in der Pflicht steht, weiß er auch: „Da ist ja auch in den letzten Wochen schon einiges vorgearbeitet worden, man darf halt nicht untätig sein.“
Manager Ivo Grlic dürfte folglich zeitnah jene Mannschaft präsentieren, mit der der neue Coach Gino Lettieri die Rückkehr in die 2. Liga bewerkstelligen soll. Dass dies kein Selbstläufer wird, gibt „Ennatz“ Dietz zu bedenken: „Man muss jetzt Geduld haben und darf nichts erzwingen. Eine Saison ist lang, es kann immer wieder Rückschläge geben. Wichtig ist, dass wir jetzt eine vernünftige Organisation hinbekommen, dass Vorstand, Aufsichtsrat und Verwaltungsrat zu einer Einheit zusammenfinden.“
Die spontane Party der Fans zur Lizenzerteilung stieg am Donnerstagabend in der König-Pilsener-Fankurve der Schauinsland-Arena. Rund 500 Anhänger hatten sich dort eingefunden – etwas weniger als erwartet, nach den strapaziösen Vorwochen aber wohl letztlich verständlich. Wer kam, wurde mit Freibier belohnt.
Nach kurzer Ruhepause will MSV mit voller Energie an Arbeit gehen
Geschäftsführer Peter Mohnhaupt richtete per Mikrofon seine Worte an die wartende Menge: „Ich möchte nur ein riesiges Dankeschön für die letzten acht Wochen loswerden. Es ist beeindruckend gewesen, zu sehen, was unsere Fans geleistet haben – zum Beispiel mit dem Fanshop-Flashmob.“ Jetzt könne man sich einen kurzen Moment ausruhen, um dann wieder mit voller Energie an die Arbeit zu gehen: „Und dann wollen wir zusammen in eine richtig geile Saison starten!“





















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