André Pawlak, der kürzlich Wattenscheid 09 verlassen hatte, unterschrieb bei den Bergischen bis zum 30. Juni 2015. RS sprach mit dem Nachfolger Lars Leeses über seine Mission.
André Pawlak, ganz knapp gefragt: Warum also Velbert?
(Lacht). Zum einen deshalb, weil sich die Vereinsverantwortlichen sehr um mich bemüht haben. Wir hatten zwar schon vor ein paar Wochen einen kurzen Kontakt, aber ich habe erklärt, dass ich nicht mit ihnen verhandeln werde, wenn Lars Leese dort Trainer ist. Daran haben sich die Verantwortlichen auch gehalten und mich erstmal in Ruhe gelassen. Trotzdem war das Bemühen groß. Vor allem gefällt mir das Konzept, es nun nicht mit einem Ex-Profi als Trainer zu versuchen, sondern mit einer etwas anderen Philosophie. Und deshalb Velbert.
Der Vertrag läuft zunächst nur über ein Jahr, haben Sie trotzdem das Ziel, langfristig für Velbert zu arbeiten?
Der Plan ist so: Wir wollen eine Mannschaft aufbauen, die sich dauerhaft in der Regionalliga behaupten kann. Dafür bin ich hier angetreten und ich denke, dass ich in Wattenscheid auch gezeigt habe, dass ich in der Lage bin, langfristig zu arbeiten und eine Mannschaft, die Regionalliga spielen kann, formen kann. Ich bin optimistisch, dass wir das auch mit Velbert hinkriegen.
Wie groß waren die Überlegungen, doch eine Pause einzulegen? Hat Ihre Frau vielleicht gesagt, dass Sie doch mal kürzertreten sollten?
Nein, meine Frau hat eher gesagt, dass ich ruhig etwas Neues annehmen soll, damit ich nicht dauernd zu Hause bin und ihr auf die Nerven gehe. Eine kleine Pause und etwas Abstand habe ich wirklich gebraucht, aber letztendlich war die Entscheidung nicht so schwer. Im Nachhinein schlug das Pendel klar in die Richtung aus, wieder etwas zu machen. Dafür ist die Lust auf Fußball bei mir einfach zu groß. Das Angebot aus Velbert war schließlich das einzige, bei dem ich gesagt habe: Das kannst du dir vorstellen, wenn es denn klappen sollte.
Sie übernehmen einen Regionalliga-Absteiger. Gewissermaßen ist das für Sie persönlich ein kleiner Rückschritt, oder?
Das empfinde ich gar nicht so. Auch wenn man mal eine Liga zurückgeht, können das ein oder sogar zwei Schritte nach vorne sein. Ich sehe es positiv, denn Velbert besitzt definitiv die Möglichkeit, in der Regionalliga zu spielen. Sollte es gelingen, mit der SSVg. wieder aufzusteigen, dann habe ich es schon mit zwei Vereinen geschafft – auch kein Nachteil.
„Unser Ziel ist, unter die ersten Drei zu kommen“
Sie lassen es schon anklingen – lautet das Saisonziel „sofortiger Wiederaufstieg“?
Wir haben 15 Spieler im Kader, die im letzten Jahr in der Regionalliga gespielt haben, damit wird unser Anspruch schon recht deutlich. Natürlich hat es in der vergangenen Saison nicht gereicht, aber wir bekommen mit Leuten wie Nils Zander, Christian Schlösser, Philipp Schmidt, Milko Trisic und Niklas Andersen ja auch noch Spieler mit Qualität und Regionalliga-Erfahrung dazu. Da kann man nicht sagen: „Wir wollen nur einen einstelligen Tabellenplatz erreichen.“ Nein, wir wollen oben mitspielen und unser Ziel ist, unter die ersten Drei zu kommen. Das sollte man auch so offensiv formulieren, weil ich von der Qualität des Kaders überzeugt bin. Natürlich bringen uns nur die Einzelspieler auch nicht weiter, meine Aufgabe ist es, sie zu einem funktionierenden Team zusammenzufügen.
Wie schätzen Sie denn die Konkurrenz ein?
Ich muss zugeben, dass ich mich am Niederrhein als alter Westfale noch nicht so gut auskenne. Aber wenn tatsächlich Uwe Fecht mein Co-Trainer wird, dann habe ich jemanden an meiner Seite, der sich im Rheinischen und im Bergischen sehr gut auskennt.
Sie hatten keinen Einfluss auf die Kaderplanung. Ist das ein Problem?
Das stimmt so nicht, denn ich war über die Personalien, die anstehen, immer informiert. Es war so besprochen, dass ich auf dem Laufenden gehalten werden, egal wie es auf dem Trainerposten weitergeht. Deshalb bin ich mit den Transfers auch sehr zufrieden gewesen. Von den jungen Spielern aus der eigenen A-Jugend oder zweiten Mannschaft, die ich noch nicht so gut kenne, lasse ich mich gerne überraschen.
Wenn Sie noch einmal zurückblicken – inwiefern haben Sie die vier, sehr intensiven Jahre bei Wattenscheid 09 weitergebracht? Persönlich, aber auch als Trainer?
Es war meine erste Station als Seniorentrainer und ich habe zu Beginn mit sehr viel Gegenwind angefangen. Ich habe mich schließlich durchgesetzt und hatte das Gefühl, dass die meisten sehr traurig waren, als ich gegangen bin. Ich habe auch sehr viel im Umgang mit Spielern und Funktionären gelernt und erfahren, dass Dankbarkeit aber auch Respekt im Fußball nicht immer an erster Stelle stehen. Auch weiß ich, wie man mit schwierigen Situation umgeht und nicht gleich in Aktionismus verfällt, sondern die Ruhe bewahrt. Da nehme ich sicherlich ganz viel aus Wattenscheid mit nach Velbert, ein riesiges Paket an Erfahrung.
Verfolgen Sie den Plan, noch den Fußballlehrer zu absolvieren, eigentlich weiter?
Ja, das ist auf jeden Fall noch ein Ziel. Ich habe in meinem Leben schon viel erreicht von dem, was ich vorhatte. Ich habe zwei Ausblidungen abgeschlossen, ein Studium absolviert und habe einen festen Job als Lehrer. Ich habe eine wunderbare Frau und zwei tolle Kinder. Bisher war es vom zeitlichen und finanziellen Aufwand einfach noch nicht darzustellen. Aber ich hoffe, dass sich noch eine Gelegenheit bietet, denn das wäre ein weiterer Meilenstein in meinem Leben.



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