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Reise-Europameister
Über 10.000 deutsche Fans in Salvador

Einen Titel bei der WM haben zumindest die deutschen Fußballfans schon sicher: Sie sind die Reise-Europameister in Brasilien.

Salvador da Bahia erlebte beim Auftaktspiel der DFB-Elf gegen Portugal eine Invasion in Schwarz und Weiß. Mehr als 10.000 Anhänger von Philipp Lahm und Co. verwandelten die denkmalgeschützte Altstadt bei strahlendem Sonnenschein in eine deutsche Enklave.

"Wir müssen unsere Schätzung nach oben korrigieren, 10.000 aufwärts", sagte Uwe Ganz, Delegationsleiter der deutschen Polizei in Brasilien, eine Stunde vor Spielbeginn dem SID. Ursprünglich war mit rund 8000 Fans aus Deutschland gerechnet worden. Die durften angesichts des 4:0 (3:0) feiert. "Oh wie ist das schön", skandierten die deutschen Anhänger.

Wegen des großen Andrangs aus Europa wurden die Eingangstore zur Arena Fonte Nova sogar früher als geplant geöffnet. Die Anhänger des Teams von Bundestrainer Joachim Löw sind damit in Brasilien die reisefreudigsten Europäer: Bislang hatten die Niederländer mit rund 8000 Fans am vergangenen Freitag beim 5:1-Triumph gegen Weltmeister Spanien und die Engländer mit knapp 10.000 die größten Kontingente vom Alten Kontinent gestellt.

Nach Deutschland waren so viele WM-Tickets wie in kein anderes europäisches Land verkauft worden: 58.778 Eintrittskarten gingen an deutsche Käufer.

Probleme gab es zunächst nicht. "Die Stimmung ist hervorragend, alles ist friedlich", sagte Ganz. Mit gewaltbereiten Fans hatte die siebenköpfige deutsche Polizeidelegation mit szenekundigen Beamten ohnehin nicht gerechnet: "Dafür ist die Reise zu teuer." Vor Ort waren, so Ganz, "ausschließlich gut gelaunte Fans mittleren Alters, viele mit ihren Familien".

Anders als die Oranje-Fan vor einigen Tagen blieben die Gäste aus Deutschland von den befürchteten Überfällen verschont. "Nach Angaben der Botschaft ist bislang alles in Ordnung", sagte Michael Gabriel von der Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS), der mit seinem zwölfköpfigen Team die deutschen Anhänger in Brasilien betreut: "Alle haben bislang zwei tolle Tage erlebt. Uns wurde ausschließlich von positiven Erlebnissen berichtet."

Das zwölfköpfige KOS-Team unter anderem aus Osnabrück, Magdeburg, Hoffenheim und Schalke versorgte die deutschen Fans mit Tipps und wichtigen Informationen zum Spielort, der drittgrößten brasilianischen Stadt, aber vor allem mit Sicherheitshinweisen. Denn Salvador, einst Zentrum des Sklavenhandels, hat eine hohe Kriminalitätsrate.

In der einstigen Hauptstadt Brasiliens, die durch Zuckerrohr, Gold und Diamanten reich wurde, sind die sozialen Probleme groß. Mit 2234 Morden im vergangenen Jahr und einer Mordrate von 57,5 pro 100.000 Einwohner liegt Salvador auf Rang 13 der gewalttätigsten Städte der Welt.

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