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Kurzes Durchschnaufen vor Ghana

Das eindrucksvolle 4:0 gegen Portugal zum WM-Auftakt war schnell abgehakt. Probleme bei Mats Hummels und Jerome Boateng überlagerten die gelöste Stimmung.

Joachim Löw schlenderte locker den traumhaften Strand am Campo Bahia entlang - die Kopfhörer im Ohr, ein Lächeln um die Lippen, die brasilianische Sonne im Gesicht. Die Gedanken beim Bundestrainer kreisten am Dienstagmorgen aber nur kurz um das glanzvolle 4:0 (3:0) zum WM-Auftakt gegen Portugal. Seinen Blick richtete er schon wieder auf das zweite Gruppenspiel am Samstag (21.00 Uhr/ARD) in Fortaleza gegen Ghana.

Zumal Löw nach einem gelösten Empfang am Montagabend im Teamquartier und einem lockeren Training am Dienstagmittag schnell wieder der Alltag einholte. Mats Hummels (Oberschenkelverletzung) und Jerome Boateng (Daumenverletzung) mussten kurzfristig zu einer Kernspin-Untersuchung (MRT) in eine Klinik im 60 Kilometer entfernten Eunapolis geflogen werden. Eine Diagnose stand zunächst noch aus. Ob die beiden Abwehrspieler gegen Ghana einsatzfähig sind, ist offen. Vielleicht grübelte Löw bei seinem Spaziergang schon über Alternativen.

Dabei würde es eigentlich gar keinen Grund zu Umstellungen geben, so überzeugend war der Auftritt der DFB-Auswahl in Salvador. Doch trotz aller Erleichterung und Begeisterung über den gelungenen Start erwies sich selbst der umjubelte Held Thomas Müller als Spaßbremse.

"Bleiben wir erst mal alle ruhig. Es war das erste Spiel. Wir müssen die Kirche auch mal im Dorf lassen", sagte der dreimalige Torschütze nüchtern und fügte trocken an: "Der Spielverlauf kam uns zugute. Wir brauchen nicht so zu tun, als hätten wir als Übermannschaft agiert."

Wer dachte, dass die DFB-Auswahl nach dem siebten WM-Auftaktsieg in Folge schon in höheren Sphären schwebt, sah sich getäuscht. Sachlich ordneten Philipp Lahm und Co. den wichtigen Sieg gegen das Team des völlig enttäuschenden Cristiano Ronaldo ein. Allen war schnell klar, dass dies allenfalls der erste kleine Schritt auf dem langen Weg zum vierten Titel war.

Ein bisschen Abwechslung hatten sich die müden Helden am Dienstag aber dann trotzdem verdient. Nach der Einheit gab es zunächst ein gemeinsames Mittagessen mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der dem Team einen Besuch abstattete. Anschließend gab Löw seinen Spielern bis zu einem gemeinsamen Abendessen um 19.00 Uhr frei. Auch der Besuch der Familien war erstmals gestattet.

Am Montagabend nach der Rückkehr im Campo Bahia hatte Löw noch eine kurze Ansprache gehalten und seinem Stolz über die Leistung Ausdruck verliehen. Nach dem ein oder anderen Bierchen waren aber schon um 24.00 Uhr Ortszeit alle in ihren Zimmern verschwunden.

Davor hatten alle noch einmal ausdrücklich betont, "dass wir uns nicht blenden lassen", wie ein müder Toni Kroos anmerkte. "Wir sind noch lange nicht am Ende", betonte auch Kapitän Lahm.

Niersbach sah sich aber schon einmal an das 4:1 gegen Jugoslawien 1990 erinnert - damals die Initialzündung beim WM-Titel Nummer drei. Doch auch Niersbach wollte bei allem Stolz über den "Traumstart" nicht abheben. "Bei der vergangenen WM sind wir auch mit einem 4:0 gestartet und haben dann 0:1 gegen Serbien verloren", merkte er an.

Deshalb galt sofort alle Konzentration dem zweiten Spiel der Gruppe G gegen die Afrikaner. "Wir werden die Mannschaft jetzt intensiv darauf einstellen. Ghana hat eine unglaubliche Physis, ist sehr robust, mit sehr schnellen Spieler. Bei diesen Hitzebedingungen werden sie uns viel abverlangen", unterstrich Löw. Zumindest nimmt die deutsche Elf "nach einer grandiosen Leistung viel Rückenwind mit", wie Liga-Präsident Reinhard Rauball treffend feststellte.

Vor allem Müller, schon Torschützenkönig 2010 in Südafrika, sorgte mit seinen WM-Treffern sechs bis acht (12./Foulelfmeter, 45.+1, 78.) dafür, dass Angela Merkel auf der Tribüne der Arena Fonte Nova glänzend unterhalten wurde. Hummels (32.) rundete die gelungene Dienstreise der Kanzlerin schließlich ab.

Da durfte nach dem Spiel der obligatorische Besuch in der Kabine nicht fehlen. Merkel wurde von allen mit einem großen Hallo begrüßt, ihre kurze Ansprache mit viel Applaus bedacht. "Sie hat gesagt, dass es schön ist, dass wir gewonnen haben, wenn sie schon eine so lange Reise gemacht hat", berichtete Löw und sprach von einer "klasse Geste". Da durfte das gemeinsame Foto mit Dame nicht fehlen.

"Wenn sie in der Kabine vorbeischaut, haben wir immer eine lustige Gesellschaft", berichtete Hummels. Allerdings würde der dicht gedrängte Terminplan der Kanzlerin erst wieder einen Besuch beim Finale am 13. Juli in Rio de Janeiro zulassen. Dies sei nun ein weiterer Ansporn, so Hummels weiter, "dass sie noch mal in der Kabine vorbeischaut". Dann vielleicht bei Weltmeistern.

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