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WM
Lateinamerika tanzt Europa aus

Joachim Löw hatte genau mitgezählt. "Im Vergleich der Südamerikaner gegen Europäer steht es 5:1 für die Südamerikaner", sagte der Bundestrainer richtigerweise.

Rechnet man die Teams aus Costa Rica, Mexiko und Honduras hinzu, ergibt sich sogar ein 6:2 und die Erkenntnis: Lateinamerika tanzt Europa aus!

Die brasilianische Zeitung O Globo jubelte bereits über die "lateinamerikanische Vorherrschaft gegenüber den Europäern", und auch Bundestrainer Löw schlussfolgerte, "dass die Südamerikaner und auch die Mittelamerikaner einen sehr, sehr guten Eindruck machen. Einige haben gezeigt, dass sie ein ernstes Wort mitreden wollen." Auch Belgiens Trainer Marc Wilmots schwärmte: "Die südamerikanischen Mannschaften haben eine sehr schnelle Reaktionszeit, ein sehr gutes Umschaltspiel, ein Gespür für Tore."

Das ungewohnte Klima, die Zeitverschiebung, die zum Teil riesigen Entfernungen - nicht umsonst hat es bislang noch kein europäisches Team geschafft, in Südamerika den WM-Titel zu gewinnen. Ob es auch an den Bedingungen lag, dass der entthronte Titelverteidiger Spanien oder das hilflose England bereits früh alle Titelchancen verspielten, ist schwer zu beantworten.

Fakt aber ist, dass die Südamerikaner ihren "Heimvorteil" bislang prächtig nutzten. Und auch ihre Nachbarn, der Sensations-Achtelfinalist Costa Rica und die widerspenstigen Mexikaner, wussten zu überzeugen.

"Die Mittelamerikaner haben sich auch taktisch stark verbessert", lobte Bundestrainer Löw, der vor allem die Costa Ricaner nach den Erfolgen über Uruguay und Italien ins Herz geschlossen hat: "Mit zwei Siegen gegen zwei Mannschaften, die normalerweise zu den Titelfavoriten zählen, sind sie sicher eine sehr positive Überraschung. Sie machen einen starken Eindruck."

Für den WM-Titel kommt der Weltranglisten-28. aber wohl nicht infrage. Schon eher die "Big Five" auf Südamerika: Brasilien, Argentinien, Chile, Uruguay und Kolumbien kamen gut bis sehr gut aus den Startlöchern, selbst Ecuador hat noch Chancen aufs Achtelfinale.

"Ich glaube, dass sie mit den Bedingungen sehr gut umgehen können, dass sie auch mal nachmittags bei der Hitze spielen müssen", sagte Löw. Allerdings liegen die Temperaturen an vielen WM-Spielorten deutlich unter 30 Grad, zudem verdienen sehr viele Profis ihr Geld in Europa.

Die Suche nach Gründen für das bisher gute Abschneiden der Süd- und Mittelamerikaner fällt also schwer. Hilfreich ist mit Sicherheit die zahlreiche Unterstützung der Fans, die eine kürzere Anreise nach Brasilien hatten und entsprechend in der Mehrzahl sind. "Die südamerikanischen Teams haben hier viele Fans im Rücken, die sie frenetisch anfeuern", sagte Argentiniens Ex-Nationalspieler Juan Sebastián Verón.

Sehr wahrscheinlich ist der Fakt, dass das größte Fußballturnier der Welt auf ihrem Kontinent stattfindet, für die Südamerikaner ein zusätzlicher Motivations-Kick. "Vielleicht", sagt der niederländische Stürmerstar Robin van Persie, "liegt es auch nur daran, dass sie sehr gute Fußballer sind."

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