Somit kann laut Informationen des Magazins SPONSORs das für die Vergabe zuständige Hessische Innenministerium heute vorerst nicht wie geplant 20 Lizenzen an Sportwettanbieter ausgeben.
Anfang September hatte die mit der bundesweiten Regulierung des Sportwettmarktes beauftrage hessische Behörde 20 Bewerbern eine vorläufige Lizenz für den deutschen Markt erteilt. Namhafte, als seriös geltende Unternehmen wie Interwetten, Tipico und Bet365 waren unter den "besten 20" nicht vertreten. Am gestrigen Mittwoch endete die Stillhaltefrist zur endgültigen Vergabe der Lizenzen. Diese Frist wurde wie erwartet von zahlreichen nicht berücksichtigten Wettanbietern genutzt, um die Entscheidung des Ministeriums juristisch anzufechten. Mit Erfolg, denn die Kriterien des Bewerbungsverfahrens und der Lizenzvergabe blieben in hohem Maße intransparent (RS berichtete...) und genügten der rechtsprechenden Instanz als hinreichende Begründung.
SPONSORs betont den überaus kritisch formulierten Hängebeschluss des Verwaltungsgerichtes Wiesbaden und zitiert daraus wie folgt: „Weder die Ablehnungsbescheide noch der diesen beigefügte Bewerbungsbogen sind hinsichtlich ihrer Begründung aus sich heraus verständlich. Wenn einzelne Aufgaben als von der Antragsstellerin „unterdurchschnittlich“ gelöst beurteilt wurden, erschließt sich nicht, wo und bei welchen anderen Bewerbern die Beurteiler den Durchschnitt angesetzt haben.“ SPONSORs führt hierzu weiter aus, dass das Gericht zudem nicht feststellen konnte, „dass ein besonderes, vom Hessischen Innenministerium geltend gemachtes öffentliches Interesse besteht, dass die Lizenzen jetzt ausgegeben werden. Die außergewöhnlich lange Dauer des Lizenzierungsverfahrens habe nicht das Gericht, sondern die zuständige Behörde, also das Innenministerium Hessen zu verantworten."
Die rechtliche Unsicherheit bleibt somit weiter bestehen und wird vor allem die Situation des unter enorm wirtschaftlichen Druck stehenden staatlichen Anbieters Oddset weiter verschlechtern. In der Branche wird die plötzliche und unsauber durchgeführte Vergabe der 20 vorläufigen Lizenzen ohnehin mit der prekären Lage des in München sitzenden Unternehmens begründet. Vehement drängte Oddset vor Jahren auf eine Novellierung eines Glückspielstaatsvertrages, der mit Verweis auf eine vermeintliche Spielsucht und mangelhafte Kontrolle bei Online-Wetten eine Regulierung des Marktes und eine rigorose Selektion von privaten Anbietern nach sich ziehen sollte.
Die Rechnung ging nicht auf, auch weil Oddset zu spät realisierte, dass man das Web als grenzüberschreitende und für das Geschäft notwendige Verkaufsplattform unterschätzt hatte. Ohne eine rechtliche Regelung in Form einer selbst geforderten Konzession kann und wird der moralapostolische Anbieter werblich und digital nicht aktiv werden. Gleichzeitig wird er jedoch die immensen Kosten im Marketing / Sponsoring (u.a. Partner beim BVB mit 1,5 Mio / Saison) sowie im aufgeblähten Management nur schwerlich refinanzieren können. Ein Ausbau des Angebotes in den Lottoannahmestellen blieb zudem ohne nennenswerte Effekte, da die Attraktivität des Produktes hinter dem der Konkurrenz zurückbleibt. Am Ende scheint man in der Münchner Firmenzentrale die Geister, die man rief, nicht mehr los zu werden.

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