Der Aufstiegsaspirant konnte die hohen Erwartungen bis dato nicht erfüllen und fiel nach der enttäuschenden 1:2-Niederlage gegen den KFC Uerdingen auf den neunten Tabellenplatz zurück.
Die schwache Leistung gegen die Krefelder traf vor allem Hartmut Gieske, kaufmännischer Vorstand des Hauptsponsors evo und Aufsichtsratsvorsitzender der Kleeblätter, bis ins Mark. Der Funktionär verfolgte die ernüchternde zweite Halbzeit gegen den KFC von der Seitenlinie und rannte nach Abpfiff wutentbrannt durchs Stadion Niederrhein.
Saison finanziell nicht gesichert
RWO steckt in einer sportlichen Krise, die sich auch nachteilig auf die Finanzen des Traditionsvereins auswirkt. Präsident Hajo Sommers hatte zu Saisonbeginn verkündet, dass die laufende Spielzeit wirtschaftlich noch längst nicht durch sei. RevierSport sprach vor dem richtungweisenden Heimspiel am Freitagabend gegen den starken Aufsteiger FC Kray mit Gieske über die sportliche Krise, Trainer Andreas Zimmermann und die Zukunftsaussichten der Rot-Weißen.
Hartmut Gieske, Ihnen war am Samstag anzumerken, dass Sie mit der sportlichen Situation alles andere als zufrieden sind. Was sagen Sie zum bisherigen Abschneiden der Mannschaft?
Unser Ziel hieß und heißt nach wie vor oben mitzuspielen. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei uns dramatisch auseinander. Wir haben uns letzten Samstag vom KFC Uerdingen in Sachen Kampf und Wille vorführen lassen. Man muss aber auch mal kämpfen, um ein Spiel zu gewinnen. Das habe ich in dieser Partie nicht gesehen. Wir waren in der letzten Saison die beste Rückrunden-Mannschaft. All das zählt jetzt aber nicht mehr.
„Wenn die Mannschaft nicht mitzieht, könnten wir auch Jürgen Klopp als Trainer verpflichten. Das bringt nichts.“
Die Mannschaft wurde im Sommer nahezu komplett zusammengehalten. Hat Sie der Leistungseinbruch in den letzten Wochen deshalb besonders überrascht?
Der Verein hat vor der Saison einen finanziellen Kraftakt hingelegt. Wir sind in Vorleistung gegangen, um alle wichtigen Spieler zu halten. Gegen Uerdingen standen neun etablierte Spieler auf dem Platz, die in der letzten Saison gute Spiele abgeliefert haben. In der zweiten Halbzeit ist die Mannschaft aber eingegangen wie eine Primel. Der Verein hat der Mannschaft genug gegeben. Die Spieler verdienen hier auch gutes Geld. Aber in Form von guten Spielen wurde bisher viel zu wenig zurückgezahlt. Mit diesen Leistungen laufen uns sowohl die Fans als auch die Sponsoren weg.
Welche Rolle spielt dabei der Trainer? Wie fest sitzt Andreas Zimmermann noch auf seinem Stuhl?
Auf diese Lippenbekenntnisse habe ich grundsätzlich keine Lust. Eine Trainerdiskussion wäre meiner Meinung nach auch völlig fehl am Platz. Ich sehe und weiß, wie Andreas Zimmermann trainiert. Ich sehe und weiß, welchen Erfolgsanspruch er an sich selbst hat. Aber wenn die Mannschaft nicht mitzieht, könnten wir auch Jürgen Klopp als Trainer verpflichten. Das bringt einfach nichts. Er hat aber momentan selbst Probleme, obwohl er ein sehr guter Trainer ist. Das gilt für unseren Trainer genauso.
Vor der Saison sagte Hajo Sommers, dass Gelder fehlen, um das laufende Jahr zu sichern. Wie sieht es da aus?
Die Saison ist noch immer nicht durchfinanziert, und mit jedem schlechten Spiel wird es schwieriger. Insofern ist diese Situation, um es vorsichtig auszudrücken, nicht besser geworden.
„Wir haben im Stadion eine Stimmung wie auf einer Beerdigung.“
Wie sollen die nötigen Gelder aufgebracht werden, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt?
Auf Dauer ist der Verein so nicht haltbar. Die evo kann Rot-Weiß Oberhausen nicht mehr alleine über Wasser halten. Wir müssen uns erst an die eigene Nase fassen. Damit meine ich die Spieler. Dann muss auch das Umfeld kommen, also diejenigen, die diesen Verein haben wollen. Das gilt für die gesamte Stadt. Entweder wollen alle oder nicht. Wenn sich nichts ändern sollte, können wir zumachen. Dann können wir den Verein abmelden.
Die Situation nimmt Sie offensichtlich sehr stark mit. Wie hart trifft Sie diese Entwicklung?
Das ist für mich purer Frust. Wenn ich sehe, dass meine Vorstandskollegen, die sich genau wie ich ehrenamtlich täglich fünf, sechs Stunden dem Verein widmen, kein Feedback bekommen, dann hat man irgendwann die Nase voll – von der Truppe und vom Umfeld. Wir haben im Stadion eine Stimmung wie auf einer Beerdigung. Der Frust dürfte dann nachzuvollziehen sein.
Was wollen Sie tun?
Wir sind angetreten, um den Verein weiterzuentwickeln. Das ist uns im Nachwuchsbereich auch durchaus gelungen. Aber Aushängeschild ist und bleibt die erste Mannschaft. Der Schalter muss schnell umgelegt werden, sonst können wir die Saison beenden. Nur auf Freundschaftsspiele habe ich keine Lust mehr.




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