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BORUSSIA DORTMUND: Fußball-Lehrer und -Star in spe
„Von einem Rummenigge erwartet man mehr"

Wenn es um Fußball geht, kommt man an den Rummenigges nicht vorbei. Das war schon in den achtziger Jahren so, als Karl-Heinz und Michael Rummenigge in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft wirbelten. Und auch heute übt die Familie großen Einfluss aus: Karl-Heinz als Vorstandsvorsitzender der Bayern München AG, sein jüngerer Bruder Michael als Inhaber einer Fußball-Agentur und angehender Fußball-Lehrer.

Und dessen Sohn Marco als U19-Nationalspieler von Borussia Dortmund. „Mein Vater ist mein Vorbild. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch vom Menschlichen her“, betont der Youngster. Sein Onkel hat als einer der besten Stürmer der Welt die schillerndere Karriere hingelegt, „aber ich spiele im Mittelfeld, das kann man nicht so vergleichen.“

Der 19-Jährige will ohnehin seinen eigenen Weg gehen, ebenso wie seine beiden kleinen Geschwister. Fabio macht die ersten fußballerischen Gehversuche bei Eintracht Hombruch, Calvin ist mit 15 schon ein starker Golfer. „Mein Vater hat mich nie zu etwas gedrängt, ich will selbst etwas erreichen“, betont Marco. Und das ist gar nicht so leicht, wie sein "alter Herr" erklärt: „Er wird ganz anders gesehen als seine Mitspieler, von einem Rummenigge erwartet man automatisch mehr. Heiko Herrlich ist ein sehr guter Trainer, aber ich verstehe nicht, warum er Marco beim BVB die Rückennummer zehn gegeben hat. Das erhöht den Druck zusätzlich, damit muss Marco leben.“

Das gelingt dem Talent durchaus: „Der Name kann zur Belastung werden, aber ich kann damit umgehen. Mir ist egal, wie mich andere sehen.“ Dabei fallen die meisten Beurteilungen äußerst positiv aus, nicht umsonst rückt er in der kommenden Saison ins Dortmunder Amateur-Team auf – mit der Zusage, regelmäßig mit den Profis trainieren zu dürfen. „Ich habe das früher selbst erlebt, da lernt man viel von den erfahrenen Spielern“, berichtet Vater Rummenigge. Und das ist auch nötig, wenn Marco seinen Traum von der Bundesliga verwirklichen will.

Sein Vater hält den Sprung für möglich, weiß, was in seinem Sohn vorgeht: „Im Westfalenstadion vor 80.000 Zuschauern zu spielen, ist wunderbar. Aber klar ist auch, dass es so eine Nibelungentreue wie zu meiner Zeit in dem Maße nicht mehr gibt.“ Doch für den angehenden Abiturienten gibt es derzeit nur den BVB – und die Schule: „Viele sagen, dass ich den Sprung schaffen kann. Wenn es gelingt, wäre das klasse. Aber wenn nicht, will ich auch ein zweites Standbein haben." Daher ist ab dem Sommer ein Studium angedacht, entweder BWL oder Sportökonomie und –wissenschaft.

Der Nachwuchs-Kicker setzt bewusst nicht allein auf die Karte Fußball, weil er schon leidvoll erleben musste, dass alles ganz schnell vorbei sein kann. Kreuzbandriss, Schulterverletzung – da bleibt zwangsläufig viel Zeit, um sich Gedanken über die Zukunft zu machen. „Marco hatte alles, was man nicht braucht, dadurch fehlen ihm zwei Jahre seiner Entwicklung“, betont Michael Rummenigge. Eine gute Prognose stellt er dem Filius trotzdem aus: „Er hat eine herausragende Technik, allerdings fehlen ihm noch die ersten fünf, sechs Meter. Dennoch ist der Junge auf einem guten Weg.“ Der Angesprochene bestätigt: „So langsam läuft es, seit Oktober bin ich komplett fit. Und bei der Kreuzband-OP hatte ich einen gewissen Vorteil durch den Namen, wurde von Dr. Jürgen Eichhorn operiert.“ Der angesehene Spezialist hat schon das "Who is Who" der Sportwelt behandelt, ein Termin bei ihm gleicht einem Ritterschlag.

Den hat der Blondschopf von Borussias Profi-Coach Thomas Doll zwar noch nicht erhalten, aber immerhin kann er bereits die ersten Einsatz-Minuten in der Regionalliga-Elf vorweisen – Seite an Seite mit seinem früheren Helden Lars Ricken. “Das ist schon etwas ganz Besonderes“, lächelt der Blondschopf, der 2001 von Eintracht Hombruch zu den Schwarz-Gelben wechselte.
Wesentlich internationaler geht es da bei seinem Vater zu. Der absolvierte im Rahmen seiner Ausbildung zum Fußball-Lehrer gerade erst Praktika bei Juventus Turin und dem FC Sevilla. Im Juni steht die Abschlussprüfung an, dann empfängt der Lehrgangssprecher die höchste Weihe für einen Trainer.

Einen Posten an der Seitenlinie wird er aber wohl nicht direkt anstreben: „Ich habe mit meiner Agentur, der Fußball-Schule und der Soccer-Halle verschiedene Standbeine, auch für diese Dinge ist die Ausbildung eine gute Grundlage.“ Also wird der Vater seinen Sohn nie im Profibereich trainieren? „Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich weiß nicht, ob das so gut wäre. Aber möglich ist alles“, sagt der gebürtige Lippstädter und verabschiedet sich zurück an seinen Schreibtisch. Um für die Prüfung zu büffeln – damit der Name Rummenigge auch in Zukunft einen guten Klang hat.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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