Allmählich gehen einem beim Thema FC Kray die Superlative aus. Die gigantische Saison des Aufsteigers wurde am Samstag um ein weiteres großes Kapitel erweitert. Denn ausgerechnet der Underdog von der Buderusstraße vermochte es, die Aachener Serie von 20 ungeschlagenen Spielen zu beenden. Schon im Hinspiel am Tivoli hatte der FCK dem Aufstiegsapiranten ein 1:1-Remis abgetrotzt. Sensationelle zehn Punkte konnten die Krayer somit gegen Aachen und Rot-Weiss Essen einfahren - eine unglaubliche Quote für einen Verein, der weiterhin mit Rahmenbedingungen zu kämpfen hat, die in dieser Form nur in der Bezirksliga vorzufinden wären. Trainer Michael Lorenz monierte auf der Pressekonferenz nach dem Aachen-Spiel die stark eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten der Krayer. "Am Montag müssen wir wieder zum Training nach Karnap. Ich glaube nicht, dass sich daran schnell etwas ändern wird. Deshalb müssen wir uns auf uns besinnen und weiter alles reinhauen."
"So etwas gibt es in keiner anderen Stadt in Deutschland, das passiert nur in Essen"
Günther Oberholz
Der FC Kray ist der einzige Verein in der Regionalliga West, der seine Heimspiele zum Teil auf fremden Plätzen austragen muss. Auch gegen Aachen war der Aufsteiger gezwungen, in den Essener Süden auszuweichen und am Uhlenkrug zu spielen. Die Umzüge zur Heimspielstätte des Oberligisten ETB SW Essen sind für ehrenamtlichen Helfer des früheren Landesligisten stets mit einem enormen Aufwand verbunden. So mussten die Krayer im Vorfeld eine 200 Meter lange Zaunanlage aufstellen, die vom Verein selbst finanziert wurde. Die Genehmigung für den Verkauf von Speisen und Getränken gab es erst zwei Tage vor dem Spiel. Vor Partien auf Naturrasen muss die Mannschaft auf der Sportanlage in Karnap trainieren, da es in der heimischen KrayArena bekanntlich nur einen Kunstrasen gibt. "So etwas gibt es in keiner anderen Stadt in Deutschland, das passiert nur in Essen", schüttelte FCK-Präsident Günther Oberholz mit dem Kopf.
Der langjährige Funktionär der Blau-Grünen bemängelt die fehlende Unterstützung seitens der Stadt Essen. Besonders groß scheint das Interesse am Team von Trainer Michael Lorenz nicht zu sein, denn zum Topspiel gegen Alemannia Aachen erschien nicht ein einziger städtischer Vertreter. Beim großen Rivalen von der Hafenstraße sei das freilich anders. "Natürlich hat RWE als Großverein in Essen eine besondere Bedeutung, aber es kann aus meiner Sicht sein, dass ein Verein wie wir, der in dieser Saison in derselben Liga wirklich sensationelle Erfolge erzielen konnte, derart vernachlässigt wird."
Am Dienstag sind die Augen der gesamten Stadt Essen aber ganz sicher auch wieder auf den FC Kray gerichtet. Dann steigt im Halbfinale des Niederrheinpokals das dritte Duell mit RWE. Auf dem Platz haben sich die großen Unterschiede zwischen beiden Vereinen bis dato noch nicht wiedergespiegelt. Beide Meisterschaftsspiele gingen an die Krayer. Nach dem Hammer gegen Aachen und der Niederlage der Rot-Weissen in Verl rechnen nicht wenige mit einer erneuten Sensation.
Das Preis- Leistungsverhältnis könnte in Kray nicht besser sein. So kann sich Oberholz auch einen Seitenhieb in Richtung der großen Konkurrenz nicht verkneifen. "Man muss das alles im Gesamtkontext sehen. Was unsere Jungs leisten, ist einfach unglaublich. Mit den Jahresetats von Rot-Weiss Essen und Alemannia Aachen könnten wir 20 Jahre in der Regionalliga spielen."



















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