Es sei eine „PK mit einer Thematik, die wir uns nie gewünscht haben“: Der Abschied von Jürgen Klopp. Dass es zu diesem Abschied kommen würde, traf die Anhänger der Borussen vollkommen unvorbereitet. Trotz der Tatsache, dass der BVB aktuell weit hinter den Erwartungen zurückhängt, wollte sich kaum ein Fan einen Abschied von Klopp ausmalen. Das Leben aller Fans der Schwarzgelben schien am Mittwoch – wenn nicht für einen ganzen Tag – so zumindest für einige Minuten stillzustehen.
Wenn Klopp im Sommer sein Amt bei Borussia Dortmund niederlegt, dann hat er den Verein stolze sieben Jahre lang betreut. Eine so lange Zeit halten im Fußballgeschäft nur die wenigsten Beziehungen. Und so hatte dieser Verbindung zwischen Klopp und dem BVB schon seit längerem eine ganz besondere Ausstrahlung. Sie schien geradezu unauflöslich zu sein. Obwohl die Borussia in dieser Saison zeitweise bis auf den letzten Tabellenplatz abrutschte und reihenweise schmerzhafte Niederlagen kassierte, schien der Trainer trotzdem nie zur Debatte zu stehen.
Der ewige Dank aller
Hans-Joachim Watzke zu Jürgen Klopp
Borussen wird dir zuteil
Nun, da der 46-Jährige entschieden hat, aus eigenem Antrieb am Saisonende aufzuhören, gab es im schwarzgelben Lager kaum einen, der sich über diese Entscheidung gefreut hat. Die überwältigende Mehrheit der Fans hätte den gebürtigen Stuttgarter auch weiterhin gerne in der Verantwortung gesehen. Und wer die Gesichter von Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gesehen hat, der konnte spüren, dass es ihnen nicht anders ging. Insbesondere Watzke schien den Tränen nah zu sein, als er zu seinem Trainer sagte: „Jürgen, der ewige Dank aller Borussen wird dir zuteil, da kannst du dir sicher sein.“
Klopp selbst gab sich gefasst und erinnerte alle daran, dass er stets betont habe: „In dem Moment, in dem ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr der richtige Trainer für diesen außergewöhnlichen Verein bin, werde ich das sagen.“ Diesen Moment sah er nach langen und intensiven Überlegungen gekommen. Sein noch bis 2018 laufender Vertrag an der Strobelallee wird im Sommer aufgelöst. „Man kann sich nicht vorstellen, wie schwer das ist, wenn man das Gefühl hat, dass es nicht mehr das richtige ist. Es geht etwas zuende, bei dem man sich als Mensch gewünscht hätte, dass es nicht zuende geht“, sagte Klopp.
Nun müssen sich die Borussen an den Gedanken gewöhnen, bald ein neues Gesicht auf der Trainerbank zu sehen – und die Chance darin erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Thomas Tuchel Klopps Nachfolger wird, ist groß. Die aussichtsreichen Verhandlungen zwischen dem Hamburger SV und Tuchel sind am Montag gescheitert. Dass kurz darauf Klopps Abschied bekannt wurde, kann Zufall sein, ist es aber nicht. Alles deutet darauf hin, dass erneut ein ehemaliger Mainzer Coach nach Dortmund wechseln wird. Mit Tuchel könnte eine Veränderung einhergehen, die das Dortmund Spiel dringend nötig hat. Der 41-Jährige gilt als akribischer Arbeiter, der zu seiner Zeit am Bruchweg immer wieder sein System dem jeweiligen Gegner anpasste. Genau dieses Überraschungsmoment ging dem BVB in letzter Zeit viel zu oft ab.
Während Tuchel aus einem „Sabbatical“ kommt, kann ausgeschlossen werden, dass Klopp sich ein solches gönnen wird. Derlei Berichte habe er verwundert zur Kenntnis genommen, betonte der scheidende Trainer des BVB: „Es ist nicht so, dass ich müde wäre, auch wenn ich manchmal so aussehe. Ich habe keinen Kontakt zu einem anderen Verein und habe auch nicht vor, ein Sabbatjahr zu machen.“
Einen letzten Traum habe ich: noch einmal auf einem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren.
Jürgen Klopp
Und so wird Klopp auch in der kommenden Saison an der Seitenlinie eines Fußballvereins zu sehen sein. Doch wo genau? Da in Deutschland aktuell kein Spitzenteam Bedarf zu haben scheint, erscheint ein Wechsel ins Ausland als wahrscheinlich nächster Karriereschritt. Manchester City oder gar Real Madrid werden als Stationen gehandelt. Seine Leistungen mit dem BVB haben besonders in England für großes Interesse an Klopp gesorgt. Fraglich ist derweil, ob er auch dort eine so enge Beziehung mit einem Verein eingehen wird, wie mit der Borussia.
Bevor das Ende aber tatsächlich kommt, stehen noch wichtige Wochen für den BVB an. „Alle BVB-Mitarbeiter, vor allem unsere Mannschaft, sollten dir den Abschied bereiten, den du verdient hast und der diesen sieben Jahren gerecht wird“, sagte Zorc an Klopp gerichtet.
Die Spieler sind nun gefordert, noch einmal den Angriff Richtung Europa zu starten und die letzte Titelchance in dieser Saison wahrzunehmen. Für Klopp gäbe es nichts schöneres. „Einen letzten Traum habe ich: noch einmal auf einem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren“, sagte Klopp mit Blick auf den DFB-Pokal. Und ganz Dortmund träumt ein letztes Mal mit ihm.




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