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U17-Nationaltrainer Heiko Herrlich im WM-Gespräch
Titel-Traum ist zwar "vermessen, aber bereits als Kind ein Antrieb"

Seit dem 1. Juli gehört Dortmunds bisheriger U19-Coach Heiko Herrlich dem DFB-Trainerstab an. Die Arbeit begann allerdings schon lange vorher, schließlich steht direkt das erste Highlight an: die U17-Weltmeisterschaft vom 18. August bis 9. September in der Republik Korea. Bevor er seine neue Mannschaft in drei Lehrgängen auf das Abenteuer Asien einstimmt, tankt Herrlich noch etwas Sonne im Sardinien-Urlaub.

Doch so ganz ohne Fußball kann er auch da nicht leben, unterbrach die Ferien am Samstag für einen Besuch des Finales um die Deutsche B-Jugendmeisterschaft zwischen dem BVB und Bayern. "Das ist doch selbstverständlich", lächelt der zweifache Familien-Vater, der auch RevierSport bereitwillig Rede und Antwort stand.

Heiko Herrlich, wie fühlt man sich als Nationaltrainer?

Bislang nicht anders als bei der Borussia. Derzeit gönne ich mir ja noch ein paar Tage Erholung, bis wir in die heiße Phase der WM-Vorbereitung einsteigen. Dann geht es erst richtig los.

Inwiefern wird sich Ihr Leben als DFB-Coach ändern?

Mich erwartet eine andere Arbeitsweise, ich werde viel herumfahren und sichten. Die tagtäglichen Einheiten mit den Jungs fallen weg, das hat mir beim BVB unheimlich viel Spaß gemacht. Dafür werde ich künftig mit der Elite zusammenarbeiten und kann etwas über den Tellerrand hinausschauen. Vom Zeitaufwand her ist es daher fast intensiver als bei einem Verein.

Wie reagiert Ihre Familie auf die neue Zeit-Einteilung?

Meine Frau hat mich mit 20 als Profi bei Bayer Leverkusen kennen gelernt, sie kennt es fast nicht anders. Daher hat es wegen meiner neuen Tätigkeit auch keine Probleme gegeben – sie weiß, was mir der Fußball bedeutet.

Wie sieht eine normale Woche im Leben eines Nationaltrainers aus?

Am Wochenende werde ich die Spiele der Junioren-Bundesliga beobachten, Montag und Dienstag folgt die Auswertung. Und auch sonst gibt es immer etwas zu tun, gerade vor einem Groß-Ereignis wie der WM. Man plant und absolviert Lehrgänge, hinzu kommen Länderspiele.

Bleiben Sie denn in Dortmund wohnen?

Selbstverständlich, das ist für mich der ideale Standort. Im Westen hat man die Hälfte der Bundesligisten, von Dortmund aus kann ich unheimlich viele Vereine schnell erreichen. Das gibt es nirgendwo sonst in Deutschland.

Kennen Sie Ihr neues Team schon persönlich?

Mit den meisten habe ich bereits im Rahmen einer Leistungsdiagnostik gesprochen, um mir anzuhören, was für Ziele und Vorstellungen sie haben. Das war sehr aufschlussreich.

Wo sehen Sie in den kommenden Wochen Ihre Hauptaufgaben?

Jeder muss das System und die taktische Ausrichtung kapieren. Genau das werde ich den Jungs nun vermitteln.

Ihr Vorgänger Paul Schomann hat die Truppe zur WM geführt, Sie streichen nun die Ernte ein. Haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Nein, überhaupt nicht. Zum einen hatte ich auf diese Entscheidung keinerlei Einfluss. Zum anderen bin ich es als Profi gewohnt, dass man mir jedes Jahr einen Neuen vor die Nase setzt. Als Dortmund damals Bachirou Salou oder Fredi Bobic geholt hat, wurde ich auch nicht vorher gefragt, ob es mir passt.

Wie wichtig ist der Austausch mit Schomann?

Es war äußerst positiv, seine Meinung zu den einzelnen Akteuren zu hören. Ich habe einen guten Draht zu ihm, daher konnten wir offen miteinander sprechen. Ich kann seine Enttäuschung verstehen. Aber hierbei geht es nicht um Einzelpersonen, sondern darum, die Mannschaft möglichst optimal auf die WM vorzubereiten.

Und das wird schwer genug, oder?

Das Problem ist, dass der eine Teil unseres Kaders gerade erst die Saison beendet hat und der andere schon wieder in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit steckt. Das Leistungs-Niveau ist daher momentan sehr unterschiedlich, diese Lücke müssen wir versuchen zu schließen.

Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgabe vor der WM?

Neben den körperlichen Voraussetzungen spielt auch der Team-Gedanke eine wichtige Rolle. Die Jungs sollen sich als Einheit verstehen. Da werden mein Assistent Kai Timm und ich den Hebel ansetzen.

Als Spieler war der WM-Titel Ihr Traum. Und als Trainer?

Die Trophäe war für mich schon als Kind immer ein Antrieb. Aber es wäre vermessen, als junger Coach von so einem Ziel zu sprechen. Für mich geht es vor allem darum, die Einzelspieler zu einer Mannschaft zu formen und mindestens die Gruppenphase zu überstehen.

Wie schätzen Sie Ihre Vorrunden-Gegner ein?

Kolumbien hat in der Qualifikation mehr Punkte als Argentinien geholt, Ghana verfügt über eine Menge feiner Techniker. Und dass Trinidad und Tobago kein krasser Außenseiter mehr ist, wissen wir seit der WM 2006. Mal schauen, wie sich meine Elf schlägt.

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