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Wattenscheid: Kein Geld für die Abgänger
"Das zeigt den Charakter"

Wattenscheids neuer Vorsitzender Guido Tann warb um Verständnis, als er den Rückzug der zweiten Mannschaft ankündigte. Drei Tage nach der Bekanntgabe, die Staffelleiter Hans-Dieter Schnippe noch nicht offiziell zugegangen ist, muss er feststellen: "Bislang habe ich noch keines gefunden." Schon gar nicht bei den betroffenen Spielern, die nun händeringend nach einem Verein suchen. Einer von ihnen ist Carsten Neuhaus, der seinen Einstieg in den Senioren-Bereich als "katastrophal" bezeichnet. "Die Entscheidung hat alle sehr getroffen, anderthalb Wochen vor dem Saisonstart konnte das niemand nachvollziehen", betont der Youngster.

Der Abwehrspieler, der aus dem Nachwuchs von Schwarz-Weiß Essen stammt, verbrachte die letzten Tage am Telefon, um sich für einen neuen Arbeitgeber zu empfehlen. "Es gab nur Absagen, man sagte immer, hättest du dich mal früher gemeldet. Jetzt noch bei einem Verbandsligisten unterzukommen, ist fast unmöglich", erklärt Neuhaus resigniert. Sein Fazit: "Wir werden uns nun Teams anschließen müssen, die unseren Fähigkeiten nicht unbedingt entsprechen. Uns bleibt nichts anderes übrig, die meisten Kader sind schon zu."

Tatsächlich gibt es schon die ersten Erfolgs-Meldungen. Mit Sven Wienecke, Maximilian Schreier, Ferhat Yalcin und Timo Vössing wurde ein Quartett in die erste Mannschaft hochgezogen. "Vom sportlichen her ist es sehr schade, dass der Unterbau fehlt. Daher mussten wir nun handeln, um auf Verletzungen reagieren zu können", betont Trainer Dirk Helmig.

Damian Liedtke erhält einen Vertrag beim SC Hassel, Sebastian Demtröder könnte ihm folgen. Zum TuS Hordel zieht es Christopher Pache, Dominic Nagel und Marco Jankowski. "Und auch an Neuhaus sind wir stark interessiert, er hat sich gut bei uns präsentiert", betont Hordels Sportlicher Leiter Jürgen Wellmann. Noch auf der Suche sind Torwart Claudio Minutolo, die Abwehrspieler Sascha Stolt und Izzet Ceylan, die Mittelfeld-Akteure Semih Aktas, Francesco Minutolo und Ferhat Madendere sowie die Angreifer Garin Erzurumluoglu und Adam Schlossarek.

Sie sollten sich nicht darauf einstellen, in irgendeiner Form von der SGW entschädigt zu werden. Der Grund: Keiner der Kicker hatte einen gültigen Vertrag bei den Schwarz-Weißen – zumindest, wenn es nach Tann geht: "Es gab Schriftstücke, die von den Akteuren unterschrieben worden sind, allerdings nicht vom Vorstand." Dementsprechend wurden die Spielerpässe nie an den Verband geschickt, sondern den verdutzten Youngstern direkt ausgehändigt.

Der bisherige Reserve-Coach Frank Kandsorra kann so ein Verhalten nicht nachvollziehen: "Das zeigt den Charakter dieser Leute, es ist eine absolute Frechheit. Die Art und Weise ist nicht hinnehmbar. Es gibt ein Rechtssystem, das über die Angelegenheit entscheiden muss, ob eine mündliche Vereinbarung auch gültig ist." Kandsorra wird die Sache in der kommenden Woche seinem Anwalt übergeben, die Spieler könnten seinem Beispiel folgen.

Tann, der durch den Rückzug einen "prominenten fünfstelligen Betrag einsparen will", druckst herum: "Es müssen Gespräche stattfinden. Aber vom Grundsatz her sehen wir keine Veranlassung, etwas zu zahlen."


Stimmen zum Wattenscheider Rückzug


Hans-Dieter Schnippe (Staffelleiter Verbandsliga Westfalen I):
"Ich habe durch den RevierSport von der Sache erfahren. Bislang hat sich kein SGW-Verantwortlicher telefonisch oder schriftlich gemeldet, daher muss ich bislang offiziell noch davon ausgehen, dass es keinen Rückzug gibt. Das Verhalten ist schon sehr merkwürdig, da ich noch am Montag am Rande der Staffeltagung mit SGW-Geschäftsführer Gerd Abstins gesprochen habe, da war von Rückzug keine Rede. Jetzt kann man sagen, er wusste von nichts. Aber spätestens nach der Veröffentlichung in der Presse hätte man auf mich zugehen müssen. Bislang wird der Spielplan nicht geändert. Sobald mich ein offizielles Schreiben erreicht, haben die jeweiligen Wattenscheider Gegner spielfrei."
Klaus Täuber (VfB Hüls): "Der Rückzug ist sehr ärgerlich, schließlich wurde eine Mannschaft jetzt um ihre Chance betrogen. Man muss da auch an die Spieler denken. Die meisten Kader stehen, da wird es schwer für die Jungs, so kurz vor Saisonstart noch einen neuen Verein zu finden. So ist es sehr unglücklich gelaufen, man hätte schon eher reinen Wein einschenken müssen."
Philipp Kunz (Torwart Wattenscheid I): "Ich finde die Entscheidung sehr schade und denke, dass ein Verein, der sich rehabilitieren und neu aufbauen will, auf eine starke zweite Mannschaft angewiesen ist."
Thomas Magga (spielender Co-Trainer FC Recklinghausen): "Ich sehe das ähnlich wie Horst Darmstädter. Das ist eine Riesensauerei. Einen Tag zuvor auf dem Staffeltag war davon noch keine Rede, 24 Stunden später wird das Team dann zurückgezogen. Rein sportlich betrachtet wäre mir eine 16er-Liga lieber, so ist die gesamte Spielzeit total verzerrt."
Uwe Grauer (Westfalia Rhynern): "Ich habe selbst jahrelang in Wattenscheid gespielt und deshalb noch gute Kontakte zum Verein. Daher finde ich die Entwicklung, die die SGW hinter sich hat, besonders schade. Dass man doch nur mit einer Mannschaft in der Verbandsliga antritt, hätte man sich sicherlich früher überlegen können, denn die wirtschaftlichen Probleme waren bekannt. Ein völliger Neustart wäre möglicherweise das Beste gewesen, um den alten Ballast hinter sich zu lassen. Vielleicht ist Klaus Steilmann nach der Neubesetzung des Vorstands wieder bereit, dem Club finanziell unter die Arme zu greifen, damit er eine echte Zukunft hat."

RevierSport-Kommentar
Peinliches Tanntam

Der Rückzug der zweiten Mannschaft an sich ist offensichtlich noch nicht peinlich genug, denn die SGW setzt noch einen drauf: Die Kicker sollen noch nicht einmal ihr Gehalt für den vergangenen arbeitsreichen Monat erhalten, es wären gerade einmal 200 Euro pro Nase gewesen. Geld, das der Verein aus juristischer Sicht womöglich tatsächlich nicht zahlen müsste. Den Sympathiewerten ist solch ein verantwortungsloses Tanntam, das der Verein und sein neuer Vorsitzender veranstalten, jedoch alles andere als zuträglich. Auch das sollten die kühlen Rechner bedenken, wenn sie sich künftig auf Sponsoren-Suche begeben.

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