Startseite » Fußball » 1. Bundesliga

Report
So viel verdienen Bundesliga-Profis im Schnitt

(1) Kommentar
Foto: Firo

Drei Milliarden Euro Jahresumsatz: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) feiert Rekorde — aber zwei Klubs schneiden mit einem Minus ab.

Sogar kleine Auftritte sind bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eine große Show. Geschäftsführer Christian Seifert nahm sein Mikrofon noch etwas näher zum Mund, holte tief Luft und säuselte seine Rekordzahlen für die Fußball-Bundesliga „schmusesängermäßig“, wie er meinte, in den Raum ausgewählter Sportjournalisten in Frankfurt am Main.

Seit 26 Jahren die Top-Liga mit dem höchsten Torschnitt pro Spiel (2,83). Weltweit die Liga mit dem höchsten Zuschauerschnitt (42421). Und noch besser: Mit 25,8 Jahren beschäftigt die Bundesliga eine jüngere Spielergeneration als Spanien (26,3), Italien (26,7) und sogar England (26,9). Seiferts Jahresbilanz zur Saison 2015/16 hatte nur einen Schönheitsfehler.

Erstmals überschritten die Personalkosten für den Profibereich, also die Kosten für die 530 Erstliga-Fußballer und deren Trainer- und Betreuerstab, die Milliardengrenze. Von Thilo Kehrer bei Schalke 04 bis Robert Lewandowski bei Bayern München: Im Schnitt verdient jeder Bundesliga-Spieler knapp zwei Millionen Euro im Jahr. Um die 160.000 Euro monatlich.

„Das sind fraglos immense Summe“, räumte Seifert ein. Das „Verhältnis zur Bevölkerung“ beschäftige ihn, natürlich. „Wir sollten ganz offen die Gehälter ausweisen. Und die Spieler jeden Tag dankbar sein, dass sie so viel Talent haben.“ Sorgen bereiten ihm die Personalkosten ansonsten nicht: „Das ist Geld, das im Geschäftsmodell vorhanden ist.“

Bei Spielerberatern will Seifert weniger transparent sein: Die Zahlen wie Vorjahr, als Schalkes Großzügigkeit bei Beraterhonoraren ruchbar wurde, soll es nicht mehr geben. Andere Uefa-Verbände hatten nicht mitgezogen. Eine halbe Milliarde haben die Klubs aus Transfers generiert. Da wäre es schon interessant zu erfahren, wie sich Spielerberater die Taschen voll machen.

Lieber listete Seifert eine Reihe weiterer Rekordzahlen auf. Erstmals wiesen die 18 Bundesliga-Klubs zusammen über drei Milliarden Euro Umsatz aus (exakt 3,24). Der zwölfte Rekordumsatz in Folge. Sogar die 2. Liga ist in Bestform: Mit einem Rekordumsatz von über 600 Millionen Euro ist das Unterhaus inzwischen die siebtgrößte Liga in ganz Europa.

Aber wie weit kann die Bundesliga ihre Umsätze noch steigern? Im laufenden Geschäftsjahr werden die meisten Rekordzahlen übertrumpft. Zur neuen Saison startet der neue TV-Vertrag mit den Bundesliga-Spielen, die am Sonntagmittag und am Montagabend stattfinden. Gleichzeitig steigt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit der Dritten Liga ihre TV-Initiative.

„Die Gefahr der Übersättigung ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt Seifert und verweist auf die Football-Liga NFL in den USA: Dort gehen die Zuschauerzahlen und TV-Quoten überraschend zurück. „Die Sportart ist überkommerzialisiert“, stellte der DFL-Geschäftsführer fest. Unter schlechter Presse wegen Gesundheitsgefahren leide die Identfikation mit den Zuschauern.

Im operativen Geschäft machten alle 18 Erstliga-Klubs Gewinn: insgesamt 695 Millionen Euro im EBITDA. Ein Plus von 52,9 Prozent gegenüber Vorjahr. Da fallen die oben genannten Personalkosten auch weniger ins Gewicht: Der Anteil von 32,6 Prozent am Gesamtumsatz war niemals niedriger. Die Umsatzrendite beträgt 21 Prozent.

Es könnte alles so schön sein - wenn nicht zwei aus der Reihe tanzten. Wie diese Zeitung von Unternehmensberatern erfuhr, machten zwei Klubs nach Abschreibung und Steuern Verlust, Hamburger SV und Hertha BSC in Berlin. Bei diesen Klubs wird die Liga-Führung aufpassen müssen. In der 2. Liga schafften zwei Klubs nicht einmal operativ einen Gewinn.

Deutsche Klubs müssen international konkurrenzfähig bleiben

Und Seifert macht unmissverständlich deutlich: Die besten Bundesliga-Mannschaften müssen in der Champions League und in der Europa League konkurrenzfähig bleiben. Sonst leidet der gesamte Bundesliga-Betrieb. Seifert: „Wenn wir nicht internationale Klasse bieten, gucken die Leute Premier League.“ Für den deutschen Fußball eine permanente Gefahr.

An Nachwuchs sollte es nicht mangeln. Auch diese Zahl veröffentlichte Seifert: 1,23 Milliarden Euro investierten die Klubs seit 15 Jahren in ihre Leistungszentren, wo die Welt- und Europameister von morgen ausgebildet werden. Allein voriges Jahr waren es nach DFL-Angaben insgeamt 158 Millionen Euro. 26 Millionen mehr als im Jahr davor.

Der Staat dagegen durfte sich über die dauerhafte Bundesliga-Stärke freuen. Erstmals lagen die Steuern und Abgaben im vergangenen Jahr über eine Milliarde Euro. Exakt 1,13 — dreimal so viel wie vor zwölf Jahren. Und die Liga ist eine Jobmaschine: Die Zahl der Arbeitsplätze stieg um 2877 auf jetzt 53114. Zum Vergleich: Das sind 22000 Arbeitsplätze mehr als 2004/05.

(1) Kommentar

Spieltag

1. Fußball Bundesliga

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

KOMMENTARE

Hinweis:
Um Kommentare schreiben zu können, musst du eingeloggt sein. Falls du noch nicht angemeldet bist, kannst du dich hier kostenlos anmelden.

Login via Facebook

Der Login via Facebook erleichtert Ihnen die Anmeldung
  • UNVEU 26.01.2017 16:34 Uhr
    Und unsere Amateure, die angebliche Basis wird immer mehr am rande des Abgrund geschickt, immer höhere Kosten und Auflagen der Landesverbände die schon jetzt in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen stehen ... die Amateur Vereine sollten gemeinsam Flagge zeigen und ihren Unmut zeigen

RevierSport Digital

Im günstigen Abo oder als Einzelheft

Jeden Montag und Donnerstag Fußball ehrlich und echt von der Bundesliga bis zur Bezirksliga. Im günstigen Abo oder als Einzelheft auf ihrem PC, Mac oder mobilem Endgerät.