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Nach Poldi-Abschied: Geduld mit Sané und Co.

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Foto: Firo

Lukas Podolski erhielt als Nationalspieler ein rares Gut: Geduld. Die brauchen nun auch Spieler wie Leroy Sané und Timo Werner. Ein Kommentar.

Lukas Podolski konnte keinen besseren Moment für seinen Abschied wählen. Er geht als Weltmeister, ist beliebt bei Fußballfans und spielt nach 13 Jahren in der Nationalmannschaft noch zielstrebig genug, um seine Karriere für gutes Geld in Japan ausklingen zu lassen. 49 Tore in 130 Länderspielen, kein echter Skandal und immer witzig, ein liebenswerter Familienvater: So wird ihn die deutsche Öffentlichkeit in Erinnerung behalten. Nicht jeder große Spieler hört so auf.

„Und wieder geht einer von denen, die noch Typen sind“, hört man die Leute sagen. So ganz stimmt das nicht. Podolski war mal anders. Ein schüchterner Kerl, der lustige Sprüche eher versehentlich als gewollt raushaute. Der zwischendurch seinem Kapitän Ballack in Cardiff eine Ohrfeige verpasste. Ein Spieler für Folklore statt System. Immer nah am Grenzübergang zum Gute-Laune-August. Erst über die Jahre wuchs die Anerkennung, dass er mehr zu bieten hat als rheinische Frohnatur. Der seinen Wert im internen Kreis ausspielte und nicht auf dem Spielfeld.

Löw nahm Podolski stets mit

Bundestrainer Joachim Löw hatte seine guten Gründe, Podolski zu den Turnieren mitzunehmen. Sportliche Gründe waren es nicht.

Podolski personifizierte, was Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff als „Die Mannschaft“ inszenierte: einen Teamplayer, ein Bindeglied in einem Kader von Egozentrikern. Es war ein langer Weg bis zu dieser Rolle. Unter den jungen Spielern, die jetzt beim England-Länderspiel auf dem Rasen standen, sind genügend Kandidaten, von denen man irgendwann ebenso sagen könnte: Das war ein Typ. Leroy Sané. Julian Brandt. Joshua Kimmich. Ja, vielleicht Timo Werner.

Was diese jungen Kerle brauchen, ist das rare Gut, das Podolski bekam: Geduld. In Zeiten, da astronomische Millionensummen im Umlauf sind, ist jede Geduld knapp bemessen. Weder Klubs noch Trainer noch Medien zeigen gerne Geduld. Persönlichkeiten aber brauchen die Zeit der Reife. Und dann zahlen sie alles zurück. Der, der jetzt den richtigen Moment zum Abschied wählte, ist das beste Beispiel dafür.

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  • Schachspieler 23.03.2017 11:04 Uhr
    bekommen denn dann die Zuschauer für diese Geduld auch Teile ihres teuren Eintrittspreises zurück?!
    Gut, man könnte sagen, wer zu solchen Freundschaftsspielen geht, ist selbst Schuld. Anderseits kann man eigentlich für solche Alibi-Verletzungsverhinderungs-Auftritte nicht den normalen Eintrittpreis verlangen.
  • RWE-ole 23.03.2017 14:32 Uhr
    Vor allem könnte man solche Spiele auch mal von der Uhrzeit einiges früher ansetzen ( zumindest 20.15 Uhr). Wäre für alle Kinder und auch Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel wesentlich freundlicher.
  • wattenscheid1909 23.03.2017 19:30 Uhr
    Das Spiel hat aber auch überdeutlich gezeigt, das die oft geforderten Sane, Brandt, Weigl noch meilenweit davon entfernt sind Stammspieler zu werden. Auch diese guten Jungs brauchen noch Jahre um wertvoll zu werden.

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