Vor allem für den umstrittenen Donadoni, der Marcelo Lippi nach der WM als Nationalcoach abgelöst hatte, geht es im Olympiastadion von Kiew um die Zukunft. "Für ihn steht alles auf dem Spiel", titelte die Gazzetta dello Sport am Dienstag.
Ein freiwilliger Rücktritt von Donadoni im Falle einer Niederlage gilt jedoch als unwahrscheinlich. "Damit befasse ich mich nicht. Es geht darum, die heikle Situation zu meistern", sagte der ehemalige Profi. Und Luigi Abete, Präsident des Italienischen Fußball-Verbandes (FIGC), spielt noch auf Zeit. "Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um voreilige Schlüsse zu ziehen", erklärte Abete.
Doch eine Pleite in Kiew würde die Sorgen bei den Italienern noch mehr anwachsen lassen und die Chancen auf die Qualifikation zur EM-Endrunde 2008 in Österreich und in der Schweiz weiter minimieren. "Wir wissen, was auf dem Spiel steht. Eine EM ohne den Weltmeister wäre eine Katastrophe", meinte Kapitän Fabio Cannavaro von Real Madrid.
Nach dem enttäuschenden 0:0 in der Neuauflage des WM-Endspiels am vergangenen Samstag gegen Frankreich ist Italien mit 17 Punkten in der Gruppe B hinter Frankreich (19) und Schottland (18), die am Mittwoch in Paris aufeinandertreffen, auf Rang drei zurückgefallen. Die Ukraine liegt mit 13 Zählern in Lauerstellung und hat dabei noch ein Spiel weniger bestritten. Nur die beiden Gruppenersten sichern sich die Endrunden-Teilnahme.
Hoffnungen ziehen die Italiener aus den beiden letzten Siegen gegen die Ukraine im WM-Viertelfinale (3:0) und beim Hinspiel in der EM-Qualifikation (2:0). Allerdings ist Donadoni nicht frei von Personalsorgen. Für den verletzten Luca Toni vom deutschen Rekordmeister Bayern München und dem formschwachen Alessandro Del Piero wird er in der Offensive wohl auf Filippo Inzaghi und Vincenzo Iaquinta setzen. Zudem fehlt der gelbgesperrte Gennaro Gattuso.
Die Ukrainer, die zusammen mit Polen schon Italien die Ausrichtung der EM-Endrunde 2012 weggeschnappt haben, glauben noch an ihre Chance. "Ich bin Optimist. Wir können es schaffen", sagte Nationaltrainer Oleg Blochin. Die Hoffnungen ruhen insbesondere im Angriff auf den beiden England-"Legionären" Andrej Schewtschenko (FC Chelsea) und Andrej Woronin (FC Liverpool). "Wir fühlen uns im eigenen Stadion stark genug, um Italien zu bezwingen", erklärte der ehemalige Leverkusener Woronin vollmundig.
