Sicher, der EV Duisburg spielte gerade in dreifacher Überzahl. Zwei Strafen gegen Sonthofen, dazu machte Torhüter Justin Schrörs auch noch für einen weiteren Feldspieler Platz. Aber es waren eben auch nur noch 42 Sekunden zu spielen. Im schlimmsten Fall: 42 Sekunden bis zur Sommerpause. Doch dann schnappte sich Raphael Joly die Scheibe, zog vors Tor – und knallte sie zum 4:4-Ausgleich ins Netz.
Es mag profan klingen, aber es sind eben diese Situationen, in denen ein Führungsspieler da sein muss. In denen er das macht, was nötig ist. Ein anderer Spieler dieser Art ist Lars Grözinger: Gegen Halle am Knie verletzt, spielt er mit einer Orthese. Doch er brennt für die Füchse und er erzielte den Siegtreffer in der Overtime. Perfektes, fehlerloses Eishockey? Nein! Emotionaler Kampf bis zur letzten Sekunde? Auf jeden Fall!
Von 60 Minuten waren wir nur 18 Minuten präsent“, sagte Heiko Vogler, der Trainer des Eishockey-Oberligisten ERC Sonthofen, Gegner der Füchse in der nun weiter andauernden Play-off-Viertelfinalserie. „Wir wussten, dass Duisburg Gas geben würde. Und das haben sie trotz des 0:1 dann auch gemacht. Erst im letzten Drittel haben wir gezeigt, dass wir auch Eishockey spielen können. Allerdings gewinnt man auf der Strafbank eben keine Spiele.“
Gegentore durch individuelle Patzer
Die Präsenz der Bulls war allerdings auch den eigenen Nachlässigkeiten der Füchse geschuldet, die sich nach der 3:1-Führung offenbar zu sicher wähnten und die drei Gegentore durch individuelle Patzer selbst auflegten. „Dass wir das Spiel dann aber nochmal so gedreht haben, ist schon klasse“, freute sich EVD-Trainer Reemt Pyka, der aufgrund der Spieldauer-Sperre von Uli Egen diesmal alleine das Sagen an der Bande hatte. „Das ist aber dennoch eine Teamleistung“, sagt Pyka. „Wir haben die Mannschaft schließlich gemeinsam vorbereitet.“
Die ersten 40 Minuten haben Pyka freilich gefallen. „Wir haben sehr fokussiert gespielt und haben gut gearbeitet – trotz des frühen Rückstands.“ Eine Idee erwies sich als goldrichtig: Verteidiger Norman Martens, der an sich ja ein Stürmer ist, kam in den ersten beiden Dritteln als Angreifer zum Einsatz.
Erst in der Schlussphase – nach den vermeidbaren Gegentreffern – stellte ihn Pyka wieder nach hinten, um die EVD-Defensive wieder zu stabilisieren. „Das ist ja nichts Neues für mich“, sagte Martens, der am Sonntag noch krankheitsbedingt passen musste. Zu den Chancen, die Serie komplett zu drehen, wollte der stürmende Verteidiger nicht viel sagen. „Wir schauen von Spiel zu Spiel. Wir fahren nun nach Sonthofen und versuchen einfach dort zu gewinnen.“
Pyka setzt alles auf eine Karte
Als die letzten 75 Sekunden angebrochen waren, setzte Reemt Pyka alles auf eine Karte. Obwohl die Füchse schon in doppelter Überzahl spielten, nahm er Goalie Justin Schrörs, der erneut eine starke Leistung bot, vom Eis, sodass die Füchse in 6:3-Überzahl agieren konnten. Mit Erfolg.
Auch auf der Pressekonferenz blieb Pyka fokussiert – und betonte das, was auch Norman Martens sagte: „Wir fahren nach Sonthofen, versuchen zu gewinnen und dann schauen wir weiter.“ Das Spiel am Freitag beginnt um 20 Uhr; gewinnen die Füchse, fällt die Entscheidung am Sonntag wieder daheim in Duisburg um 18.30 Uhr.
So sieht es in den anderen Play-off-Duellen aus
Die Tölzer Löwen haben ihre Viertelfinalserie gegen die Hannover Indians durch ein 4:1 am Dienstag mit 3:0 Siegen gewonnen. Auch die Moskitos Essen stehen ohne Niederlage nach einem 7:3 gegen den EC Peiting in der Runde der letzten Vier.
Titelverteidiger Tilburg Trappers hat bei den Selber Wölfen mit 4:2 gewonnen und führt in der Serie mit 2:1 Siegen.

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