Cheftrainer David Wagner war lange misstrauisch. „Huddersfield in der Premier League – das wäre ein Wahnsinn“, erklärte der frühere Schalker Eurofighter und Dortmunder U23-Trainer im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Wahnsinn ist seit Montagabend Realität. Und 235 Millionen Euro Fernseh- und Vermarktungsgeld verteilt auf drei Spielzeiten für Wagners Huddersfield Town wert, ein SV Sandhausen in der reichsten Fußball-Liga der Welt. Bisher gab es übersichtliche 16 Millionen für die Mannschaft. Das war wirtschaftlich lediglich Platz 18 in Englands kostspieliger zweiter Liga.
Das 4:3 im Elfmeterschießen über den West-Londoner Vorortklub FC Reading brachte den Klub aus Yorkshire nach 45 Jahren Abstinenz wieder in die höchste Spielklasse.
Überlebenstraining in Schweden
Fast 77 000 Fans hielten beim Play-off-Finale in Wembley den Atem an, als Christopher Schindler den entscheidenden Elfmeter versenkte. Der ehemalige Münchener Löwe ist nicht nur einer von fünf deutschen Spielern bei Huddersfield. Sondern auch der teuerste Transfer der Klubhistorie mit 2,2 Millionen Euro. Mit Chris Löwe (Kaiserslautern) und Michael Hefele (Dresden) bildet Schindler die blau-weiße Abwehrkette. Zwei weitere Deutsche sind offensiv unterwegs: Ingolstadt-Leihgabe Elias Kachunga und der ehemalige Düsseldorfer Collin Quaner. Alle wollen nun in der Premier League mitmischen.
Auch Wagner. Der schickte seine Terrier im Sommer vier Tage zum Überlebenstraining nach Schweden, führte eine zweite Trainingseinheit am Tag ein. „Wir sind nicht der größte Hund im Hof, aber aggressiv, schnell, agil, ausdauernd“, begründet der 45-Jährige seine Arbeitsrevolution beim Meister der Jahre 1924, 1925 und 1926. Und seine Elf lief von Beginn auf Aufstiegskurs. Das weckte Begehrlichkeiten. Als der taumelnde VfL Wolfsburg im Winter bei Wagner anfragte, ließ ihn Huddersfields Teambesitzer Dean Hoyle, ein Grußkarten-Millionär und BVB-Anhänger, allerdings nicht ziehen.
Ab August geht es für Wagner in der Premier League auch gegen seinen besten Freund. „Jürgen Klopp kenne ich länger als meine Frau“, sagt Wagner über den Liverpooler Trainer. Als Mainzer Fußballprofis Anfang der 90er-Jahre teilten sie sich ein Zimmer. Wagner war Klopps Trauzeuge. Für zwei Spiele werden die Freunde Gegner sein.

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