Sonnenfinsternis. Die überflüssige 0:2-Niederlage am Abend zuvor auf der Bielefelder Alm ist allgegenwärtig und nagt an den Beteiligten, an den Verantwortlichen und auch an den Fans.
Wut und Frustration waren schon unmittelbar nach dem Spiel in den sozialen Netzwerken zu spüren. Unter dem emotionalen Eindruck der vorangegangenen Partie aber schärft die Wut nicht gerade die Sinne, denn so kurios es klingen mag bei einem Punkt von neun möglichen: Das Spiel auf der Alm war bisher die beste Performance der Mannschaft von Trainer Ismail Atalan.
Schaute man auf die Statistik, dann lag der VfL in allen eigentlich fußballrelevanten Zahlen deutlich vorn: Vom Ballbesitz, den gewonnenen Zweikämpfen, den Torschüssen. Bis auf das Endresultat: 0:2. Sportvorstand Christian Hochstätter hatte sich in der Nacht, wie der Trainer später berichtete, noch einmal das Spiel angeschaut, um ganz sicher zu sein, dass seine Augen durch fast zwei Jahrzehnte Profifußball noch geschärft genug sind, um die Vortagspartie zu analysieren. Sein Eindruck: „Ich bleibe dabei. Das Ergebnis ist bitter, aber wir waren in allen Belangen die bessere Mannschaft.“ Und zuversichtlich räumt er ein: „Wenn wir so konstant weitermachen, werden wir auch die nötigen Resultate erzielen.“
Der Sportvorstand gilt nicht als Schönredner und wenn man die Analyse des Bielefelder Trainers Jeff Saibene hinzuzieht, dann wird bestätigt, dass der VfL nicht der Spielstärke der Arminia zum Opfer fiel, sondern zweier krasser individueller Fehler und einer fehlenden Coolness im Torabschluss. Bielefelds Coach: „Wir haben gegen einen sehr guten Gegner gewonnen und hatten große Mühe ins Spiel zu kommen. Wir haben sicher nicht unser bestes Spiel gemacht.“ Das hat der VfL losgelöst vom Ergebnis sicherlich und deshalb auch die maßlose Enttäuschung.
Unruhige Nacht
Trainer Atalan sah man das am Dienstagmittag deutlich an: „Ich habe überhaupt nicht geschlafen. Das ist ein ganz schwer zu verarbeitendes Spiel. Gegen St. Pauli und Duisburg wusste ich genau, was nicht gestimmt hat und was nicht in Ordnung war. Aber ich habe mir das Spiel noch einmal angesehen. Wir hatten ein Torschussverhältnis von 24:11, eine Zweikampfquote von 60 Prozent und mit 125,5 km eine Laufleistung, die wir noch nie erreicht haben. Und trotzdem gehen wir als Verlierer vom Platz. Eigentlich könnte ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen, aber wir haben verloren und das ist, was zählt.“
Nicht nur, dass der VfL eine Fülle von Chancen liegen ließ, er besiegte sich auch selbst. Die Schuld daran alleine bei Torwart Manuel Riemann zu suchen, wäre fatal. Auch Treffer zwei war irgendwie unvorstellbar: Dass eine kurz ausgeführte Ecke zu einer verunglückten Hereingabe führt, die dann im Tor landet, kann man nicht glauben, wenn man in der Aufzeichnung sieht, dass mehr als ein halbes Dutzend VfL-Akteure im Fünfmeterraum klebten. Atalan: „Dass wir zwei so dumme Fehler machen, macht die Sache noch bitterer. Es ist extrem, dieses Spiel zu verarbeiten.“
Wut und Enttäuschung als schlechte Ratgeber. Der Trainer macht sich davon frei: „Wir werden weitermachen und ich glaube, der Mannschaft ist auch klar, dass der Weg, den wir auch in diesem Spiel eingeschlagen haben, der richtige ist.“ Atalan ist aber auch nicht betriebsblind: „Wenn du so eine Leistung bringst, musst du gewinnen. Und das haben wir versäumt. Daran werden wir arbeiten.“
Riemann bei Atalan unumstritten
Und während in den Foren Teile der VfL-Fans die Absetzung von Manuel Riemann fordern und nach Felix Dornebusch schreien, beantwortet der Trainer die Frage, wer denn am Sonntag gegen Dynamo Dresden im Tor steht, eindeutig: „Die Frage nach dem Torhüter stellt sich bei uns nicht. Manu hat uns gegen St. Pauli im Spiel gehalten, das dürfen wir nicht vergessen. Und auch in Bielefeld hat er uns zunächst einmal vor einem schnellen Rückstand bewahrt. So etwas, wie am Montag, kann passieren. Torhüter haben nun einmal das Pech, dass wenn sie patzen, der Ball im Tor ist. Stürmer dagegen können 100 Fehler machen, da passiert gar nichts. Kurz: Es gibt keinen Torhüterwechsel.“



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