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Moskitos
Als das Eishockey in Essen noch erstklassig war

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Foto: Volker Hartmann

Unsere Serie: „Alter Stolz im Revier" - Teil 2: Essens Eishockey war mal erstklassig. Mittlerweile ist die große Euphorie allerdings verflogen.

Uwe Vogt verlor sein Herz 1984. Nicht etwa an eine Frau, sondern an einen Verein. Seinen Verein. Die Moskitos Essen – damals noch EHC Essen-West. Die erste Begegnung war ein Klassiker der Kennenlerngeschichten: „Ein Freund fragte mich, ob ich nicht mal mitkommen wolle.“ Uwe Vogt wollte. Der damals 24-Jährige hatte schon viel von dem Eishockey-Verein am Bahnhof Essen-West gehört. Er hatte seine Ausbildung ganz in der Nähe der Eishalle gemacht. An manchen Abenden, wenn er zum Spätdienst kam, hatte er sich über die vielen, vielen Autos rund um die Halle gewundert. Und dann dieser Lärm. „Wenn man die Scheiben runter gemacht hat, war alles laut – was für eine Stimmung.“

Eigentlich war Uwe Vogt Fußball-Fan. Er kommt aus Wattenscheid. Da hält man zur SG 09. Doch nach diesem ersten Abend beim Eishockey war es um ihn geschehen. „Ich bin mitgegangen und dabei geblieben“, erzählt er. Und wie: Er besorgte sich eine Dauerkarte, fuhr mit seinem Kumpel zu den Auswärtsspielen, bald gehörte er zum engsten Kreis des Vereins. Traf Spieler, Trainer. Heute ist er Pressesprecher.

Und dann diese Stimmung. „Die Halle war oft sehr, sehr voll. 3000, 4000 und noch mehr Zuschauer. Vor dem Spiel haben wir angefangen zu singen. Wenn die Spieler dann einliefen, haben wir sie mit Trommeln begrüßt. Das ist dann so ein besonderer Herzschlag, Gänsehaut-Atmosphäre.“

Tagsüber hat die Eishalle Essen West heute wenig Stimmungsvolles. Die Farbe, mit der die großen Eishockey-Spieler auf die Hallenwand gemalt wurden, ist längst nicht mehr frisch. Die Moskitos teilen sich hier die Zeiten mit einem Eiskunstlauf-Verein. Glorreich geht anders. Aber vielleicht muss das so sein. „Für mich hat die Halle etwas Persönliches. Nicht so wie der Dome in Düsseldorf. Ich will ja nicht auf einem Plüschsofa Eishockey gucken“, sagt Vogt.

2011: das Insolvenzverfahren

Auch wenn Name und Farben in den vergangenen Jahren auch mal wechselten – Eishockey hat in Essen Tradition. Sogar erfolgreich spielte man hier. Immer mal wieder zumindest. 1999 war es kein Geringerer als der große deutsche Eishockey-Star Peter Draisaitl, der die Essener mit seinem entscheidenden Penalty zum Aufstieg in die Erstklassigkeit schoss. „Damals ging keine Briefmarke mehr in die Halle“, erinnert sich Uwe Vogt. „Das war unglaublich intensiv.“ Ein Verein stieg auf, eine Stadt, mindestens ein Stadtteil feierte mit. „Ich glaube“, sagt Vogt, „Peter Draisaitl würde sagen, dass er eine gute Zeit in Essen hatte.“

Heute ist die ganz große Euphorie verflogen. Nach drei Jahren in der Deutschen Eishockey-Liga, zwei letzten Plätzen und einem drittletzten Platz, ging es für die Moskitos bergab - sogar bis in die Regionalliga. 2011 wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Die Fans versuchten, ihren Verein mit Aktionen zu unterstützen. Uwe Vogt möchte über diese Zeit nicht so gerne reden. „Das ist was für Rechtsanwälte“, sagt der 57-Jährige. Seit 2015 ist der Verein raus aus der Insolvenz, heute spielt er in der Oberliga.

Mit dem sportlichen Erfolg schwanden auch die Zuschauer. 1000 finden heute noch im Schnitt den Weg in die Eishalle. Die Konkurrenz ist groß – gerade durch den Fußball. Knackpunkt ist das Finden von Sponsoren. „Ich glaube nicht, dass heute im Viertel noch viele Leute wissen, wer die Moskitos sind“, sagt Uwe Vogt etwas betreten. Lila-grüne Schals sind seltene Farbkleckse an der Eishalle. Außer, ja, außer es ist Derby.

Geht es gegen die Füchse, den EV Duisburg, kommen die Fans. Vor dem Eingang drückt sich eine junge Frau mit einem Trikot herum, auf dem steht: „Moskitos geben niemals auf.“ Hier in Essen, da ist das ein Lebensmotto. Und gegen Duisburg erst recht.

Parallelen zum EV Duisburg

Was beide Seiten vielleicht gar nicht gerne hören wollen: Sie sind sich recht ähnlich. Sie spielen in baugleichen Hallen, haben beide eine – sogar ähnlich erfolglose – DEL-Vergangenheit, hatten finanzielle Rückschläge zu verkraften, stiegen zeitgleich wieder in die Oberliga auf, messen sich seit vielen Jahren in friedlicher Rivalität.

Selbst bei einem Vorbereitungsspiel finden sich in der Essener Halle rund 900 Zuschauer zum Derby ein. Ein paar Wochen später sind es in der Liga sogar 2000. Die Rivalität steht im Vordergrund, wird inbrünstig besungen.

Seit 30 Jahren mit dabei ist Michael Blum. Der 51-Jährige trägt eine lila-grüne Narrenkappe und hält eine große Rassel. Eine Torchance, so scheint es, ist erst ernst zu nehmen, wenn er losrattert. Es ist, als gebe er den Takt vor. Ein Fan. Eine treue Seele. Für einen Verein wie die Moskitos unbezahlbar. Nur so lebt die Tradition weiter.

Uwe Vogt hat dieses Spiel selbst leider verpasst. Später schreibt er eine Nachricht. Sie strotzt vor Optimismus: „Wir waren gut, oder?“

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KOMMENTARE

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  • Bacardicola 07.11.2017 10:33 Uhr
    Totgesagte leben länger !:-)
  • mondspaltung 07.11.2017 13:48 Uhr
    im Sport hat essen echt nichts zu bieten.keinen nennenswerten Verein,dafür das essen so groß ist hat das echten seltenheitswert.
  • Steini77 07.11.2017 16:04 Uhr
    Die Stadt Essen mit seinen Welt Konzernen hat sich den Spitzensport lange abgespart... schade nun wieder den Aufbau zu betreiben wird eine harte Aufgabe und die Konkurrenz in den Nachbar Städten ist groß. Einzig wäre hier in Essen der Handball im Pott Konkurrenzlos... Gummersbach liegt da doch schon zu weit weg... aber auch das zeiht in Essen keine Sponsoren an... Warum eigentlich? Wäre doch was wenn in allen bedeutenden Sportarten Essen mal wieder in den Nachrichten stehen würde, DFB Pokal final mit Essen, Meisterschaftsendrunde mit Essen, Deutscher Handball Meister aus Essen (Magihöhe), Damenfussballer SGS erreicht die Deutsche Meisterschaft und spielt Championsleague. MAn Stelle sich mal Vor die Nachrichten würden so aus sehen München Hamburg udn Berlin würden erblassen vor neid.. Womit mit recht... aber nein...leider sitzen in den Aufsichtsräten der Großkonzerne keine Essener mit Sport Interesse, lieber den FC Meineid, den BVB AG, die Altbier Schlürfer vom Rhein aufs Eis Unterstützen sowie die Handballer von was weiß ich nicht wo, aber nicht groß Sponsor für einen Essener Club.

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