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Zorc:„Geschäftsführungs-Signal: Winter-Spielraum ist sehr begrenzt“
Unwahre Diskussionen nerven

Michael Zorc (Foto: firo).

Die letzten Wochen waren für ihn nicht gerade ein Zuckerschlecken, denn Michael Zorc steht wegen seiner Einkaufspolitik stark im Fokus der Kritik. Dabei wird mehrfach über das Ziel hinausgeschossen, schließlich wurden die Transfers gemeinsam, also mit Hans-Joachim Watzke sowie Thomas Doll, getätigt. Der Coach freute sich zu Saisonbeginn: „Mir stehen schon zum Trainingsauftakt alle Neuen zur Verfügung. Da hat unser Sportdirektor hervorragende Arbeit geleistet.“

Und auch der BVB-Geschäftsführer lobte nach dem 3:0-Sieg gegen Werder Bremen: „Alle Treffer wurden von neuverpflichteten Spielern erzielt. Deshalb muss auch Michael Zorc einmal ein Kompliment ausgesprochen werden.“

Der hatte bereits vor dem ersten Spieltag keine Einwände, an den Leistungen der verpflichteten Akteure gemessen zu werden. Gegenüber RevierSport erklärte er: „Grundsätzlich sollte im Fußballgeschäft nicht immer alles an einzelnen Personen festgemacht werden, schließlich haben wir alle gemeinsame Ziele, die wir verwirklichen wollen. Wenn einige aber so verfahren wollen, habe ich persönlich nichts einzuwenden. Sollen sie es doch tun.“ Schon sehr früh stand fest, dass über eine mögliche Vertragsverlängerung in der Winterpause gesprochen werden soll. Dann wird zu einem sinnvollen Zeitpunkt Bilanz gezogen. Doch so lange wollen einige Kritiker offenbar nicht warten, aus welchen Gründen auch immer.

Michael Zorc, nervt Sie die Diskussion um Ihre Person nicht langsam?

Natürlich, sie ist störend und nervig, vor allem wenn sie nicht der Wahrheit entspricht. Nehmen wir das Beispiel in der letzten Sport Bild. Dort wird über einen angeblichen Disput von Thomas Doll und mir über die Rolle von Mladen Petric geschrieben. Diese Geschichte entspricht in keinster Weise den Tatsachen.

Es wird immer von Geduld gesprochen, ist diese im Verein selbst nicht vorhanden?

Doch, denn wir wissen ganz genau, wo wir mit der Truppe hin wollen, aber das ist bei diesem permanenten Störfeuer nicht einfach.

Kritische Stimmen kommen aber auch aus dem einen oder anderen BVB-Gremium.

Ich weiß nicht, woher Sie diese Information haben. Mich hat keiner direkt angesprochen. Der Präsident hat mir noch am letzten Sonntag die volle Unterstützung zugesagt.

Hans-Joachim Watzke und Sie haben nach teilweise desolaten Vorstellungen der Mannschaft Klartext geredet. Wurde von außen die berechtigte Kritik mit Erwartungshaltung vermischt?

Es muss ja wohl erlaubt sein, eine mangelnde Einstellung offen anzusprechen. Man kann nicht immer gewinnen, aber muss es zumindest versuchen. In Leverkusen und auch gegen Bochum war das Engagement des Teams tadellos. Insbesondere gegen den VfL hat die Mannschaft den Gegner mit zehn Mann niedergekämpft. Das war in einigen Partien aber nicht der Fall, da war der Wille nicht erkennbar und der kann ja nun wirklich erwartet werden.

Ist die Erwartungshaltung in Dortmund einfach zu hoch?

Das ist in dieser Stadt so, in der die Borussia eine ganz wichtige Rolle spielt. Darum haben wir auch stets 75.000 Zuschauer im Signal Iduna Park, das ist der positive Effekt.

Liegt das auch daran, dass vor dieser Saison wieder mehr investiert wurde als in den Vorjahren, obwohl der absolute Betrag sich immer noch in Grenzen hielt?

Es ist richtig, dass wir diesmal erstmalig wieder mehr ausgegeben als eingenommen haben. Nach Abzug der Erlöse für die Abgänge haben wir rund fünf Millionen Euro investiert. Im Bundesligavergleich ist das eher gering. Zudem habe ich das Gefühl, dass unsere finanzielle Lage mehr und mehr vergessen wird, je mehr Tage ins Land ziehen.

Mit der Anfrage bei Daniel van Buyten hat der Verein signalisiert, dass nach der Hinrunde noch einmal nachgebessert werden soll. Vor allem auf der Innenverteidiger-Position?

Es gab oder gibt überhaupt keine Geschichte mit van Buyten.
Herr Watzke hat aber eine entsprechende Anfrage bestätigt.
Fakt ist, dass wir keinen Kontakt zu ihm haben.

Aber nachgebessert werden soll doch, oder nicht?

Es werden zwar ständig Namen genannt, die gehören wohl irgendwie zum Profigeschäft. Eröffnet wurde die Diskussion schon nach dem zweiten Spieltag, wir haben aber nie gesagt, dass wir darüber nachdenken, etwas zu tun.

Es liegen doch noch immer rund zwei Millionen Euro aus dem Smolarek-Verkauf in der Transfer-Kasse.

Das Geschäft wurde uns ja auch vorgeworfen, dabei erzielen wir in dieser Saison so viele Tore wie lange nicht mehr. In erster Linie von Stürmern. Zurück zu ihrer Frage: Ich habe ein klares Signal aus der Geschäftsführung, dass der Handlungsspielraum, in der Winterpause etwas zu tun, äußerst begrenzt ist. Wir verfolgen sehr intensiv die Entwicklung unserer eigenen Spieler.

Ist denn kein Vorgriff auf die neue Saison denkbar, schließlich muss schon aufgrund der Alterstruktur im Abwehrzentrum perspektivisch gehandelt werden?

Warum? Wir haben dort zwei junge und zwei alte Spieler, die haben alle mindestens noch einen Vertrag bis zum kommenden Sommer. Die von ihnen angesprochene Diskussion mit permanent neuen Namen erleichtert die Arbeit mit den eigenen Akteuren auch nicht gerade.

Zu denen gehören auch Sebastian Kehl, Philipp Degen und Florian Kringe, bei denen im Juni 2008 die Verträge auslaufen. Soll das Trio gehalten werden?

Ich will es einmal so ausdrücken: Wir gehen mit einer positiven Grundhaltung in die Gespräche.

Die bereits angelaufen sind?

Ja, sie sollen jetzt auch intensiviert werden, da wir so schnell wie möglich über eine Planungssicherheit verfügen wollen.

Der Berater von Sebastian Kehl will aber erst abwarten, bis der Spieler wieder gesund ist. Das erinnert stark an das Szenario um Christoph Metzelder vor Jahresfrist.

Wir haben schon miteinander gesprochen. Da der Tag, an dem Sebastian wieder voll dabei sein wird, ungewiss ist, muss schon vorher verhandelt werden. Da muss das Vereinsinteresse im Vordergrund stehen.

Das gilt am Sonntag für das Match gegen die Bayern. Was erwarten Sie?

Ich habe noch gestern gesagt, dass zwei Dinge so klar sind, wie das Amen in der Kirche. Die Münchner werden Meister, aber kommen nicht ungeschlagen über die Runden. Wir haben die Chance, den zweiten Teil der Aussage in die Tat umzusetzen.

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