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Gab es denn Begegnungen, die für Sie besonders wichtig waren?
Ich erinnere mich gerne an Rinus Michels, der mich nach Deutschland geholt hat. Nachdem er Leverkusen verließ, habe ich ihn leider nie wieder gesehen. Aber ich habe immer an ihn gedacht, weil ich ihm fast alles zu verdanken habe. Doch auch andere Personen waren immens wichtig für mich, etwa Hannes Bongartz. Vor kurzem hatte ich auch eine sehr schöne Begegnung in Köln. Meine Frau und ich waren in einem Lokal und trafen Lars Leese, diesen Traumhüter (der Autor Ronald Reng schrieb über Lars Leese das Buch „Der Traumhüter“, Anm. d. Red.). Mit dem war es total nett, wir haben und zwar nur kurz, aber ganz ungezwungen unterhalten.
War er überrascht, dass Sie Ihr Markenzeichen, Ihren Schnauzer, nicht mehr tragen?
(lacht) Ja, ich habe jetzt einen kleinen Bart, ganz kurz, um den Mund. Den Schnauzer hatte ich seit meiner Jugend, seit dem Zeitpunkt, als ich den ersten Flaum auf der Oberlippe spürte. Der Schnauzer gefiel allen so gut, vor allem meiner Frau, dass ich ihn über 20 Jahre hegte und pflegte. Meine Frau hat mir sogar verboten, ihn abzuschneiden. Als ich in der Oberliga angefangen habe und sich meine Karriere langsam dem Ende entgegen neigte, wollte ich mich aber doch endlich mal verändern und dann kam der Schnauzer ab.
Haben Sie eigentlich jemals darüber nachgedacht, sich auch beruflich zu verändern, etwas fern des Fußballsports zu machen?
Nein. Außer Fußball kann ich leider wenig anderes. Fast gar nichts. Deswegen war immer klar, dass ich in diesem Geschäft bleiben muss. Und es hat glücklicherweise geklappt.
In Ihrer Kindheit gab es vermutlich auch nur Fußball.
Richtig. Ich habe den ganzen Tag gespielt, von morgens bis abends, Fußball, Fußball, Fußball. Eine Zeitlang habe ich auch Handball gespielt, ab und an bin ich auch an einen See zum Angeln gefahren. Doch eigentlich war früh klar, dass Fußball mein Sport ist und bleiben soll.
Das war auch bei Ihren Freunden so?
Ja, unsere ganze Straße war verrückt nach Fußball. Ich komme ja aus dem kleinen Ort Goleniów, in der Nähe von Stettin. Dort haben wirklich alle Kinder gespielt. Oft haben wir dann Straßenmeisterschaften ausgetragen. Und unsere Straße hat immer gewonnen.
Die steile Karriere vom Straßenfußballer zum Bundesligastar...
(lacht) So in etwa. Allerdings haben wir nicht nur auf der Straße gespielt. Irgendwann haben sich die Kinder mit den Eltern zusammengetan, und wir haben für uns zwei Rasenplätze gebaut. Dann spielten wir auch gegen andere Dörfer. Der eine Platz hieß übrigens „Wembley“. Leider gibt es den heute nicht mehr.
Gab es ein denn ein bestimmtes Ereignis, das Sie zum Fußball gebracht hat?
Nein, eigentlich nicht. Die WM 1974 habe ich verfolgt, mir ist aber nur noch das Spiel Polen gegen Deutschland in Erinnerung. Klar, alle Kinder fanden vorher Pelé toll, doch nur die wenigsten haben ihn wirklich spielen sehen. Wir haben einfach angefangen, einfach los gekickt, ohne Vorbilder, ohne diese prägende erste Erfahrung. Die polnischen Jungs hatten das einfach im Blut. Und das Tollste war: Jeder hat mitgemacht, ganz egal ob er gut oder schlecht war. Die schlechteren Spieler standen dann meist hinten, die guten vorne. Irgendwann bin ich dann in diesen Verein Pomorzanin Nowogard eingetreten, da musste ich das erste Mal wirklich trainieren. Aber die Grundtechnik und das Ballgefühl, das habe ich auf der Straße gelernt.
Nachdem Sie dann bei Pogon Stettin gespielt hatten und in der polnischen Ekstraklasa Torschützenkönig geworden waren, wechselten Sie 1988 zu Bayer Leverkusen. Können Sie sich noch an Ihre Ankunft in Deutschland erinnern?
Ja, es war, als ob ich in einer anderen Welt gelandet bin.
Was haben Ihre Eltern zu dem Wechsel gesagt?
Wir kamen ja aus sehr einfachen Verhältnissen. Mama war immer etwas skeptisch, wenn ich erzählte, dass ich eines Tages Fußballprofi werden will. Sie hoffte, dass ich etwas „Richtiges“ lerne. Papa hat eher an die Fußballkarriere geglaubt. Doch spätestens als ich nach Deutschland ging, wussten beide, dass ich es geschafft hatte, sie akzeptierten den Fußballsport als meinen Beruf. Und ich verdiente in Leverkusen in einem Jahr mehr als Mama und Papa zusammen. Trotz aller Abschiedstränen haben sie sich dann natürlich für mich gefreut.
Wie kamen Sie in den ersten Monaten in dieser „anderen Welt“ zurecht?
Am Anfang gab es natürlich Probleme mit der Sprache, doch ich wurde herzlich aufgenommen. Im Bayer-Werk arbeiteten viele Polen, mit denen ich mich in meiner Muttersprache unterhalten konnte, und im Verein spielte damals der gebürtige Pole Andrzej Buncol, der mir in den ersten Wochen sehr geholfen hat. Für meine Frau war es etwas schwieriger. Ich kam in der Sommervorbereitungszeit zu Bayer und war zwei Monate kaum zu Hause. In unserer Straße wohnte glücklicherweise ein älterer Mann, der polnisch sprach, und mit dem sich meine Frau gelegentlich traf.
Bei ihrem nächsten Verein Wattenscheid spielten Sie mit dem Senegalesen Souleyman Sané zusammen, der immer wieder zum Opfer neonazistischer Pöbeleien wurden. Haben Sie als Pole in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren eigentlich ähnliche Erfahrungen in deutschen Stadien gemacht?
Ich wurde manchmal wegen meines gebrochenen Deutsch verhöhnt. Und dann gab es natürlich immer wieder diese Leute, die altbekannte Klischees hervorkramten und sie mir an den Kopf warfen – der Pole ist der Fahrraddieb, der Pole ist der Autodieb, der Pole ist faul, der Pole, der Pole. Man kennt die Sprüche ja. Es ist zwar unangenehm, aber ich habe mich irgendwann daran gewöhnt. Überhaupt kein Verständnis habe ich allerdings für die Dinge, die Souleyman Sané oder anderen farbigen Spieler widerfahren sind. Diese rassistischen Beschimpfungen aufgrund der Hautfarbe finde ich ganz schlimm.
