Bei den "Roten" kickte er damals noch mit deren heutigen Chef-Coach Dieter Hecking in der ersten Mannschaft, nachdem ihn zuvor in der B- und A-Jugend Mirko Slomka trainierte. Der Kontakt nach Hannover ist daher nie abgerissen, auch wenn in der aktuellen Truppe kein Spieler mehr kickt, zu dem "Fabe" einen Draht hat. Im Gespräch mit RevierSport sagt Ernst, warum das Duell mit seinem früheren Club nur der Auftakt zu einer Schalker Siegesserie sein kann, wenn man die gesteckten Saisonziele im Auge behalten will.
Fabian Ernst, was verbindet Sie heute noch mit Hannover?
Das ist nicht all zu viel, denn es ist schon fast zehn Jahre her, seit ich nicht mehr in der Stadt lebe. Aber ich bin dort geboren, habe meine Kindheit und meine Jugend dort verbracht. Daher habe ich noch jede Menge Erinnerungen an Hannover und natürlich auch an 96.
Wie war denn Dieter Hecking als Mitspieler?
Er war einer der älteren, erfahrenen Leute in der Mannschaft, ich dagegen noch ganz jung. Mit 17 Jahren habe ich keinen Kopf dafür gehabt darauf zu achten, wie er so war.
Warum sind Sie nach Hamburg gewechselt, obwohl 96 doch Ihr Verein war?
Beim HSV hatte ich die Möglichkeit Bundesliga zu spielen, das war der Grund. Im Nachhinein habe ich es schon ein wenig bedauert, nicht vielleicht noch ein Jahr geblieben zu sein. Alle meine Freunde spielten in der Mannschaft, die nur knapp am Aufstieg gescheitert ist und in der Regionalliga teilweise vor 40.000 Zuschauern gespielt hat.
Auf Schalke ist das Stadion immer voll, auch wenn derzeit nicht gerade Euphorie im Umfeld herrscht. Was läuft in dieser Saison nicht so, wie es laufen sollte?
Es ist für jeden sichtbar, dass wir eine Menge Aufwand betreiben, um Erfolg zu haben und Tore zu schießen. Viele Spiele waren auch gut, nur unsere Ausbeute war oftmals zu wenig. Dadurch haben wir schon in einigen Partien, die wir in der vergangenen Saison wahrscheinlich gewonnen hätten, eine Menge Punkte liegen gelassen.
Trainer Mirko Slomka hat gesagt, die nächsten vier Spiele müssen gewonnen werden. Wie realistisch ist dieses Vorhaben aus Spielersicht?
Die Tabelle hat ein deutliches Bild. Wir stehen acht Punkte hinter Platz zwei und drei, das ist zum jetzigen Zeitpunkt deutlich. Wir müssen zunächst einmal in Hannover gewinnen, denn sollten wir dort verlieren, sind wir sogar fünf Punkte hinter denen. Das sagt schon einiges aus, es ist ein richtungsweisendes Spiel. Wir haben uns vor der Saison hohe Ziele gesetzt, und das halte ich auch grundsätzlich für richtig, da wir in der Mannschaft das Potenzial haben, um diese zu erreichen. Nur müssen wir das jetzt auch zeigen.
Es ist ja kein Gesetz, dass Schalke immer Zweiter wird und in der Champions League spielt. Kann man nach der verpassten Meisterschaft in der vergangenen Serie nun auch mal mit Platz vier zufrieden sein?
Das halte ich für schwierig, wir sollten auch in dieser Phase der Saison nicht unsere Ziele herunterschrauben. Im letzten Jahr war die Situation im November ähnlich, und leider lief in den vergangenen Wochen viel gegen uns. Aber das kann auch mal ganz schnell umschlagen und man legt eine Siegesserie hin.
Im Gegensatz zur Situation vor zwölf Monaten ist es in dem sonst so heißen Schalker Umfeld relativ ruhig. Damals gab es den Fan-Aufstand, dann den Presse-Boykott der Spieler und jede Menge anderer Nebenkriegs-Schauplätze. Haben Sie eine Erklärung, warum sich nun das Theater in Grenzen hält?
Ich denke, dass das klare Bekenntnis der Vereinsführung zu unserem Trainer auch dafür gesorgt hat, dass es rund um den Platz keine unnötigen Diskussionen gibt. Mirko Slomka ist nun gerade erstmals in seiner Amtszeit nicht ganz so erfolgreich, daher wäre überzogene Kritik an ihm auch völlig unangebracht. Es liegt aber nun an uns Spielern, diesen Zustand der ausbleibenden Erfolge zu ändern.
Wie gut war die abermalige Spielpause, um die Wende herbeizuführen und wieder oben anzugreifen?
Sie war vor allem deshalb hilfreich, da einige Verletzte zurückkommen. So haben wir vielleicht den einen oder anderen Überraschungsmoment, in dem ein bisschen mehr Spielwitz oder Kreativität aufblitzt.
Bis zum Sommer war dafür vor allem Lincoln zuständig. Viele Experten und Fans meinen, genau so ein Spieler fehlt der Mannschaft. Teilen Sie diese Einschätzung?
Ich habe gerne mit ihm zusammen gespielt, er war er ein wichtiger Mann, der auch Begegnungen allein entscheiden konnte. Allerdings war er nicht beständig genug und hat vielleicht auch von sich selbst zu viel gefordert.
Die jungen Leute wie Ivan Rakitic, Mesut Özil und auch Carlos Grossmüller sind mit der zentralen Rolle im Mittelfeld noch überfordert und benötigen von einem erfahrenen Spieler wie Sie Unterstützung. Wie genau können Sie den Talenten helfen, dass Sie bald ihr volles Können entfalten?
Ich muss vor allem hinter ihnen für mehr Ordnung sorgen, weil sie manche Situation noch nicht so erkennen, wie ich mir das vorstelle. Sie haben ein Riesenpotenzial, soweit war ich mit 19 nicht. Sie bringen unheimlich viel mit, um uns weiterzubringen, aber in dem Alter ist man nicht konstant genug, um immer dieselbe gute Leistung abzurufen. Das müssen sie auch nicht, doch wenn sie weiter hart an sich arbeiten, wird das schon noch kommen.
Sie selbst haben auf Schalke noch einen Vertrag bis 2010. Was möchten Sie bis dahin erreichen?
Noch habe ich ja nicht viel erreicht. Ich bin aber nach Schalke gekommen, um Titel zu holen. Ich will hier Deutscher Meister werden, das ist klar!

