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Auf- und Absteiger VfL Bochum
Es gibt kein Polster

Aufsteiger: Kaum jemand hat damit gerechnet, dass Stanislav Sestak auf Anhieb eine solche Verstärkung wird. Der junge Slowake ist sofort zum Publikumsliebling und Hoffnungsträger anvanciert. Seine imponierende Schnelligkeit hat Gekas schnell vergessen lassen. Denn Sestak spielt um einiges mannschaftsdienlicher, holt sich die Bälle teilweise am eigenen Strafraum, um dann unwiderstehlich den Turbo anzuwerfen.

Acht Tore in seiner ersten Bundesliga-Halbserie sind eine stattliche Bilanz, in der Scorerliste rangiert er gar auf Augenhöhe mit den Topstars der Liga Diego, Rafael van der Vaart oder Miroslav Klose. Mehr geht eigentlich nicht.
Im Mittelfeld hat Christoph Dabrowski den Dirigentenstab fest in die Hand genommen. Die Stimmen seiner Kritiker sind lange verstummt. Zu dominant tritt der "Lange" auf, wobei er längst nicht nur die bekannten defensiven Qualitäten in die Waagschale wirft, sondern auch nach vorne Akzente setzt. An seiner Kampfstärke richten sich die anderen oft auf.

Rene Renno war längst abgeschrieben, saß eigentlich nur noch auf der Tribüne und wartete auf das Ende seines Vertrages beim VfL Bochum, der allgemein als Irrtum angesehen wurde. Doch der Keeper nutzte die Gunst seiner Stunde, als die beiden anderen Keeper nicht zur Verfügung standen. Machte insgesamt einen ordentlichen Job, wird von den Fans akzeptiert und geht mit einem hauchdünnen Vorsprung im neuen Jahr ins Rennen um den Platz im Kasten.

Absteiger
Vor einem Jahr tauchte er in dieser Bilanz noch bei den Aufsteigern auf, nun ist wieder ein Abfall zu vermelden. Philipp Bönig schafft es bei allem Bemühen einfach nicht, Konstanz in seine Leistungen zu bringen und das Problem auf der linken Abwehrseite endlich zu lösen.

Ivo Ilicevic ging mit derartig gekonnten Darbietungen aus der Vorbereitung hervor, dass allseits von seinem Durchbruch ausgegangen wurde. Es war schon überraschend, dass Koller zum Start auf ihn verzichtete. Das wurde verständlicher, als Ilicevic dann zu Einsätzen kam, die er sämtlichst verpfuschte. Viel zu eigensinnig und taktisch undiszipliniert ging er unter und war zuletzt, wenn überhaupt, nur noch ein Thema bei den Amateuren.

Als ein einziger, fast schon tragischer Irrtum erweist sich das Engagement des Benjamin Auer beim VfL Bochum. Mittlerweile gesundheitlich leidlich wieder hergestellt, ist nicht wirklich daran zu denken, dass er zu einer Angriffs-Alternative werden könnte. Dabei hatte Auer in seiner Mönchengladbacher und Mainzer Zeit durchaus bewiesen, dass er in der Bundesliga mithalten kann.

Das Problem
Als der VfL im letzten Frühjahr eine bärenstarke Rückrunde abschloss, da standen in der Bilanz der letzten vier Auswärtsspiele ausnahmslos Siege auf dem Zettel. Beeindruckend souverän war in Bielefeld, Frankfurt, Leverkusen und Hamburg dreifach gepunktet worden. Und auch in der neuen Saison ging es gleich mit einem Auswärtssieg weiter. Doch danach war Ende im Gelände. Lediglich in Duisburg wurde nochmals gewonnen, sieben Niederlage in der Fremde waren das "Problem" des VfL in der Hinrunde. Einige davon (Dortmund, Schalke) kamen ohne Zweifel unglücklich zustande.

Aber meist standen zumindest eine verschlafene Halbzeit, Mutlosigkeit und individuelle Patzer Pate. So zeigt der VfL gegenwärtig zwei Gesichter. Zu Hause couragiert und gefestigt, auswärts ohne Mumm und Zuversicht. Was eigentlich nur ein Kopfproblem sein kann. Hier ist Marcel Koller als Psychologe gefordert.

Die Zukunft
Wie eigentlich immer, ist mal wieder alles möglich, sowohl das eine Extrem wie das andere. Die Niederlage in Rostock hatte gleich mehrfach deutlich gemacht, dass die Abstiegsplätze ihre reale Bedrohlichkeit für den VfL nicht verloren haben. Vier Punkte sind auch deshalb nichts, weil solche Spiele wie in Rostock nach wie vor möglich sind und deshalb auch eine Wiederholung von acht Spielen ohne Sieg wie in der Hinrunde bereits erlitten. Es gibt also kein Polster, auf dem man sich ausruhen könnte. Der VfL bleibt gefährdet und wird sich mit dem Abstiegskampf befassen müssen. Andererseits hat das Koller-Team zu häufig bewiesen, welches Potenzial in ihm schlummert.

Wenn es zu einer Beständigkeit wie in der letzten Rückrunde finden könnte, wäre auch ein Angriff auf die einstelligen Tabellenplätze möglich. Denn auch bis Platz neun sind es lediglich vier Punkte.

Perspektivisch wäre dem VfL zu gönnen, dass er endlich mal wieder mit einem Team über mehrere Jahre planen könnte und nicht immer wieder wichtige Spieler weggekauft würden. Der derzeit vorhandene Kader, ergänzt um einen Torwart, einen kreativen defensiven Mittelfeldspieler und eine Lösung auf der linken Seite der Viererkette, hätte das Potenzial, um sich für Jahre in der Bundesliga zu etablieren.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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