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Bob-Königin Sandra Kiriasis vor WM-Titelverteidigung in Altenberg
Babypause nach Olympia

Sie ist die herausragende Pilotin unter den weiblichen Bobfahrerinnen. Am vergangenen Samstag sicherte sich Sandra Kiriasis auf ihrer Hausbahn in Winterberg zum sechsten Mal hintereinander den Viessmann FIBT Gesamtweltcup im Zweierbob der Frauen. Ab morgen geht es für die 33-Jährige Olympiasiegerin von Turin 2006 und mehrfache Deutsche Meisterin, Europa- und Weltmeisterin in Altenberg um die Verteidigung ihres Weltmeistertitels.

Kiriasis, die unweit von Altenberg im Erzgebirge aufwuchs und im Alter von fünf Jahren in der ehemaligen DDR zunächst mit dem Langlauf begann, wechselte 1985 zum Rennrodeln und 2000 zum Bobsport. Seit 1991 ist die Ausnahmeathletin im Sauerland zu Hause und will dort auch nach dem Ende ihrer aktiven Karriere bleiben.

Sandra Kiriasis, herzlichen Glückwunsch zu ihrem sechsten Gesamtweltcupsieg in Serie. Wird es Ihnen nicht langsam etwas langweilig?

Nein. Das ist doch überall so, im Sport, in der Wirtschaft und in der Politik. Wer oben ist, möchte auch oben bleiben. Das gibt mir immer wieder neue Motivation.

Sie beherrschen die Weltspitze seit einigen Jahren fast nach Belieben. Wie lange wollen Sie noch fahren?

So lange es mir noch Spaß macht und ich um die Titel mitfahren kann, mache ich weiter. Susi Erdmann hat erst mit 39 Jahren aufgehört. Wenn ich merke, ich kann nur noch Sechste werden oder muss mich quälen, wäre sofort Schluss. Mein Ziel sind die olympischen Spiele 2010 in Kanada.

Und danach?

Nach Vancouver möchte ich erst einmal eine Babypause machen. Vorher wäre es ungeplant, aber natürlich willkommen. Aber dann bin ich 35 Jahre alt und dann wird es Zeit für die Familienplanung. Und ob ich dann noch mal auf dem gewünschten Niveau zurückkommen kann, weiß ich nicht. Bislang haben mein Mann und ich das Thema immer vor uns her geschoben. Aber ich liebe Kinder. Ich könnte mir daher vorstellen, auch nach meiner aktiven Karriere etwas im Nachwuchssportbereich zu machen.

War es für Sie etwas besonderes, ausgerechnet auf Ihrer Hausstrecke in Winterberg den Weltcup zu verteidigen?

Es hat alles gepasst. Wir hatten tolles Wetter. Die Leute an der Strecke haben einen Höllenlärm gemacht. Überall standen Zuschauer. Ich habe ja als Fahrerin anders als meine Bremserinnen ab und an mal die Möglichkeit zu den Zuschauern herauszugucken. Es war fantastisch. Das ist eine schöne Anerkennung für unsere Sportart, die ja sonst nicht gerade vom Zuschauerzuspruch verwöhnt ist.

Schauen Sie da etwas neidisch auf andere Wintersportarten, wie etwa Biathlon, wo mittlerweile auch große Summen im Spiel sind?

Neidisch nicht, das Bobfahren habe ich mir ja ausgesucht. Aber was da im Vergleich zu anderen Sportarten übrig bleibt, sind nur Peanuts. Da würden durchschnittliche Fußballspieler nicht mal einen Monat für arbeiten gehen. Aber so ist das nun einmal. Fußball spielen die Kinder überall auf der Straße. Daraus ergeben sich unzählige Vermarktungsmöglichkeiten. Das ist in unserem Sport nicht möglich. Aber es gibt auch im Wintersport einige Sportarten, bei denen man wesentlich mehr verdienen kann, das ist richtig.

Damenbob ist eine relativ junge Sportart. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Das Interesse wurde nach meinem Olympiasieg schon größer. Aber es ist nicht so, dass ich meine Karriere als Sportsoldatin aufgeben könnte.

Haben Sie eigentlich mitbekommen, dass am Samstag auch Bobs mit Fußballfans um den Titel des Reviermeisters gefahren sind?

Ja, klar. Wir haben uns gerade auf unseren zweiten Lauf vorbereitet. Das ist eine schöne Symbiose. Es war ja auch richtige Stimmung an der Bahn, zumal das Sauerland in dieser Hinsicht ja farblich zwischen Schalke und dem BVB geteilt ist. Ich kann nur meinen Hut vor jedem ziehen, der sich einmal den Eiskanal hinunterwagt. Das ist schon eine Herausforderung, di man nicht unterschätzen sollte. Besonders Siggi Held hat mir auch imponiert, wie der die Belastung weggesteckt hat.

Sie leben seit 16 Jahren im Sauerland. Welche Farbe hat ihr Herz gewonnen?

Den Yves Eigenrauch aus dem Bob kannte ich noch von den Spielen im UEFA-Cup 1997, da habe ich im Fernsehen mitgefiebert. Ich war zwar bei der WM 2006 beim Finale in Berlin und in Leipzig bei einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Aber bei einem Bundesligaspiel war ich noch nie. Mein Mann ist Bayern-Fan, aber für mich käme eher ein Spiel in der Veltins-Arena in Frage. Die haben das bessere Bier.

Zurück zum Bobsport. Ab morgen geht es in Altenberg um die Verteidigung ihres Weltmeistertitels. Wie groß ist der Druck in ihrer Heimat vor den Augen ihrer Eltern?

Ich bin zwar in Altenberg zur Sportschule gegangen, lebe aber schon sehr lange in Winterberg. Im Grunde ist es eine Bahn wie jede andere, auch wenn ich da im Januar die Deutsche Meisterschaft gewonnen habe. Sicher kennen mich noch viele Menschen und ich habe so etwas wie einen Heimvorteil, aber den würde ich nicht überbewerten. Aber Druck habe ich keinen, außer den, den ich mir selbst aufbaue. Alles andere als der erste Platz wäre aber eine Enttäuschung für mich.

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