Im Interview mit RevierSport spricht Eichkorn über seinen Ex-Club Duisburg, seinen ehemaligen Schützling Kevin Kuranyi und den kommenden Titelträger.
Seppo Eichkorn, tun Siege gegen alte Vereine etwas weh?
Nein, im aktuellen Fall Wolfsburg gegen Duisburg sitzt einem das Hemd natürlich näher als der Rock. Natürlich man die Clubs, bei denen man tätig war, mehr als andere. Ich drücke dem MSV durchaus die Daumen.
Bleiben die Zebras drin?
Duisburg hat ein beschränktes Büdget, die Gefahr des Abstiegs ist automatisch da. Wenn du nachlegst, dann muss alles passen. Bisher hat sich gezeigt, dass die stabile Zweitliga-Defensive in der Bundesliga eben nicht so sicher auftritt. Ich sehe ein paar Teams mit Duisburg auf ähnlichem Niveau. Dem MSV muss es gelingen, Mal einen überraschenden Erfolg einzufahren. Dann glaubt die Mannschaft wieder an sich.
Erfolg ist ein gutes Stichwort: Wolfsburg hat 2008 alle drei Pflichtspiele gewonnen.
Durch den gelungenen Start haben wir uns Luft nach unten verschafft. Jetzt sehen wir, ob es uns gelingt, als Mannschaft beim FC Schalke 04 zu bestehen. Für uns ist das ein Super-Test bei einer Truppe, die riesig drauf ist. Jeder Einzelne bei uns muss sich herausgefordert fühlen.
Haben Sie den Schalker Derby-Sieg in Dortmund verfolgt?
Ja, auf Premiere. Ich fand das Spiel super. Gerade als FC Schalke da zu gewinnen, besitzt schon einen ganz besonderen Stellenwert. Vorher haben sie den VfB Stuttgart 4:1 weggehauen. Trotzdem wollen wir Freitag Abend in der Arena etwas versuchen. Im Pokal sind wir nach großem Kampf weitergekommen. Mal sehen, wie es diesmal wird.
Torjäger Kevin Kuranyi ist nach Ablauf seiner Jubel-Sperre bei Schalke wieder dabei...
Ich kenne ihn noch aus gemeinsamer Zeit in Stuttgart. Emotionen und Einsatz gehören bei ihm dazu. Beim VfB hat er schon etwas extravagant gejubelt. Für die Fans ist das natürlich schön, als Trainer kannst du manchmal darauf verzichten. Was das Sportliche angeht, hat sich Kevin zu einem sehr wichtigen Mann hochgearbeitet und den WM-Schock prima verdaut. Er ist auch in der Nationalelf wieder auf einem guten Weg.
Sie stehen jetzt schon sieben Jahre an der Seite von Felix Magath, das deutet auf eine besondere Beziehung hin, oder?
Es gibt mehrere Beispiele, bei denen Trainer über längere Zeit zusammenarbeiten, wie etwa Ottmar Hitzfeld und Michael Henke bei den Bayern. Bei uns in Wolfsburg sind auch Bernd Hollerbach und Werner Leuthart im Trainer-Team. Jeder Coach versucht natürlich, sich einen Stab zusammenzustellen, dem er vertrauen kann. Mit Felix und mir, das passt ganz gut, sonst wäre die Konstellation bei unserem dritten gemeinsamen Club bestimmt nicht so.
Zwei Mal in Ihrer Karriere hatten Sie das Amt des Chef-Trainers inne. Wann sieht man Seppo Eichkorn wieder als Alleinverantwortlichen?
Wenn so ein Angebot kommt, dann muss es passen. Jetzt bin ich nicht der Entscheider, sondern Berater. Das muss man wissen, wenn man als Assistent arbeitet. Es gibt Charaktere, die sagen: Das reicht mir nicht. Bei mir ist es nicht so, mir macht die Tätigkeit als Co großen Spaß. Als Chef hast du zwangsläufig ganz andere Aufgaben. Davor hätte ich keine Angst, aber ich brauche es nicht zum Glücklich-Sein.
Von der Weltstadt München in die Auto-Hochburg Wolfsburg: Eine Riesen-Umstellung, oder?
Ja, bei den Bayern war das schon etwas ganz Anderes. Die Aufmerksamkeit ist dort ungleich höher. Allerdings können 1.000 Fans beim Training auch hinderlich sein. Da heißt es plötzlich: Schweini und Poldi, winkt doch mal. Die Diskussion um öffentliche Einheiten gibt es in München schon länger. Hier beim VfL ist das Arbeiten einfacher. Da kommen 40, 50 Leute zum Platz. Und davon sind noch ein paar dabei, die ihr neues Auto abholen und das mit einem Abstecher zum Fußball verbinden.
Schlussfrage: Wer wird Deutscher Meister?
Bayern macht das Rennen klar. Sie haben nicht nur das größte Durchhaltevermögen, sondern in der Breite auch den besten Kader aller Bundesligisten.
