Rückblende ins Jahr 1973. Anders, damals 23 Jahre jung und Spieler bei der SpVg. Erkenschwick, macht mit seinem Freund Edwin Smiegelski Ferien im malerischen Küstenort Porto Corsini. "Wir sind mit dem Auto über den österreichischen Rechenpass die Serpentinen entlang gefahren, um die Maut für das Benutzen der Autobahn zu fahren.
Alleine das war schon ein Abenteuer", blickt Anders zurück.
Im Örtchen angekommen, stellte das Duo sein Zwei-Mann-Zelt am Strand auf. Neben Baden und Sonnen standen auch allabendliche Besuche der Strandbar auf dem touristischen Programm. "Da war immer richtig Action", erinnert sich Anders gerne zurück.
Irgendwie hatte es sich in Porto Corsini herumgesprochen, dass der Blondschopf in Deutschland im Profi-Bereich kickt. "Als wir vom Schwimmen wiederkamen, hing ein Zettel an unserem Zelt. In gebrochenem Deutsch stand darauf: Pitter, komme um 18.30 Uhr zur Bar, wir brauchen dich. Ich habe mir nichts dabei gedacht, bin zur angegebenen Zeit hingegangen und hörte mir an, worum es ging."
Anders erfuhr vom Liga-Pokal an der Adria, für den die kleinen Beach-Restaurants Geld einzahlten und Teams stellten. "Unsere Urlaubs-Ort-Truppe, die aus diversen umliegenden Orten zusammengestellt wurde, war bis ins Halbfinale vorgedrungen, hatte plötzlich Verletzungs-Probleme. Da wurde ich gefragt, ob ich kurzzeitig aushelfen könne", erinnert sich der frühere Stimberger, "Ich hatte keine Schuhe dabei, packte nur mein Duschzeug ein. Mit Autos sind wir schlißlich nach Ravenna gefahren, auch dabei habe ich mir nichts Großes gedacht."
Als Anders in die Umkleide-Kabine kam, stellte ihn Porto Corsinis Manager Beppo Angletti als "Pitter aus Germania" vor. Der "Neuzugang" bekam die Rücken-Nummer zehn und drei Paar Schuhe zum Anprobieren. Eines passte, Anders ging mit seinem Team eine Treppe hinunter und hörte plötzlich Atmosphäre. "Als ich auf den Platz kam, sah ich volle Ränge, das war eine Riesen-Überraschung. Ich dachte: Was ist denn hier los?"
Erst jetzt wurde Anders klar, dass es um etwas ging. Ravenna war mit seiner Profi-Auswahl klarer Favorit, machte sofort Druck. "Die hatten auf dem Weg ins Halbfinale alles weggefegt. Wir hielten aber das 0:0. Auf einmal gab es Freistoß für uns. Ich war selbstbewusst, schnappte mir den Ball und haute ihn aus 20 Metern ins Tor", nahm das Märchen des "Aushelfers" plötzlich Konturen an. Ravenna antwortete rustikal. Anders: "Kurz vor dem Ende hat mich ein Gegner richtig böse erwischt. Ich wurde ausgewechselt, meine Team-Kameraden, deren Namen ich heute nicht mehr zusammenbekomme, hielten das Ergebnis. Die Rückfahrt wurde zu einem Triumphzug, wir haben die ganze Nacht in der Strandbar gefeiert."
Der Halbfinal-Held ging anschließend zum Arzt, bekam Salbe, um seine Verletzung zu lindern, die sich erst Jahre später bei einem Total-Check als Wadenbeinbruch herausstellte. "Im Finale habe ich dann 30 Minuten gespielt, musste dann aber vom Feld. Wir haben auch diese Partie gewonnen. Und zwar 4:3 nach Elfmeterschießen. Den Namen des Gegners weiß ich nicht mehr, aber das Highlight war ohnehin vorher gegen Ravenna - das ist in etwa so, als wenn Erkenschwick gegen Bayern im Pokal gewinnt."
Anders blieb dem Urlaubs-Ort noch ein paar Jahre treu und kam in den Genuss so mancher Vorzüge: "Die Italiener in Porto Corsini waren so begeistert, dass ich nirgendwo etwas bezahlen musste, wenn ich zum Essen ging. Irgendwann war ich es dann leid, die 1.300 Kilometer mit dem Auto zu fahren und habe mich mit meiner Familie für andere Reiseziele entschieden."
Problematisch wurde die Rückkehr des Trumphators nach Erkenschwick. "Die SpVg. hatte schon mit der Vorbereitung begonnen, ich kam verletzt zurück und konnte ja nicht sagen, was wirklich passierte. Ich habe acht Wochen mit der Waden-Geschichte rumgehampelt, kam erst nach einem halben Jahr in Tritt. Eine Muskel-Verletzung folgte der nächsten. Wenn man so will, habe ich das tolle Erlebnis gegen Ravenna im Nachhinein sehr teuer bezahlt", sagt Anders heute. Aber irgendwie hat es sich doch gelohnt.
