Beim Aufwärmen nämlich schickten Zdebel und Co. den Ball unkonzentriert und belustigt hin und her. Da wurde gelacht, geflachst, von Ernsthaftigkeit war weit und breit keine Spur. 15 Minuten dauerte dieses Affentheater, dann hatte Marcel Koller „den Kaffee auf“. Am Mittelkreis nagelte der Eidgenosse seine Jungs nach Strich und Faden zusammen. Einiges kam dabei auch den Zaungästen zu Ohren. Koller: „Da erzählt ihr die ganze Woche der Presse, dass ihr euch um einen ordentlichen Saisonabschluss bemüht. Und dann bewegt ihr euch so über den Platz.“
Die Worte zeigten Wirkung. Danach wurde Engagement wieder groß geschrieben, gab es eine richtig gute Trainingseinheit. Philipp Bönig gestern nach dem Spiel: „Vielleicht war das die Weichenstellung.“
Vor 27.000 Zuschauern im Wildpark hatte der VfL nicht nur den besseren Start, sondern auch am Ende verdient die Nase vorn. Marcel Koller war offensichtlich so zufrieden, dass er das für heute geplante Auslauftraining an Ort und Stelle durchführte und seiner Mannschaft bis Dienstag ein freies Pfingstwochenende spendierte. Koller: „Es war ein gutes Spiel nach einem guten Start. Wir sind nur Mitte der ersten Halbzeit in Gefahr geraten, meist durch Standardsituationen.“
Doch nach dem Solo von Azaouagh (45.) und dem Doppelschlag unmittelbar nach Wiederbeginn (48./50.) lobte Koller: „Das war ideal, um wieder auf die Bahn zu kommen. Schließlich haben wir noch das Ziel, zweitbester Revierklub zu werden.Weil dies für unsere Fans besonders wichtig ist.“
Enttäuscht war dagegen „Ede“ Becker. Der KSC-Coach: „Ergebnis und Leistung stimmten einfach nicht. Vor allem fehlten uns Biss und Entschlossenheit. Auch waren wir nie wirklich effektiv.“ Doch weil beide Teams gerettet sind und eine ordentliche Saison gespielt haben, gab es von beiden Trainern für die Leistung des Gegenübers großes Lob. Koller über den KSC: „Es ist nicht selbstverständlich, als Aufsteiger eine solch tolle Saison zu spielen.“ Und Ede Becker über den VfL: „Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer besonders schwer. Der VfL hat sein zweites Jahr aber souverän gemeistert.“
Auch wenn die Bochumer ihr Saisonziel (45 Punkte) nicht mehr erreichen können, so gilt die ganze Konzentration der letzten Heimaufgabe gegen Absteiger Hansa Rostock. Marcel Koller: „Auch wenn die Osttribüne gesperrt ist, wollen wir den 19.000 Zuschauern noch einen Sieg bieten.“ Was übersetzt vielleicht im günstigsten Fall Platz acht bedeuten könnte. Damit hätte der VfL, wie schon im letzten Jahr, eine der besten Platzierungen der Vereinsgeschichte erreicht.


