Am vergangenen Mittwoch, den 11. Juni, werden dennoch einige Fortuna-Fans mit ein bisschen Wehmut zurückgeblickt und an die einstigen Helden gedacht haben. Denn da jährte sich der bis heute einzige Meistertitel der Rot-Weißen.
Damals ging man nicht gerade als Favorit auf den Sieg der "Viktoria", dem damaligen Meisterpokal, der im Krieg verloren gegangen ist, in die Saison. Auch wenn man von einer Qualifikation für die Westdeutsche Meisterschaft ausgehen konnte. So setzte sich das Team um Paul Janes, Namensgeber des Stadions am Flinger Broich, in der Gruppenmeisterschaft souverän durch und musste nur gegen die SSVg Barmen ein Unentschieden hinnehmen – die restlichen Partien wurden allesamt gewonnen. Mit leichten Schwierigkeiten (3:2, 1:1) wurde auch die Hürde VfL Benrath um die Bergisch-Märkische Meisterschaft genommen.
Eine Runde später qualifizierten sich die Düsseldorfer trotz einer 0:1-Niederlage gegen den späteren Finalgegner aus Gelsenkirchen für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Ohne Gegentreffer ebneten sich Kapitän Theo "Döres" Breuer und Co. den Weg ins Endspiel. Vorwärts Gleiwitz (9:0), Arminia Hannover (3:0) und Eintracht Frankfurt (4:0) hießen die Zwischenstationen des Fortuna-Triumpfzuges.
Nun stand die alles entscheidende Begegnung gegen die "Königsblauen" auf dem Programm, in die man durchaus als Außenseiter ging. Schon vorher stand fest, dass die "Viktoria" zum ersten Mal in die Hände eines westdeutschen Clubs gehen wird. 60.000 Zuschauer hatten sich ausgerechnet im Kölner Müngersdorfer Stadion eingefunden, um ihr Team nach vorne zu schreien.
Der größte Pluspunkt der Schalker war die Vorbereitung auf die 90 Minuten. Denn der S04 bezog bereits einige Tage vor dem Aufeinandertreffen ein Trainingslager am Halterner See, um sich einzustimmen. Ganz anders sah das auf der anderen Seite aus: Fortunas Kicker Paul Mehl stand bis mittags noch in der elterlichen Gastwirtschaft und zapfte für die Anwesenden Bier.
Sein Mannschaftskamerad Felix Zwolanowski musste um fünf Uhr morgens aufstehen, um in einer Molkerei Anstricharbeiten zu tätigen. Während man heutzutage über solche Geschichten nur schmunzeln kann, war es früher an der Tagesordnung, dass vor der "Kickerei" noch ein "normaler Job" ausgeführt wurde.
Dass ausgerechnet diese beiden Jungs gegen Schalke zu den Matchwinnern wurden, passt in die Düsseldorfer Erfolgsgeschichte. Zwolanowski brachte seine Truppe schon nach elf Minuten mit 1:0 in Führung, Mehl sorgte 20 Zeigerumdrehungen vor dem Ende für die Vorentscheidung. Den Sack zu machte Georg Hochgesang, einer der wenigen "Vollzeitfußballer". Auch im Finale blieb man ohne Gegentreffer.
"Wir haben nicht mehr getan als unsere Pflicht", strahlte Spielführer Breuer nach dem Match und hatte immer noch die einzige Saison-Niederlage im Hinterkopf: "Die klare Revanche für das Duisburger 0:1 gegen Schalke ist für mich besonders erfreulich.“ Was blieb, war eine Meisterfeier, die es in sich hatte. Zwolanowski über die Feier-Nacht im Kölner Restaurant-Hotel Minerva: "Die bestellten Betten im Hotel waren umsonst, wir haben kein Auge zugemacht."
Auch für den Torschützen Hochgesang, der vom 1.FC Nürnberg an den Rhein gekommen war, ein tolles Erlebnis: "So einen Tag habe ich bei meinen Meisterschaftsfeiern in Nürnberg nicht erlebt." Sein Nachsatz an die Düsseldorfer Fangemeinde: "Bleibt uns auch treu, wenn es einmal anders wird und wir verlieren.“

