
Während Poldi selbst Flix herzt...
Was soll man nach so einem Spiel machen? Atemlos und irgendwie hypnotisiert starrt man auf die Leinwand. Die Bedienung bringt ein neues Bier, die Zigarette danach wird genüsslich zelebriert. Delling und Netzer werden durch den Kaiser komplettiert, der in seinem Großmut kurz und knapp erklärt: „Ja also, endlich sind die langweiligen Gruppenspiele vorbei und dann kann auch so eine Leistungssteigerung kommen.“ Netzer grinst ob der weltmännischen Selbstverständlichkeit, in dessen Schatten selbst er, der aus der Tiefe des Raumes kam, wie ein ewiger „Katsche“ Schwarzenbeck wirkt. Netzer will weiter akribisch Details analysieren, Fehler entdecken, während Beckenbauer alles mit einer kurzen Geste à la „Schwamm drüber“ wegwischt. Mit dieser Selbstverständlichkeit muss Gott die Welt geschaffen haben. Aber wenigstens ein bisschen Gott war ich auch, denn, wenn ich schon mal Geld auf eine Mannschaft setzte, vergeigt sie garantiert. Polen auf Sieg gegen Österreich hatte ich gewettet, in der 93. Minute machte es mir ein Elfmeter kaputt. Italien auf Sieg gegen Rumänien, aber Luca Toni mimte den Gomez und versiebte alles. Jetzt Portugal Ade, da bleibt nur der Fado. Die Wette auf Portugal war von Anfang an hintersinnig, denn ich habe am Ende mit den Deutschen gezittert, und es war mir egal, dass mein Portemonnaie bluten musste. Was nicht heißt, dass ich nicht käuflich wäre. Sie wollen, dass ihre Mannschaft gewinnt? Lassen Sie mich auf den Gegner setzen. Ich bin ein „Cooler“, ein Pechvogel, ich hatte 2:1 für die Tschechen gegen die Türkei getippt. Das Ergebnis kennen sie.

hält Portugals Alt-Internationaler dem Druck nicht mehr Stand.
Wie unbegreiflich schön kann doch ein Fußballspiel sein. Haben Sie gemerkt, wie die Portugiesen von Anfang an geradezu vor Respekt erstarrten, die Dominanz abgaben und erst nach dem 0:2 überhaupt, dann schon beinah verzweifelt, sich an ihre eigenen Fähigkeiten klammerten? Oder wie die Deutschen im Abwehrzentrum die portugiesischen Angriffe stets nach Außen lenkten, weil sie wussten, bei Weitschüssen und Flanken hätten sie die Angriffsgefahr minimiert? Nicht ein gefürchteter Doppelpass zwischen Deco und Ronaldo kam im Angriffszentrum zu Stande. Gut, in der 88. Minute klappte es nicht, aber bei vorher gefühlten 200 Mal funktionierte es. Die Bälle landeten hinter dem Tor, bei den Zuschauern, auf den Köpfen der M&M Innenverteidigung oder sanft in Lehmanns Armen.
Heute lasse ich mir meine Freude jedenfalls nicht verderben. Auch nicht von den Idioten, die mir weit nach dem Spiel auf der Straße begegnen: Sie grölen ihr besoffenes Deutschland in die Nacht und tragen eine schwarz-rot-gold Fahne mit dem Reichsadler drauf. Es ist in diesem Land immer schwer, nur vom Fußball begeistert zu sein. Zu allem Überfluss klaut mir später in Waldis EM-Club, der heute durch den wunderbaren Pepi Hickersberger aus seinem bisherigen öffentlich-rechtlichen Dahinvegetieren zu Leben erweckt wurde, auch noch der omnipräsente Oliver Pocher meinen Eingangsgag: „Vielleicht sollte Jogi immer auf der Tribüne sitzen“, kalauerte er als „Poldi“.

Meine Überschrift „Jogi raus“ hatte ich in meiner Stammkneipe schon nach dem Abpfiff verkündet. „Never change a winning team“, bemerkt Hickersberger im TV lakonisch dazu.
Vielleicht interessiert Sie das alles nicht, okay, klicken Sie einfach weiter. Aber glauben Sie bitte nicht, ich würde nur schwadronieren. Keineswegs. Ich schwärme und schaue in die mondhelle Nacht. Er ist so wunderbar... rund.
