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Timo Boll: Zufrieden beim „FC Bayern des Tischtennis“
„Uns wird nichts vor die Füße gelegt“

Mit Timo Boll, einem der besten Tischtennisspieler der Welt, hat Borussia Düsseldorf ein internationales Aushängeschild in seinen Reihen. Nachdem der Spitzensportler kontinental mit dem dreifachen EM-Triumph und national durch den Gewinn der deutschen Meisterschaft und des Pokals alle in diesem Jahr möglichen Titel gewonnen hat, ist ein Medaillengewinn das erklärte Ziel bei den nun anstehenden Olympischen Spielen in Peking.

Im RevierSport-Interview spricht Boll über die von Düsseldorf und der Borussia geschaffenen Rahmenbedingungen für seinen Sport, seine Vorbereitungen auf die Spiele und die Medaillen-Chancen.

Timo Boll, wie ist der aktuelle Stand der Olympia-Vorbereitung?

Die konditionelle Verfassung ist schon auf hohem Niveau. Jetzt werden die tischtennisspezifischen Inhalte trainiert und das spielerische Niveau verbessert.

Was steht noch an, bevor es nach Peking geht?

Jetzt gibt es nur noch Training, Training, Training. Alles ist auf das große Ziel fokussiert.

Sie bestreiten Ihre dritten Olympischen Spiele. Ein Glücksfall für Sie und Ihren Sport, dass China in diesem Jahr der Ausrichter ist?

Absolut. Unser Sport bekommt in der öffentlichen Wahrnehmung einen viel höheren Stellenwert als je zuvor.

In Ihrer Erfolgs- und Titelsammlung fehlt noch eine olympische Medaille. Wie optimistisch sind Sie, dass es diesmal klappt?

Optimismus habe ich immer und auch dieses Mal. Es ist mein erklärtes Ziel, eine Medaille zu gewinnen. Es hängt aber von vielen Faktoren, nicht zuletzt der Tagesform ab.

Mit Borussia Düsseldorf sind Sie in Ihrer ersten Saison gleich Deutscher Mannschaftsmeister geworden. Ein perfekter Einstand!

Ich bin mit meiner ersten Saison bei der Borussia sehr zufrieden. Ich glaube, wir haben den Fans sehr guten Sport geboten.

Sie haben sich ja bereits gut in Ihrer neuen Heimat Düsseldorf eingelebt. Wie gefällt Ihnen die NRW-Landeshauptstadt und welche Ecken mögen Sie besonders?

Ein Spaziergang bei einem schönen Abend entlang der Rheinuferpromenade ist ja fast wie Urlaub. Aber auch mein Wohnort, der Stadtteil Gerresheim, hat sehr schöne Ecken.

Wie haben Sie den Verein und das Umfeld kennen gelernt. Was waren die Gründe für Ihren Vereinswechsel?

Im deutschen Tischtennis ist mir nichts mehr fremd. Irgendwie sind wir ja eine große Familie. Also gab es nichts wirklich Neues bei meinem Vereinswechsel. Der Hauptgrund für meinen Wechsel war diese nahezu perfekte Professionalität, die bei der Borussia jeder Mitarbeiter – von ganz oben bis ganz unten – lebt.

Sie gehören seit Ihrem Wechsel nach Düsseldorf zum „Team 2008“. Was halten Sie von dieser Art von Förderung und welche Vorteile ergeben sich für Sie daraus?

Jede Unterstützung, die wir Sportler erfahren, ist irgendwie auch eine Anerkennung. Ich bin der Initiative „Team 2008“ sehr dankbar. Wir sind ja keine Fußballprofis, so dass uns alles vor die Füße gelegt wird. Dank der Unterstützung kann ich einige Sondermaßnahmen durchführen, die mir und meinem Sport zu Gute kommen.

Neben Ihnen werden auch Ihre Mannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov und Christian Süß auf Medaillenjagd gehen. Die Borussia stellt somit fast das komplette deutsche Team. Was sagt dies über den Tischtennis-Sport in Düsseldorf aus?

Ich habe es schon anlässlich unseres Meistertitels gesagt: Borussia Düsseldorf ist der FC Bayern des Tischtennis. Dort ist Kopf, Seele und Herz des Tischtennissports beheimatet. Der Verein baut auf junge deutsche Spieler. Wir haben eine zukunftsorientierte Mannschaft.

Wie sieht ein typischer Trainingsalltag aus?

Oft geht es schon früh morgens mit einem Waldlauf los. Dann folgt ab 10 Uhr eine zweistündige Tischtenniseinheit, an die sich direkt noch konditionelle Übungen anschließen. Um 13 Uhr ist Mittagspause und Mittagsruhe. Ab 16 Uhr folgt eine weitere Trainingseinheit und zum Abschluss meist noch eine Massage. Vor 18.30 Uhr habe ich keinen Feierabend.

Sie haben in der Vergangenheit stark an Ihrer Kondition gearbeitet und galten ein wenig als Vorreiter in diesem Bereich. Wie ist das heute?

Die körperliche Fitness ist sehr entscheidend für meine Spielstärke. Deshalb gehe ich auch gerne Laufen. Im Wald kann ich am besten abschalten. Das macht Spaß. Als Vorreiter würde ich mich nicht bezeichnen, vielmehr schaue ich auch auf andere Sportarten oder tausche mich mit anderen Athleten aus. So habe ich am Rande des ARAG Tennis World Team Cup ein Gespräch mit Nicolas Kiefer geführt, der als einer der fittesten Tennisspieler gilt. Das war schon sehr aufschlussreich.

In Asien sind Sie enorm populär. Können Sie dort unerkannt einkaufen?

Da stehen mir nicht selten Bodyguards zur Seite, obwohl ich noch nie größere unangenehme Erfahrungen gemacht habe. Gerade die chinesischen Fans verehren uns Spieler dermaßen, dass es ja auch okay ist, wenn sie ihre Autogramme oder Fotos wollen. Ich kann damit umgehen und freue mich über die Popularität.

Warum Tischtennis?

Es ist eine faszinierende Sportart, die schnellste Rückschlagsportart der Welt. Im Tischtennis vereinen sich alle Faktoren: Schnelligkeit, Willenskraft, spielerische Elemente, psychologische Auseinandersetzung mit dem Gegner und vieles mehr.

Haben Sie ein sportliches Vorbild?

Heute nicht mehr. Früher war es ganz klar Jörg Roßkopf. Er ist jetzt ein Freund, der mir viele gute Tipps gibt.

Welchen Sportler hoffen Sie in Peking persönlich zu treffen?

Jede Minute im Dorf, das Miteinander dieser großen olympischen Familie, ist faszinierend. Ich freue mich auf gute Gespräche, auf interessante Beobachtungen. In den vergangenen Jahren habe ich viele Kontakte geknüpft, die ich wieder pflegen möchte: zu den Handballern, zu Kiefer, zu vielen anderen mehr.

In welchen Situationen merken Sie, dass Sie Vorbild sind?

Ich möchte kein Vorbild sein. Ich versuche einfach ein ordentliches Leben zu führen, geprägt von Fair Play und Anstand. Wenn anderen das gefällt und sie es auch umsetzen, ist das doch gut.

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