Der VfL in Yokohama, das ist so wie ein Sonnenhut in Alaska. Und doch: 40 Journalisten und drei Kameras können sich nicht irren. Soviele waren am Mittwoch um zwölf Uhr MESZ bei Marcel Koller und Shinji Ono im Presseraum der Marinos Yokohama. Irgendwie müssen die Klubs Seelenverwandte sein, denn der Klub aus der zweitgrößten Stadt Japans (3,2 Millionen Einwohner) ist 16., steht nach 19 Runden auf einem Relegationsplatz und ist stark abstiegsgefährdet. Und warum mich diese Situation ausgerechnet an den VfL erinnert, das fällt mir im Moment nicht ein.
Am Donnerstag um zwölf Uhr treffen also zwei Underdogs aufeinander, um einerseits das deutsch-japanische Verhältnis noch weiter zu verbessern und andererseits die DFL mit ihrer Asienvermarktung noch reicher zu machen. Schließlich wollen wir nicht hoffen, dass Andreas Rettig (Augsburg) Recht behält, der dem Kartellamt droht getreu dem Motto „Wenn ihr uns ärgert, holen wir uns das Geld bei den Fans wieder“.
Derweil drücken mich persönlich hier in Japan menschliche Probleme. Zur Vorgeschichte: Ich bin technisch völlig unbegabt, lasse mir selbst die einfachste Bedienungsanleitung eines Handys hundert Mal erklären und habe es dann immer noch nicht kapiert. Doch endgültig an meine technischen Grenzen bin ich gestoßen, als ich mich Donnerstagvormittag im Interkontinental-Hotel „The Grand“ auf die High Tech-Toilette meines Zimmers setzte. Selbst Schumachers Ferrari zu Weltmeisterschafts-Zeiten konnte nicht annähernd so viele Knöpfe bieten wie der „Lokus“ im Fünf-Sterne-Heim. Für alles gibt es einen Knopf: Nur wer verriet mir, wo man abzieht? Vor Schreck greife ich auf die kleine blaue Taste: Ein ohrenbetäubendes Geräusch erfüllt das Badezimmer. Einen Moment habe ich den Eindruck, die Niagarafälle würden sich über das Zimmer ergießen, doch kein einziger Tropfen bewegt sich. Später erfahre ich aus dem Reiseführer, dass dieses Akustiksignal alleine dazu dient einen lauten Furz zu übertönen. Ein weiterer Knopf sorgt dafür, dass man meint, man wäre mit dem Hintern in einen Wolkenbruch geraten. Ach, was sehnte ich mich schon nach wenigen Stunden nach der Ein-Schalter-Toilette in Deutschland zurück.
Weit weniger Probleme bereitet mir die asiatische Höflichkeit. Egal, ob ich vor einer Fahrstuhltür, einem Informationsschalter oder einer Telefonzelle stehe, erstmal verbeugt man sich vor allem und jeden, um dann festzustellen, vor wem man sich eigentlich verbeugt hat. So sind in den Badezimmern eigens Trainingszentren: Der Duschstrahler ist nämlich so tief angebracht, dass man sich als gut gebauter Europäer auch unter der Dusche verbeugt, um in den Genuss von heißem Wasser zu kommen. Aber immerhin: Wer kann am Ende seines Lebens auf den Grabstein schreiben „Ich war beim torlosen Remis gegen die Marinos Yokohama dabei“?
P.S.: Viel lieber würde ich auf meinem Grabstein alle Torschützen der heutigen Partie in Stein meißeln lassen.


















