Als sich der Hamburger SV und der spanische Rekordmeister um 1.30 Uhr in der Nacht zum Montag nach wochenlangem Tauziehen auf den Wechsel verständigten, wurde für den niederländischen Spielmacher aber "ein Traum wahr".
"Wie jeder weiß, wollte ich immer nach Spanien wechseln, weil ich eine starke Bindung zu diesem Land habe", sagte der 25 Jahre alte Sohn einer Spanierin, der bei Real nicht nur auf den deutschen Trainer Bernd Schuster, sondern auch auf seine vier Landsleute Ruud van Nistelrooy, Arjen Robben, Wesley Sneijder und Royston Drenthe treffen wird. Die Real-Offensive wird in der kommenden Saison also vor allem von "oranje" geprägt sein.
Am Dienstag wird van der Vaart präsentiert, nach Angaben der Bild-Zeitung soll er einen Fünf-Jahres-Vertrag bei den "Königlichen" unterschreiben. Die Hamburger sollen eine Ablösesumme von 14 Millionen Euro plus eine Erfolgsbeteiligung von zwei Millionen Euro erhalten. Allerdings bekommt auch van der Vaarts Ex-Verein Ajax Amsterdam nach Medienberichten zwei Millionen Euro der Ablösesumme. "Wir bekommen über 15 Millionen Euro. Mit den Konditionen sind wir zufrieden", sagte Aufsichtsratschef Horst Becker der Bild.
"Für uns ist die Schmerzgrenze überschritten worden", sagte auch Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: "Es war der ausdrückliche Wunsch des Spielers zu gehen. Bei einem Angebot von Real Madrid kann man das natürlich verstehen."
Der HSV wird vor allem endlich Ruhe haben. Trainer Martin Jol war am Wochenende schon der Geduldsfaden gerissen, er hatte van der Vaart bei den Spielen gegen Real (1:2) und Juventus Turin (3:0) auf die Tribüne gesetzt, weil "er mental nicht hundertprozentig bei der Sache" sei und "es gut wäre, wenn mal Ruhe in der Bude wäre". Mitspieler Vincent Kompany hatte die ständige Transfer-Diskussionen als "eine Show oder eine Sitcom" bezeichnet.
Doch nachdem van der Vaart im Ansehen der Fans vor allem mit einer starken Hinrunde die Scherben nach seinem unwürdigen Verhandlungspoker mit dem FC Valencia im Vorjahr mühsam zusammen gekehrt hatte, überkam ihn beim Abschied der Elbe auch Wehmut. "Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, bin ich ausgesprochen glücklich, dass ich die Chance hatte, beim HSV zu spielen", schrieb er: "Kein Verein und keine Fangruppe behandelt einen mit mehr Gastfreundlichkeit, als sie es tun. Danke für all das - Sylvie und ich werden euch nie vergessen!" Nun werde er aber "ein neues Kapitel in meinem Leben beginnen. Und ich werde alles tun, um der Mannschaft und dem Verein zu helfen, Titel zu gewinnen."
Schuster hatte den "Tulpen-Beckham" stets als seinen Wunschspieler bezeichnet, sich vom Transfer-Gerangel zuletzt aber ebenso genervt gezeigt wie von dem um Cristiano Ronaldo. Am portugiesischen Superstar, für den Real dem englischen Meister Manchester United angeblich bis zu 100 Millionen Euro geboten hat, haben die "Königlichen" weiterhin großes Interesse.
Mit van der Vaart waren sich die Madrilenen schnell einig, es hakte jedoch bei den Verhandlungen mit dem HSV. Da der Spielmacher 2009 für 1,5 Millionen Euro aus seinem bis 2010 laufenden Vertrag hätte aussteigen können, weigerte sich Real anfangs lange, die vom HSV geforderten 13 Millionen zu zahlen. Zum Einlenken brachte die Spanier offenbar die schwere Verletzung von Sneijder, der nach seiner am Wochenende erlittenen Knieblessur bis zu sechs Monate ausfällt.
Der HSV bekommt nun die gewünschte Ablösesumme, dafür hinterlässt van der Vaart sportlich, aber auch als Kapitän, Führungs- und Identifikationsfigur eine große Lücke. Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer hat die Suche nach einem geeigneten Nachfolger natürlich schon lange begonnen, weiß aber auch: "Es ist nicht leicht, einen Spieler seiner Güte zu bekommen."


















