Vorbereitung
Angesichts von insgesamt fünf Verletzten und zwei bitteren Testspiel-Niederlagen kann man diese nicht wirklich als rundum gelungen bezeichnen. Positiv ist allerdings, dass sich die Mannschaft zum Start der Pflichtspiele hin fit präsentiert. Das 4:0 vor knapp einer Woche in Aachen war ein Gradmesser dafür, dass die Maßnahmen von Trainer Fred Rutten Wirkung zeigen.
Guckten sich die Profis zu Beginn der Vorbereitung ganz schön um, als der neue Coach gelegentlich bis zu drei Stunden trainieren ließ, wurde das Pensum in den letzten Tagen deutlich heruntergefahren. Und obwohl der Holländer dem Pokal-Match in Homburg im offiziellen Sprachgebrauch genau so große Bedeutung beimessen möchte wie den folgenden Partien in der Champions-League-Quali und in der Bundesliga, dient der Auftritt am kommenden Samstag beim Fünftligisten noch zur Einstimmung auf die wirklich großen Aufgaben in der neuen Saison.
Die Testspiele
SpVg. Erkenschwick - S04 0:6
Wattenscheid 09 - S04 0:1
S04 - Victoria Nationalelf 11:0
Wuppertaler SV - S04 3:0
S04 - Glasgow Rangers 1:0
S04 -Bahrain 4:1
S04 - Besiktas Istanbul 1:2
Alemannia Aachen - S04 0:4
S04 - SpVgg. Ketsch 5:0
Bilanz: 9 Spiele, 7 Siege, 2 Niederlagen, 33:6 Tore.
Torschützen: Asamoah (5), Altintop (3), Grossmüller (3), Kobiashvili (2), Larsen (2), Heppke (2), Jones (2), Farfan (2), Kenia (2), Krstajic, Pander, Ernst, Engelaar, Kuranyi, Höwedes, Westermann, Bordon, Lövenkrands (je 1) Eigentor Vukovic
Die Abwehr
Die Defensive ist durch den fehlenden Rafinhas sowie die verletzten Manuel Neuer und Mladen Krstajic auseinandergerissen worden. Mathias Schober genießt das Vertrauen im Tor, doch Neuers Präsenz gerade im Strafraum besitzt er nicht. Rechts übernimmt Heiko Westermann, in der Mitte springt Benedikt Höwedes ein. Obwohl der Einsatz des 20-Jährigen keine Bauchschmerzen verursachen muss, hat er eben nicht die Erfahrung des Serben, sodass die Viererkette zu Saisonbeginn zunächst eine improvisierte ist. Auf dem linken Flügel hat sich Christian Pander gegenüber Levan Kobiashvili durchgesetzt. Rutten baut somit auf mehr Zug nach vorne.
Das Mittelfeld
Das Trio Fabian Ernst, Jermaine Jones und Orlando Engelaar hat sich schnell gefunden. In dieser Besetzung gehört Schalkes Zentrale zum Besten, was die Bundesliga im Mittelfeld zu bieten hat. Vor allem hier muss Ruttens Philosophie vom schnellen, direkten Spiel nach vorne funktionieren, wofür Engelaar mit seiner Ballsicherheit der Taktgeber ist. Für "Kobi", Carlos Grossmüller und all die anderen potenziellen Anwärter auf einen Platz im Team ist es derzeit fast unmöglich, an diesem Dreigestirn vorbei zu kommen.
Der Angriff
Hier ist nur Jefferson Farfan auf der rechten Flanke gesetzt. In der Mitte muss Kevin Kuranyi seinen Anspruch als Platzhirsch im Team ebenso verteidigen wie Ivan Rakitic, der als Linksaußen zunächst erste Wahl ist. Da Kuranyi aufgrund seiner technischen und spieltaktischen Defizite mit dem neuen Tempofußball auf Schalke nicht wirklich gut zurecht kommt, wäre Halil Altintop als Stoßstürmer eine Alternative. Kuranyi dürfte hingegen nur dann auf Dauer in der ersten Elf bleiben, wenn er bei Standards wie gewohnt zur Geltung kommt. Rakitic ist anpassungsfähig und nimmt die Rolle auf der Außenbahn an, hat aber in Vicente Sanchez und bald Albert Streit nahezu gleichwertige Konkurrenz.
Die Stärken
Schalkes Kader ist nicht nur durch die beiden Top-Verstärkungen Farfan und Engelaar punktuell verstärkt worden, sondern auch in der Breite ausgeglichener. Fallen ein paar Leute aus, sind hinten dran gleich ein Haufen Kandidaten, die genau auf diese Chance gewartet haben. Dass sich selbst Nationalspieler wie Heiko Westermann einen Platz in der Truppe suchen müssen, kann nur ein Ausdruck Schalker Stärke sein. Eine Aufgabe Ruttens ist daher, auch die vermeintlichen Reservisten bei Laune zu halten.
Die Schwächen
Auch in den Testspielen wurde deutlich, dass Schalke trotz des Zehn-Millionen-Einkaufs Farfan das Toreschießen nicht erfunden hat. Außer gegen klar unterklassige Gegner und zuletzt beim Viererpack in Aachen offenbarten die Königsblauen vor dem gegnerischen Tor genau die Probleme, die den Fans in der vergangenen Saison so manche Nerven gekostet hat. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Mittelfeld und Angriff klappt noch lange nicht wie gewünscht.
Die Prognose
Aus den ersten vier Bundesliga-Partien sind neun Punkte drin, damit würde sich Schalke gleich oben positionieren. Schwerer als das Auftaktprogramm in der Meisterschaft ist allerdings das Erreichen der Champions League, denn die Chancen, gegen Atletico Madrid weiterzukommen, stehen höchstens bei 50 zu 50.

