Die Vorbereitung
Sportlich verlief sie mehr als zufriedenstellend. Sechs Testpartien absolvierten die „Zebras“, fünf davon endeten mit einem Sieg. Mit dem belgischen Erstligisten FC Brügge wartete ein starker Gegner, dennoch wurden die Duisburger erst von Bundesligist 1. FC Köln, der dem MSV alles abverlangte, so richtig gefordert. Doch die Bommer-Elf zeigte Zähne und holte den Rückstand auf, fightete über 90 Minuten. Aber auch menschlich war die Vorbereitung mehr als ein Erfolg. „Es war die beste, die wir in meiner Amtszeit hatten“, bilanziert der MSV-Coach.
Und dass, obwohl 13 Neuzugänge integriert und ebenso viele Abgänge kompensiert werden mussten. Ein echtes Mammutprojekt, dass durch die Aktivitäten von Sport-Chef Bruno Hübner auf dem Transfermarkt erst so richtig ins Wirbeln kam. Dabei setzen die MSV-Verantwortlichen verstärkt auf die Jugend. Bommer: „Wir wissen, dass wir viele Spieler mit vergleichsweise wenig Erfahrung im Team haben. Aber das sind motivierte und erfolgshungrige Jungs, die da hingehen, wo es wehtut. Und die bereit sind, sich in und vor allem mit der Mannschaft zu entwickeln.“ Rudi Bommer wird wieder mit einem 4-4-2-System beginnen.
Die Testspiele
Duisburger SV 1900 - MSV 0:12
SG Köln Worringen - MSV 3:7
SV Freden - MSV 0:17
MSV - 1. FC Magdeburg 1:0
MSV - FC Brügge 1:0
MSV - 1. FC Köln 1:1
Bilanz: 5 Siege, ein Remis
Torschützen: Wagner (10), Adler, Terodde, (je 6), Boland, Niculescu (je 3), Kouemeha, Makiadi, Sahan (je 2), Atem, Brzenska, Willi, Eigentore (1)
Die Abwehr
Aus dem von vielen mit Spannung erwarteten Rennen um den Platz zwischen den Pfosten scheint mittlerweile nicht einmal mehr ein echtes Duell zwischen Tom Starke und Marcel Herzog zu entbrennen. Die Fronten sind klar. Nachdem Bommer und Hübner schon früh die Planung mit Sven Beuckert verneinten, scheint das Pendel zu Gunsten der Nummer eins Tom Starke auszuschlagen. Die „Außenminister“ in der Viererkette sind mit Tobias Willi (rechts) und Mounir Chaftar (links) gesetzt. Als Ersatz fungieren Serge Branco (rechts) und Olivier Veigneau (links).
Der Kampf in der Innenverteidigung ist nicht zuletzt durch die dumme Rote Karte von Tiago im Freundschaftsspiel gegen Brügge neu entfacht. Dennoch scheint auch hier das passende Pärchen gefunden. Stammplatzgarantien dürften wohl Markus Brzenska und Björn Schlicke haben. Als Ersatz fungieren Fernando Avalos und Tiago. Als Alternative könnte auch Mounir Chaftar noch in den Deckungsverband rutschen. Ivo Grlic und der verletzte Adam Bodzek sind da ebenso mit im Boot. Pablo Caceres wird keine Rolle spielen.
Das Mittelfeld:
Mihai Tararache dürfte als „Sechser“ ebenso sicher zur Startelf gehören wie die Außenbahn-Neuzugänge Chinedu Ede (links) und Cedrick Makiadi (rechts). „Genau da lag im Abstiegsjahr unser Problem. Zu wenig Bewegung und Impulse über die Seitenbahnen“, analysiert Sport-Chef Bruno Hübner. Unterstützt werden die beiden von den defensiven Außen der Viererkette. In der Schaltzentrale und als Nebenmann von Mihai Tararache ist ein Platz für Kapitän Ivo Grlic fest gebucht. Gregory Christ hat in der Vorbereitung aber gezeigt, dass er die Position hinter den Spitzen durchaus mit Leben füllen kann.
Auch Cedrick Makiadi ist in der Lage, in der „10er-Position“, die er auch schon in Wolfsburg bekleidete, das Team zu führen. Entscheidend wird die Ausrichtung durch Bommer sein, der mit einem zusätzlichen „Sechser“ gegen offensivstarke Teams auch noch Grlic und Adam Bodzek in der Hinterhand hat. Die Rolle von Nicky Adler wird sich in der Saison zeigen, da er an Makiadi vorerst nicht vorbei kommt. Maicon und Olcay Sahan kommen nur als Einwechselspieler in Frage. Allerdings hat der Ex-Gladbacher schon in Ansätzen gezeigt, dass er von der Bank kommend brandgefährlich ist. Christian Tiffert und Mirko Boland finden vorerst keine Berücksichtigung.
Der Angriff
Nach dem Abgang von Manasseh Ishiaku und Claudiu Niculescu das Sorgenkind. Doch mit Sandro Wagner, Dorge Rostand Kouemaha und zuletzt „Neu-Büffel“ Salou Ibrahim scheint vielversprechender und kopfballstarker Ersatz gefunden worden zu sein. Das Start-Ticket hat eigentlich nur Wagner sicher. Ibrahim und Kouemaha teilen sich die eine freie Planstelle. Valentine Atem und Simon Terodde kommen nicht über ein gelegentliches Gastspiel im Kader hinaus.
Die Stärken
Der Kader. Mit einer guten Mischung aus Jung und Alt scheint das Konzept für die nächsten zwei, drei Jahre zu stehen. Der Masterplan, der durchaus auch mit einem Aufstieg in Liga eins enden soll, wenn es nach den Wünschen von Club-Boss Walter Hellmich geht, ist aber viel weitreichender. „Wir möchten in den nächsten Jahren hier in Duisburg etwas aufbauen. Mal ein, zwei Spielzeiten mit den gleichen Jungs agieren, damit man wachsen kann. Dann kommt der Erfolg ganz von alleine“, erklärt Hübner. Zudem ist der Kader durch die vielen Neuzugänge in der Breite besser aufgestellt. Jede Stelle ist doppelt besetzt.
Die Schwächen
Der Umbruch in Duisburg ist da. Junge, hungrige Kicker wurden an die Wedau gelotst. Ob diese allerdings auch Charakter haben, wird sich im ersten Drittel der Saison zeigen. „Die Mannschaft wird an Erfolgen wachsen“, lautet eine vielversprechende Aussage aus dem Munde von Sport-Chef Hübner. Aber was passiert, wenn es nicht so ist? Zudem, wenn die miserable Heimschwäche der letzten Spielzeit fortgeführt wird. Dann sind die Spieler gefragt. Auf den Neuzugängen ruhen große Hoffnungen, auch von Seiten der Fans. Es wird sich zeigen, ob das neugegründete Kollektiv auch dann tadellos funktioniert.
Die Prognose
Der MSV gehört sicherlich zu dem Reigen der sieben, acht Kandidaten, die um den Aufstieg in der „besten Zweiten Liga aller Zeiten“ mitspielen werden. Bei allerdings nur zwei direkten Aufsteigern – der dritte muss in die Relegation – wird die Luft an der Spitze sehr eng. Spätestens am neunten Spieltag, wenn das beinharte Auftaktprogramm mit Begegnungen gegen Aufstiegsaspiranten wie Rostock, 1860 München, Aachen, Nürnberg, Freiburg und Mainz absolviert ist, wird man bei den „Zebras“ mehr wissen.

